Ronda: Ein Felsspalt, der's in sich hat!

Dieses Thema im Forum "Sehenswürdigkeiten in Spanien" wurde erstellt von Ibn Khaldun, 12. September 2006.

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  1. Ibn Khaldun
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    Ronda: Ein Felsspalt, der's in sich hat!
    Die Casa-Palacio del Rey Moro – La Mina

    Neben der ältesten Stierkampfarena Spaniens, einem arabischen Bad, einem recht gut erhaltenem mittelalterlichem Mauerring, seiner spektakulären Lage auf beiden Seiten einer Schlucht und Resten einer maurischen Moschee hat Ronda als weitere Sehenswürdigkeit noch die Casa Palacio del Rey Moro zu bieten. Der Name des eigentlich eher unspektakulären Gebäudes führt erst einmal zu Verwirrung, denn das Gebäude selbst stammt nicht aus der Maurenzeit, sondern aus dem 18. Jahrhundert und zu besichtigen ist es - laut Website "zur Zeit" – auch nicht. Dieses "z.Zt." erstreckt sich nun – typisch andalusisch - schon über mehrere Jahre...

    Aber diese nach außen unscheinbare Villa des 18. Jahrhunderts steht über einem Felsspalt im Kalksteinfelsen des Tajo de Ronda, und dieser Felsspalt hat's in sich, denn er enthält – der aufmerksame Leser wird es längst erraten haben – ein maurisches Bauwerk: La Mina.

    Was aber ist diese "Mine"? Ein Bergwerk? Nein. Bei dieser mina handelt es sich um einen typischen Teil des hispanoarabischen Defensivsystems, um eine coracha (eigentlich 'Lederbeutel'), nur dass diese hier natürlich vorgegebene Strukturen im Fels nutzte. Die wahrscheinlich bekannteste, weil besterhaltenste Coracha ist der Verbindungsgang zwischen der Alcazaba de Málaga und dem Castillo de Gibralfaro. Von der Coracha der Alcazaba Qadima in Granada, die später zur Alhambra hin verlängert wurde, ist nur noch der halbe Bogen der - fälschlicherweise - als Puente del Cadí identifizierten Brücke erhalten. Anders als die Coracha in Málaga dienten die meisten dieser verdeckten Verbindungsgänge dazu, um aus einer Festung heraus an einen Flusslauf zu kommen und somit die Wasserversorgung zu gewährleisten – daher möglicherweise auch die Bezeichnung.
    Die Mina unterhalb der Casa del Rey Moro diente also den Verteidigern Rondas dazu, um von der Höhe ihres "Adlerhorstes" hinunter in die Schlucht zu gelangen und Wasser zu schöpfen. Diesen Weg kann der Besucher auch heute noch einschlagen, ein in die Wände geschlagenes Seil und Licht aus Fenstern und von Glühlampen sorgen dafür, dass der Gang über 200 Treppenstufen/100 m nicht zur Rutschpartie wird.

    Obwohl es in der Mina, dank des feuchten Klimas und des Schattens angenehm kühl ist, ist der Besuch im Sommer nicht sehr zu empfehlen. Der Fluss – der Guadalevín – müffelt dann unangenehm. Im Winter und Frühjahr dagegen muss man keine Geruchsbelästigung erwarten. Ob diese Behauptung empirischer Forschung stand halten würde :wink: kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass ich, als ich mit Freunden nach Ronda kam ihnen davon abriet die Mina zu besuchen, weil ich einige Jahre vorher den Gestank des Guadalevín doch als recht unangenehm empfand. Ich wurde überredet und war dann doch positiv überrascht. Die Behauptung basiert also lediglich auf eigener Erfahrung.
    Nach Wiederaufstieg bietet die Gartenanlage von 1923 Ausblicke auf den Tajo de Ronda und natürlich schattige Plätze zur Erholung.

    Die Casa-Palacio del Rey Moro befindet sich in der Cuesta de Santo Domingo. Man gelangt dort von der Plaza de Toros hin, indem man die Puente Nuevo* überquert und dann die erste Straße nach links abbiegt.
    Wer mehr Zeit und Lust zum Laufen mitbringt, könnte z.B. erst die Plaza besuchen, darin befindet sich ein Stierkampfmuseum – welches ich persönlich eher fad finde, aber das ist Ansichtssache – dann könnte man das in der Brücke befindliche Museum (Eingang rechts vor der Brücke besuchen, schließlich nach Überquerung der Brücke vom Mercadillo in die Ciudad gelangt würde man sich einen Weg rechterhand suchen, der einen zu dem maurischen Hufeisenbogenstadttor führen würde, welches man längst auf halber Höhe rechterhand entdeckt hat. Dort angekommen würde man dann versuchen die Stadt zu umrunden – ganz "wagemutige" :wink: würde vielleicht auch dem Pfad folgen, der von diesem Stadttor in den Tajo de Ronda führt und ein verfallenes Turbinenkraftwerk entdecken, welches dort vor etwa 100 Jahren gebaut wurde (hierfür wäre aber feste Kleidung von Nöten, der Pfad führt durch dichtes Gestrüpp, ist nichts für Spaziergänger! Außerdem scheint das alte Kraftwerk Treffpunkt für Jugendliche zu sein, die hier die Sachen machen, die sie zuhause nicht dürfen...). Also zurück zum Stadttor auf halber Höhe. Von hier aus lässt sich die Stadt – la Ciudad, nicht el Mercadillo! – in einem relativ gemütlichen Spaziergang halb oder ganz umrunden. Nach der halben Umrundung trifft man auf ein doppeltes Stadttor, auf der einen Seite maurisch, auf der anderen barock. Hier geht könnte man hindurch gehen und die Kirchen rechts und links der wieder zurück zur Puente Romano führenden Straße besuchen. Die erste Kirche rechter Hand, Espíritu Santo, etwa bietet eine Turmbesteigung an, eine Kirche linker Hand Sta. Maria La Mayor an der Plaza del Ayuntamiento, sehr schön gelegen, ist interessanter, hier ist der Mihrab – also die Gebetsnische der vorher hier stehenden Moschee als offensichtlichstes Merkmal dieser erhalten, der aufmerksame Beobachter wird noch mehr Elemente entdecken.
    Von hier aus würde der Spaziergänger dann den Weg zur Mina suchen, wofür er kurz vor der berühmten Puente Romano rechts abbiegen würde. Würde der Spaziergänger nach dem Besuch der Mina und einer Rast im Garten des Palacio del Rey Moro noch immer Lust zur Wanderschaft verspüren, würde er der Straße weiter nach unten folgen, bis er beim alten baño árabe angekommen wäre. Nach der Besichtigung dieses baños würde er die römische oder arabische Brücke überqueren und auf der Seite des Mercadillo wieder den Weg oben zur Plaza de Toros suchen, nicht ohne die Aussichtsterrassen am Rade des Tajo gegenüber der Casa del Rey Moro zu besuchen.

    Noch ein paar Worte zum Tajo: der ein oder andere geographisch bewanderte Leser wird sich nun vielleicht wundern, dass sich der Tajo, der doch eigentlich Zentralspanien und Portugal in Ost-West-Richtung durchfließt, plötzlich im weit südlichen Ronda wiederfindet. Kein Grund seine Geographiekenntnisse in Frage zu stellen. Der berühmt Fluss Tajo wurde von den Römern Tagus genannt. Der Tajo de Ronda dagegen ist der 'Einschnitt' – also die Schlucht, was von dem lateinischen taliare ('schneiden') herstammt. Obwohl also beide Namen gleich klingen und auf den ersten Blick das gleiche bezeichnen, nämlich einen tief in einer Schlucht eingegrabenen Fluss, sind sie etymologisch nicht verwandt.

    Website: http://www.turismoderonda.es/catalogo/esp/reymoro.htm

    *Ich hasse solche Genusverschiebungen: soll man lieber "der puente" sagen, weil spanisch puente maskulin ist oder doch "die puente", weil es ja 'die Brücke' ist? Das gleiche gilt für Plaza, als Platz. Bei Plaza de Toros ist es einfacher: la plaza und die Stierkampfarena (wobei hier das Problem woanders liegt...)!
     
    #1 12. September 2006
  2. Morayma
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    Hola Ibn Khaldun,

    Wir hatten das Thema der Genusverschiebung einmal vor Jahren in unsrer Zeitung. Weil wir uns nicht einigen konnten, baten wir die Dudenredaktion um Rat und Auskunft.

    Diese teilte uns mit, dass es zwar keine allgemeingültige Regel im Deutschen gäbe, aber die Dudenredaktion sei der Meinung, dass z.B. Plaza de Toros als "Eigenname" betrachtet werden könne und man deshalb ohne weiteres der Plaza de Toros schreiben könne oder die Banco de Bilbao oder die Puente de Reyes.
    Seither halte ich es so.

    Saludos
    Morayma
     
    #2 6. Oktober 2006
  3. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Vaya Morayma, in welchem Spanien bist Du denn?
    In "meinem" Spanien haben wir schon den 6. Oktober 2006.
    Aber vielleicht laufen in Alicante die Uhren anders? :wink:
     
    #3 6. Oktober 2006
  4. Morayma
    Morayma New Member
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    Philip, da warst Du wieder mal schneller als der Schall :wink:
    Während ich "absenden" anklickte, merkte ich, das ICH mich im Datum vertan hatte :oops: und löschte den Beitrag. Aber Du hast ihn gerade noch gelesen. Natürlich haben wir auch in Alicante heute den 6. Oktober und nicht den 6. September.


    Saludos
    Morayma
     
    #4 6. Oktober 2006
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