Das leidige Thema Krankenversicherung

Dieses Thema im Forum "Residenten in Spanien" wurde erstellt von Milo83, 10. September 2017.

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  1. Milo83
    Milo83 Guest
    Das leidige Thema Krankenversicherung
    Hallo zusammen,

    ich habe zwar schon viel vom Spanischen Versicherungssystem gelesen, aber dennoch Fragen.


    Soweit ich es verstehe gibt es eine staatliche Pflichtversicherung,in die jeder einzahlen muss. I.d.R. habe ich hier die Information, dass hier wirklich jeder Pflichtversichert sein muss.
    Nun deckt diese anscheinend bei weitem nicht soviel ab wie in D und man wartet wohl länger auf einen Termin.

    Also habe ich mich über Zusatzversicherungen informiert.
    Ein Makler hat mir erklärt, es gäbe in Spanien keine Zusatzversicherung wie in D.
    Man bezahlts seine staatlichen Kasse UND die komplette private Versicherung zusätzlich (also auf dem Niveu eines Privatpatienten in D; dazu hat er mir ein Angebot für ca 250€ im Monat unterbreitet)

    Nun habe ich in einem Blog einen Beitrag gelesen, indem eine Userin berichtet, sie habe eine private Zusatzversicherung (kostenpunkt 50€).

    So ganz blicke ich nicht mehr durch.
    Welche Kombinationen sind den nun wirklich möglich?

    Würde mich freuen, wenn mich jemand diesbezüglich aufklären könnte.

    Danke euch im voraus
     
    #1 10. September 2017
  2. Rolf2
    Rolf2 Nada
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    Jein. Jeder pflichtversichert ist, wäre die korrekte Formulierung. Ob dafür ein Beitrag in die Seguridad Social entrichtet werden muss, die Hilfe von der dt. KK übernommen wird, oder sogar völlig kostenlos erbracht wird - da wird es wirklich kompliziert. Aber auch dafür bieten die Spanier eine Leistung im System, die "asistenta social". Sitzt im Centro de Salud, und sollte für jeden der erste Ansprechpartner sein - sollte dir das noch niemand gesagt haben, sagt das viel über die Qualität deiner bisherigen Ratgeber.

    Das war einmal.

    Was nicht abgedeckt ist, ist der direkte Gang zum Facharzt, das ist in den meisten Fällen sowieso eine deutsche Unart. Man geht ins Centro de Salud, verbringt dort einige Wartezeiten, und kommt nach Diagnose auf eine Warteliste. Diese wird nacheinander abgearbeitet. Bei akuten Krankheiten, für die es nicht genug Ärzte oder Klinikplätze gibt, weil sich die Nachfrage verschiebt, kann es zu zeitweiligen Engpässen kommen. In absoluten Ausnahmefällen, wie unüblichen Krebssorten, beginnt so die Behandlung nach dem Tode - da wird natürlich jeder einzelne Fall durch die Presse gewälzt, was einen völlig verkehrten Eindruck vermittelt. Für deutsche Arbeitnehmer, die in einer gesetzlichen KK waren 0 Problem, man fährt einfach zurück, nimmt eine Wohnung in z.B. Thüringen/Land (=4 Stunden) tritt zwangsweise wieder in seine KK ein, womit man 5 Stunden nach Ankunft wieder den vollen Schutz besitzt. Das hilft natürlich nicht bei akuten Notfällen, mit einer Zusatzversicherung ändert man aber auch nichts am fehlenden Operateur, auch in diesem Bereich sieht es in D von Tag zu Tag schlechter aus. Als Mensch kann man einfach mal Pech haben, ohne dass sich andere Menschen an dieser Ausnahme orientieren sollten.

    Inzwischen gibt es aber auch in Deutschland Probleme in der Diagnose nicht akuter Krankheiten, vor allem im Schnittbereich verschiedener Fachgebiete, also fast alle typischen Problemchen ab 50. Das taucht nur ganz nebenbei in der Presse auf, aber statt 5 Tagen in Spanien, dauert es oft genug über 1 Jahr mit sinnlosen Behandlungen bis überhaupt die richtige Diagnose steht. Besonders im orthopädischen Bereich, wo Ärzte in D dafür belohnt werden keinen Kollegen einzuschalten, ist man in Spanien klar im Vorteil, wo jeder Arzt zuerst versucht die Arbeitslast ins Nachbarzimmer zu verschieben.

    Was man leider in diesem Rahmen erwähnen muss, ist ein gewisser spanischer Alltags-Faschismus durch den gitanos, und deutsche Rentner leichter durchs Netz fallen können. Auch an dieser Stelle helfen allerdings gute Spanischkenntnisse, und "undeutsches" Verhalten mehr als jede Zusatzversicherung.

    ...und warum sollte ein Makler lügen oder die Wahrheit verzerren? ;) Streich das einfach, den Menschen Angst machen bis sie beginnen irrationale Ängste auch an andere weiter zu geben gestaltet 90% des Geschäftsmodells der Versicherungen - nur wenn es darum geht die Leistung auch zu erbringen kommt das Kleingedruckte, und der volle Einsatz von Presse-, sowie Rechtsabteilung. Du bezahlst deinen Beitrag in die staatl. Kasse und gut ist. Spätestens im Bereich Organspende gibt es in ganz Europa keine bessere Absicherung als die Mitgliedschaft in der Seguridad Social. Dass irgendwelche Paniker ihr Geld zum Fenster rauswerfen und vor allem per Internet ihre Panik zu gesundem Menschenverstand erklären, um den Unsinn dieser Ausgaben nicht eingestehen zu müssen, das ist halt so.

    Eine allgemeine Aussage, wie es der Einzelne am Besten macht, wenn sich die persönlich beste Lösung schon auf spanischer Seite u.a. in einem 2-bändigen Gesetzeswerk versteckt, ist wohl utopisch. Und Schlupflöcher erkennt man daran, dass einen niemand mit der Nase darauf stößt ;) Außer (!!!!!) die asistenta social - ihre Aufgabe ist es ausdrücklich nicht Kosten von der Seguridad Social fern zu halten, sondern DIR persönlich und kompetent den günstigsten Weg zu zeigen. Hierzu hat sie (oder er) sogar die Möglichkeit die gesetzlichen Regeln auszuhebeln, wenn sie entscheidet, dass du es verdient hast. Ist natürlich auch nur ein Mensch - wie man in den Wald reinruft......
     
    #2 10. September 2017
    baufred gefällt das.
  3. Milo83
    Milo83 Guest
    Ok, dass war ausführlich und verständlich, ich danke Dir sehr.
     
    #3 11. September 2017