Salmorejo - eine schnelle Variante

Dieses Thema im Forum "Spanische Küche & Restaurants" wurde erstellt von Gast1805, 14. Juli 2006.

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  1. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Salmorejo - eine schnelle Variante
    Eigentlich bin ich nur durch Zufall darauf gekommen. Dieses Rezept ist sehr einfach, besonders lecker wie erfrischend und ziemlich schnell zu bereiten.

    Es war heißer Sommertag und ich stand in der Küche vor einer angebrochenen Dose gewürfelter Tomaten (tomates troceados). Diese füllte ich in eine Schüssel, fügte reichlich Thunfisch (atún claro en aceite), gehackte Zwiebeln und Knoblauch hinzu. Dann rührte ich reichlich Olivenöl unter und schmeckte es mit Essig, Salz, und Pfeffer ab.
    Für kurze Zeit verschwand es zum Abkühlen in Eisschrank und vor dem Zum Servieren füllte ich es in kleine Schälchen, drückte eine gekochte Eihälfte ein und beträufelte es mit gutem Olivenöl. Keine fünf Minuten Vorbereitung und schon fertig! Und alle fanden es köstlich. Auf der nächsten Fiesta war es gar der Renner! (Und welches Gericht kann man schon schneller herstellen?)

    Salomerejo, diese deftigere Variante einer gazpacho, kommt ja aus der Provinz Córdoba. In Antequera gibt es die ähnliche Variante der Porra antequerana. Bei beiden besteht die Grundmasse aus Tomaten, Brot, Knoblauch, Olivenöl und Essig. Thunfisch, bzw. Serranoschinken und gekochte Eier werden grob darübergestreut. Meine Variante unterscheidet sich in zwei Punkten. Zum einen verzichte ich auf das Brot, und zum anderen auf den Einsatz eines Rührstabes. Das gibt dem Gericht einen gewissen Biss. Früher wurden in der Tat, übrigens auch die gazpacho, in grober Form serviert, ist doch der Rührstab eine Erfindung des neueren Zeitalters.
     
    #1 14. Juli 2006
  2. Sidona
    Sidona New Member
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    Hin und wieder werden gazpacho-Wettbewerbe durchgeführt, dabei muss man ihn vor Ort zubereiten und es darf kein Mixer/Rührstab eingesetzt werden, die Zutaten müssen mit dem Stössel zerkleiner werden. Witzigerweise gewann vor kurzem ein Frau so einen Wettbewerb, die zum Erstenmal in ihrem Leben den gazpacho ohne elektrisches Hilfsmittel zubereitete.

    Viele (vor allem ältere Leute) schwören darauf, dass gazpacho nur auf diese Art schmeckt!
     
    #2 14. Juli 2006
  3. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Mikel Corcuera schreibt in seinem 2004 erschienenen Buch Recetas de Leyenda:

    Al gazpacho, santo y seña de la culinaria andaluza, se le atribuye origen arabe, pero queda claro que el gazpacho que tomaban los moros poco tendría que ver con el actual, ya los característicos de los ingredientes que ahora se emplean fueran importados de América (caso del tomate y pimiento).

    Da stellt sich doch die Frage, wie muß man sich denn dieses arabische Original von einer Gazpacho vorstellen? Habt Ihr eine Idee?

    Vielleicht eine erfrischende Suppe, ähnlich der ajo blanco? Oder ist damit die Einführung überhaupt kalter Suppen gemeint? Denn die berühmte Vichysoisse findet ja ihren Ursprung erst 1942 im Hotel Ritz in New York. Hinter dieser weltbekannten Cremsuppe stand wohl der Franzose Louis Diat.
     
    #3 14. Juli 2006
  4. Sidona
    Sidona New Member
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    Die Legende sagt sogar, dass der Ursprung schon in der Bibel vorkommt, wo Christus am Kreuz ein essiggetränkter Schwamm gereicht wurde. Offensichtlich nutzte man so etwas in der Art (Wasser mit Essig, möglicherweise noch ein paar andere Zutaten) zur Erfrischung. Da war dann der Weg - viel später natürlich - nicht mehr weit, als man dann Tomaten hatte.
     
    #4 14. Juli 2006
  5. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Also das ajo blanco eine ~arabische~ Erfindung ist, kann ich mir gut vorstellen. Allerdings denke ich nicht, dass es des maurischen Einflusses bedurfte, um eine Kaltschale zu entwickeln. Menschen die in einem Land, welches regelmässig unter Hitze leidet leben, werden schon immer versucht haben, erfrischende Gerichte zu finden. Auf der anderen Seite, wenn man sich anschaut, was die Araber unter Salaten subsummieren - Paprikapaste, Walnusspaste, Auberginenpaste etc. - dann ist die Nähe zum Salmorejo (und damit zum Gazpacho) schon gegeben. Ich empfehle einen Besuch im Arrayanes in Granada (es empfiehlt sich eine Reservierung).
    Arabisch essen in Andalusien

    Das ist ja nun eine ganz folkloristische Deutung :wink:
     
    #5 14. Juli 2006
  6. Sidona
    Sidona New Member
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    klar, aber um den gazpacho ranken sich auch unendliche Geschichten und Legenden...
     
    #6 14. Juli 2006
  7. Birgit
    Birgit New Member
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    Berchules/Alpujarras
    ....und wer selber maurisch/jüdisch kochen und probieren möchte, dem empfehle ich:

    Peter Hilgard
    Der maurische Traum - Dimensionen der Sinnlichkeit in Al-Andalus
    Verlag Winfried Jenior
    ISBN 3-928172-77-8

    Sehr viel Hintergrundwissen über das Leben von Juden und Mauren, mit einigen spannenden Rezepten über Gemüse, Gewürze, Kräuter und Obst u.v.m. bis hin zu Liebesdrogen, Ambra und Parfüm. Der kulinarische Alltag wird beschrieben, Garküchen spielten dabei wohl eine große Rolle. In diesem Kapitel befindet sich auch ein aufwendiges Rezept über Al-Kuskus!

    Wußtet ihr das die maurische Oberschicht ihren Pfefferminztee mit Veilchen- oder Rosenzucker süßte??? :shock:

    Viel Spaß beim Lesen-mir hat das Buch sehr gut gefallen!! 8)
    Hasta pronto
    Birgit
     
    #7 14. Juli 2006
  8. marmota
    marmota New Member
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    München
    Hola Philip,

    das geht ja in die Richtung unseres ruckzuck-Lieblingssalates:
    Tomaten würfeln
    + Thunfisch in Olivenöl
    + gehackte Zwiebel
    + Knobi (wer mag - geht auch ohne, wenn man noch küssen muss :lol:)
    + gehackte grüne Oliven
    mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft, Sherryessig und Olivenöl abschmecken

    ist zackig zusammengeschnibbelt, saulecker und erfrischend


    marmota
     
    #8 14. Juli 2006
  9. Morayma
    Morayma New Member
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    Alicante
    Nur dürfen wir uns diesen "Zucker" nicht so vorstellen, wie unseren heutigen Zucker. :wink: Es war wohl eher Honig und allenfalls aromatisierte Rohrzuckermelasse.

    Zucker als Süssmittel verwendeten die Mauren in Andalusien erst sehr spät.
    Zwar kultivierten sie das Zuckerrohr in Andalusien, vor allem an der Levanteküste, Zucker wurde aber vorwiegend als dulce, Süssigkeit zum Schlecken, verwendet. Bis zum 13. Jahrhundert wurde Rohrzucker in Andalusien weder kristallisiert noch häufig als Süssmittel verwendet.

    Gesüsst wurde bis mehr mit Früchten und ganz besonders mit Honig.

    Ausser Pfefferminztee hatten die Mauren in Andalusien eine Unzahl weiterer Getränke: Hidromiel (Honigwasser oft gewürzt mit Zimt, Lorbeer, Lavendel, Muskatnussöl, Kardamom, etc.), leche de cebada, eine Art Malzmilch, Horchata die für die Sultane reserviert war, mit Honig gesüsste Fruchtsäfte aus Zitrone, Orangen, Melone, Trauben, etc., Traubenmost und allgemein Milchgetränke aus Ziegen- oder Schafmilch mit allerhand Gewürzen, Früchten und Kräutern aromatisiert. Selbst "Bier" wurde aus Getreide, Rosinen, Reis, Brot, Mehl und Hefe zubereitet, dem Sellerie oder Minze zugefügt wurde.

    Saludos
    Morayma

    P.S. Selbstverständlich waren die Mauren in Andalusien auch dem Wein zugeneigt :wink:
     
    #9 14. Juli 2006
  10. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Das ist ja das tolle, wie man mit doch den wenigen Produkten doch nuancenreiche Gerichte zusammenstellen kann!

    Zu gegrilltem Fleisch:
    1/3 schwarze Oliven
    1/3 grüne Oliven
    1/3 Kirschtomaten
    Kleingewürfelte Zwieblen
    Olivenöl
    Essig
    Salz und Pfeffer und eine chispa azúcar
     
    #10 15. Juli 2006
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