Der „Kaufpreis“

Dieses Thema im Forum "Residenten in Spanien" wurde erstellt von Lilac, 16. April 2011.

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  1. Lilac
    Lilac Gesperrt
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    Der „Kaufpreis“
    Nachdem wir die Zahlung und Unterschrift hinter uns gebracht haben, erläutert der Makler uns den weiteren Ablauf:
    „Der Kaufpreis der Immobilie beträgt 475.000 Euro. Bringen Sie zur notariellen Beurkundung einen bankbeglaubigten Scheck in Höhe von 250.000 Euro mit und den Rest bitte in bar.“
    Wir schauen den Mann erstaunt an. Mit einem milden Lächeln klärt er uns auf:
    „Die 250.000 Euro sind der Kaufpreis, der offiziell in die Escritura (Eigentumsurkunde) eingetragen wird. Auf diese Summe zahlen Sie die Steuern, die Gebühr für den Grundbucheintrag und so weiter. Es ist doch nur in Ihrem Sinne, die Summe so gering wie möglich zu halten. Leider können wir jedoch nicht noch weiter runter mit dem Preis, weil das Finanzamt sonst aufmerksam wird!“ Er strahlt uns Beifall heischend an. Wir schauen einander an und wissen nicht: sollten wir uns freuen oder ist das unkorrekt? Na ja, er ist Immobilienhändler und wie er uns erklärt, ist das die übliche Abwicklungsform. „Warum dem Finanzamt noch was hinterher schmeißen“, kichert er.
    Wir gehen zu unserer Deutschen Bank – in der man natürlich Deutsch sprich – und erklären, dass wir zum Notartermin einen bankbeglaubigten Scheck über 250.000 Euro und 225.000 Euro in bar benötigen. Die Beraterin lächelt und meint: „Na, das sieht ja ganz so aus, als hätten Sie Ihr Traumhaus gefunden!“
    „Siehst Du“, sagt mein Mann, als wir wieder im Auto sitzen, „für die Banker scheint das auch ein ganz normaler Vorgang zu sein. Wir machen das schon richtig!“
    ©LilacNamez
     
    #1 16. April 2011
  2. Lilac
    Lilac Gesperrt
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    Der Notarterming

    Der Notartermin kommt, alles verläuft reibungslos. Die „Geldübergabe“ erfolgt ohne Beisein des Notars in einem Nebenzimmer, denn er darf ja offiziell nicht sehen, dass hier noch schwarzes Geld floss. Im Protokoll wird dann nur festgehalten, dass die Zahlung bereits mittels eines bankbeglaubigten Schecks erfolgt ist.
    Wir erhalten eine vorläufige Besitzurkunde, die "Nota Simple". Das Original bekommen wir später, nachdem es beim Grundbuchamt eingetragen und abgestempelt ist. So in etwa 3 Monaten werden wir Bescheid bekommen. Die Schlüssel des Hauses jedoch erhalten wir sofort. Gemeinsam mit den Rechnungen für Strom, Wasser und noch einigen anderen Dokumenten. Der Immobilienhändler, der uns begleitet, bietet uns an, die Ummeldungen beim Strom- und Wasserversorger auf unseren Namen vorzunehmen. Eine nette Geste, wie wir finden.
    Nun sind wir Hausbesitzer!
    ©LilacNamez
     
    #2 17. April 2011
  3. rainer3
    rainer3 Member
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    Der Einzug

    (Fortführung der Geschichte aus dem Buch von Lilac Namez)
    Nach dem Notartermin fahren wir sofort noch einmal zu „unserem“ Heim, um es endlich ganz in Besitz zu nehmen. Wir schlendern durch die Räume und planen grob, welche Möbel bleiben und welche ersetzt werden sollten. Es muss eine Menge raus. Aber nach und nach, denn unser finanzielles Polster ist dünner geworden und bald müssen wir nur noch von den Renten leben. Das ist kein Problem, aber große Anschaffungen… nun ja, die muss man sich dann gut überlegen. Aber wir haben ja alles. Das Haus ist bezahlt, das Auto fast neu und wird noch lange halten und die Möbel können ja nach und nach durch neue ersetzt werden.
    Wir feiern unser neues Haus an diesem Abend mit einem großzügigen Essen im Jachtklub von Moraira.
    Zunächst bleiben wir noch in dem gemieteten Haus wohnen. Es ist bis Ende Juni bezahlt. In dieser Zeit können wir in Ruhe die ersten Änderungen in unserem neuen Zuhause vornehmen. Ein paar Wände werden farbig gestrichen, die ersten Möbel werden raus gestellt, die Gartenmöbel gesichtet und das erste Bad im neuen Pool genommen. Dann beginnen wir mit dem Umzug.

     
    #3 22. April 2011
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 22. April 2011
  4. rainer3
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    Ein Brief vom spanischen Finanzamt

    (Auszug aus dem Buch von (C) Lilac Namez)
    Wir finden nie viel Post in unserem „Apartado de Correos“ – die Strom- die Telefon- und die Wasserrechnung. Vielleicht mal ein Brief von daheim. Doch heute liegt noch ein offiziell aussehendes Schreiben darin. Wir öffnen es neugierig und finden einen langen Brief vor in spanischer Sprache.
    „Diese Abhängigkeit von anderen Leuten geht mir doch auf die Nerven“, sage ich zu meinem Mann. „Ich finde, es ist an der Zeit, dass wir uns zu einem Spanischkurs anmelden. Vielleicht lernen wir dabei ja auch ein paar nette Leute kennen. Mein Mann brummelt irgend etwas und starrt weiterhin auf das Schreiben.
    „Das ist vom Finanzamt. Schau mal hier –Agencia Tributaria-. Das habe ich schon einmal gehört.”
    Wir schauen uns an. Wenn dieser Brief vom Finanzamt kommt müssen wir unbedingt wissen, was drinnen steht. Doch wohin? Wir können ja schlecht mit diesem Brief in Peters Kneipe und dort jemanden fragen. Also Makler oder in der Zeitung nach einem Übersetzer suchen. Wir entscheiden uns für den Übersetzer. Ich rufe bei drei verschiedenen Telefonnummern an, bis ich eine Dame finde, die bereit ist uns den Brief auch mündlich zu übersetzen. Wir machen einen Termin für den kommenden Tag bei ihr zu Hause ab.
    Was wir dann erfahren, erschüttert uns bis in die Grundmauern. Der Brief ist vom Finanzamt. Es ist eine Aufforderung, die Differenz der zu niedrig protokollierten Immobilie zum tatsächlichen Wert nach zuzahlen zuzüglich einer Strafe. Die Summen und die Kontoverbindung des Finanzamtes sind angegeben, sowie eine Frist für den Einspruch von 15 Tagen. Mit dem letzten Rest unserer Fassung bezahlen wir die Übersetzerin, bedanken uns und gehen schweigend zu unserem Auto. „Das gibt es doch nicht! Den Makler zeige ich an!“ Mein Mann kocht vor Wut. Ich hocke neben ihm und lasse meinen Tränen freien Lauf. Schon wieder eine Summe, die nicht einkalkuliert ist, mit der wir nicht gerechnet haben. Mein Mann nimmt mich in den Arm.

    „Pass auf, ich setze Dich jetzt zu Hause ab. Mach Dir einen Kaffee oder trinke einen Brandy oder beides. Ich fahre mit diesem Schreiben zu dem Verbrecher von einem Makler. Diese Zeche zahlen wir nicht allein!“ Ich will widersprechen, doch mein Mann meint, in meinem Zustand ist es besser, wenn ich zu Hause bleibe.

    Es dauert lange, bis er endlich kommt. Ich sehe gleich, wie verärgert er immer noch ist. Das Gespräch scheint nicht so gut gelaufen zu sein. Ich frage nicht, sondern bringe auch ihm erst einmal einen Veterano. Er nimmt einen kräftigen Schluck, stellt das Glas auf den Tisch und fährt sich mit beiden Händen durch sein volles, silbergraues Haar. „Sie meinen, es sei sehr selten, dass das Finanzamt Stichproben macht. Und hat es eben getroffen. Sie können da auch nichts tun.“ „Hast Du denen mit einer Anzeige gedroht?“, frage ich.
    „Ach, vergiss es. Der Typ ist so aalglatt. Als ich das Wort Anzeige nur erwähnte, lachte der mich doch glatt aus. Er fragte mich, ob er oder wir das Protokoll beim Notar unterschrieben hätten. Der ist fein raus und der Verkäufer ist lange wieder irgendwo in Deutschland. Nee, das bleibt mal wieder an uns hängen. Weißt Du, manchmal habe ich das Gefühl, wir treten aber auch in jede nur mögliche Falle!“
    Es hilft alles nichts. Auch nicht die Tatsache, dass alle anderen Käufer und Verkäufer es doch genau so machen. Wir müssen zahlen. Wieder einmal Lehrgeld! Nur dadurch, dass eine unserer Lebensversicherungen gerade zur Auszahlung kommt, wird uns finanziell nicht die Luft abgedreht.
     
    #4 22. April 2011
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 22. April 2011
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