Verbot der Fiestas Moros y Cristianos?

Dieses Thema im Forum "Allgemeines zum Thema Spanien" wurde erstellt von Morayma, 11. Oktober 2006.

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  1. Morayma
    Morayma New Member
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    Verbot der Fiestas Moros y Cristianos?
    Geht's noch, sagte mein Sohn, als ich ihm erzählte, dass der Iman der Mezquita de la Unión de Málaga, Felix Herrero, verlangte, dass die tradtionellen Fiestas der Moros y Cristianos, die vor an der Comunidad Valenciana gefeiert werden, gänzlich suspendiert werden sollten, da sie "heutzutage keinen Platz mehr in einem demokratischen Spanien" hätten und "als solche eine Beleidigung der Geschichte und Kultur" wären.

    Señor Herrero scheint keine Ahnung zu haben, wovon er redet, noch scheint er überhaupt zu wissen, WAS die Fiestas de Moros y Cristianos sind.

    Erstens heisst es Cristianos Y Moros und nicht Cristianos CONTRA Moros.

    Zweitens scheint Señor Herrero auch nicht zu wissen, dass die Mitgliedschaft in einer kabila moro wesentlich begehrter ist, als die in der kabila cristiano. Nicht nur wegen der wesentlich prächtigeren Kleider der moros.

    Drittens sollte man Señor Herrero vielleicht einmal daran erinnern, dass es sich bei den Fiestas de Moros y Cristianos um Feste handelt, die an eine historische Realität erinnern, d.h. die Araber wurden aus Spanien vor 500 Jahren ausgewiesen, und ich glaube nicht, dass diese historische Tatsache irgend jemanden beleidigen kann.

    Viertens handelt es sich um Festlichkeiten die eine sehr lange Tradition haben. Es gibt Dokumente, die beweisen, dass ähnliche Festlichkeiten bereits im 12. Jahrhundert gefeiert wurden (1150 in Lérida, 1426 in Murcia und 1463 in Jaén, 1579 in Orihuela, 1586 in Valencia, 1588 in Caudete, 1599 in Alicante, 1614 in Jumilla, 1668 in Alcoy, etc.). Seit dem 19. Jahrhundert wird das Fest vor allem in der Comunidad Valenciana gefeiert.

    Für mich ist die Äusserung des malaguenischen Imans ein unglaublicher Affront und zugleich ein weiterer Versuch eines islamischen Fundamentalisten, mit Engstirnigkeit geistigen Terror auszuüben.

    Zugleich ist es auch eine Beleidigung allen festeros gegenüber, die an alles denken, nur ganz bestimmt nicht daran, irgendwelche intoleranten Moslems zu beleidigen.

    Leider kenne ich niemanden, der sich in arabisch-moslemischen Festen auskennt. Doch ich bin überzeugt, dass auch da Feste gefeiert werden, die an Siege der Araber/Mauren über die Christen erinnern.


    Saludos
    Morayma
     
    #1 11. Oktober 2006
  2. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Ohne Felix Herrero zu kennen, erlaube ich mir mal ein Urteil - aber kein Meinungsurteil: Der Name Felix Herrero deutet doch ganz stark darauf hin, dass Felix Herrero ein Konvertit ist. Die spanischen Konvertiten zum Islam halten sich ja häufig für Nachkommen zwangsgetaufter Mauren. Möglicherweise ist er deshalb - ohne Islamist sein zu müssen - in dieser Forderung besonders radikal. Einerseits weil er sich als Muslim profilieren muss, andererseits, weil er sein persönliches maurisches Erbe missachtet sieht.

    Ein wenig kann ich ihn verstehen: die Fiestas de Moros y Cristianos sind ja meist doch, auch wenn Du schreibst, es heiße y und nicht contra etwas "antimaurisch". Es sind, wie Du richtig schreibst, Feierlichkeiten welche an die Vertreibung der Mauren erinnern - ich selber habe noch keine solche Fiesta miterlebt, aber meines Wissens werden ja historische oder fiktive Schlachten nachgestellt (ohne sich dabei aber um den historischen Verlauf großartig zu kümmern) wobei es dazu gehört, dass die Mauren am Ende verlieren und vertrieben werden. Dass die maurischen kabilas beliebter sind, ändert natürlich nichts an dem hintergründig intoleraten Charakter der Fiestas (auch wenn die Intoleranz heute vielleicht gar nicht mehr der Lebenswirklichkeit der Menschen entspricht - also nicht mehr vorhanden ist, und die fiesta einfach eine Historien-Maskerade).

    Mein Verständnis das ich Felix Herrero entgegen bringe, heißt aber nicht, dass ich ihm Recht gäbe. Als Vertreter einer Minderheit kann er kaum erwarten, dass in Spanien Traditionen ändert, nur weil sie ihm und Teilen seiner Minderheit nicht passt. Eine vernünftige Herangehensweise wäre es, mitzufeiern und eine Rolle zu übernehmen und am Ende mitzufeiern.
     
    #2 11. Oktober 2006
  3. Morayma
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    Der "Witz" ist, Ibn Khaldun, dass bei den "Schlachten" die während der Fiesta de Moros y Cristianos in den Dörfern der valencianischen Küste gefeiert werden (hier wird die Mehrzahl der Fiestas veranstaltet), gar nicht um Erinnerungen an Ereignisse und Kämpfe aus der Maurenzeit bzw. der Vertreibung der Mauren handelt.

    Es handelt sich vielmehr um Erinnerungen an Piratenüberfälle auf die Küstendörfer, die im 16. und 17. Jahrhundert stattfanden und die Piraten waren keine "Mauren", sondern räuberische Türken und Berber. Das ist sogar dokumentarisch bewiesen.

    Dass es auch andere Meinungen gibt, zeigen die Äusserungen von Majed Khadem, einem Syrer, der vor 30 Jahren nach Spanien kam und Präsident der islamischen Gemeinde von Alicante ist.

    Khadem besuchte die Fiestas de Moros y Cristianos in Alcoy (die bekanntesten und prächtigsten in Spanien) und erklärte, die Pracht und der Luxus der Kostüme und die Musik hätten ihn erstaunt, aber es sei ein angenehmes Erlebnis gewesen. Seiner Meinung nach handele es sich um "fiestas, die keinen Schaden anrichten, sondern antik und traditionell" sind.

    Saludos
    Morayma

    P.S. Felix Herrero ist übrigens auch bei seinen eigenen Leuten recht umstritten.
     
    #3 11. Oktober 2006
  4. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Nuja, die Mauren waren auch zum größten Teil Berber. Maure ist ja nur der Bezug auf Mauretanien (und zwar auf das römische Mauretanien, nicht auf den heutigen Sahara-Staat) das das heutige Marokko und Teile Algeriens umfasste, also das Kerngebiet berberischer Stämme. Im 16. und 17. Jahrhundert machte man auch nicht viel Aufhebens darum, ob einer Türke oder Berber war - zumal die Osmanen bis 1550 das Mittelmeer zu drei Vierteln eingekreist hatten, vom Balkan bis nach Algier, also aus europäischer Sicht eine ernsthafte Gefahr darstellten.

    Syrien ist traditionell ein recht tolerantes Land, was auch daran liegt, dass es soviele verschieden ethnische und religiöse Gruppen dort gibt (in Zeiten wachsender Konfontation zwischen Orient und Okzident radikalisieren sich leider auch viele Syrer immer mehr). Majed Khadem muss sich jedenfalls nicht als Neomuslim, wie Herrero, profilieren und hat kein persönliches andalusisches Erbe, welches er vielleicht mit Füßen getreten sieht. Wie gesagt, ich sehe für Herreros Forderung einen ganz spezifischen sozialpsycholgischen Hintergund, eben den, der Konvertiten - religiöse, wie politische - häufig zu ganz besonders heftigen Reaktionen veranlasst.
     
    #4 11. Oktober 2006
  5. Morayma
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    Vale, den von den Seeräubern überfallenen spanischen Küstendörfern war es wahrscheinlich auch egal, ob es sich um Türken oder Berber handelte. Es dürfte jedenfalls feststehen, dass es sich bei diesen räuberischen Überfallen keineswegs um politische Ereignisse handelte, wie die Vertreibung der "andalusischen Mauren" aus Spanien, sondern dass es ganz einfach um den schnöden Mammon ging. :wink:

    Wobei mir gerade der seltsame Gedanke kommt, dass möglicherweise Nachfahren dieser Seeräuber unter den heutigen Immobilienhaien und Promotoren der Makrourbanistationen zu finden sein könnten. Denen geht es ohne Rücksicht auf Verluste ja auch nur ums Geld :wink:

    Saludos
    Morayma
     
    #5 11. Oktober 2006
  6. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Das mag für den einzelnen Piraten stimmen, Politik spielte dennoch eine Rolle. Berühmt wurde der algerische Pirat Cheireddin, der sich Sulaiman, dem osmanischen Sultan, offiziell unterstellte und von diesem zum Pascha erhoben wurde. Sulaiman stellte Cheireddin Truppen zu Verfügung, die den Piraten zu einem ernstzunehmenden militärischen Machthaber machten. So mächtig und gefährlich, das Kaiser Karl V. selbst mit einer Flotte Algier angriff (kleine kulturgeschichtliche Anekdote: seine Flotte geriet in einen Stum, 150 Schiffe gingen dabei unter, ein Ereignis welches in dem anonymen Schelmenroman Lazarillo de Tormes eine zentrale Episode auslöste, nämlich Lazarillos Abenteuer bei den Thunfischen). Opfer der Gier nach schnödem Mammon wurde im Übrigen auch Cervantes, der gegen ein Lösegeld ausgetauscht werden konnte. In den Quijote sind Erfahrungen aus seinem Aufenthalt in Algerien eingeflossen.

    Die maghrebinischen Piraten bedrohten im Übrigen nicht nur Küsten im Mittelmeer - dort natürlich besonders, sondern kamen selbst bis zu den friesischen Inseln.
     
    #6 12. Oktober 2006
  7. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Málaga war schon immer für fundamentale Radikalität bekannt. Ob die Nähe zu Marokko sie mutiger werden läßt sei mal dahin gestellt.

    Wir erinnern uns an Mohamed Kamal Mustafá, der Imán de Fuengirola (Málaga). In seinem Buch erteilte er eine Gebrauchsanweisung wie man eine Frau zu schlagen hat: “Nunca se debe pegar en situación de furia exacerbada y ciega para evitar males mayores. No se deben golpear las partes sensibles del cuerpo. Los golpes se han de administrar a unas partes concretas del cuerpo como los pies y las manos, debiendo utilizarse una vara no demasiado gruesa, es decir ha de ser fina y ligera para que no deje cicatrices o hematomas en el cuerpo. Los golpes no han de ser fuertes y duros, porque la finalidad es hacer sufrir psicológicamente y no humillar y maltratar físicamente.”

    Zwar wurde er dafür von der spanischen Justiz verurteilt, aber es zeigt doch sehr die tendenzielle und fundamentale Haltung der malaguenischen Vertreter der islamischen Religion.
     
    #7 12. Oktober 2006
  8. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Tja, ich weiß echt nicht, was schlimmer ist: Das unkontrollierte Schlagen oder die hier favorisierte kontrollierte Züchtigung... :evil:

    Aber war nicht gerade Fuengirola für den saudischen Einfluss bekannt?
     
    #8 13. Oktober 2006
  9. marmota
    marmota New Member
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    jaja bis nach New York hat sich DAS auch noch nicht rumgesprochen. Da durften letztens nur noch die Cristianos marschieren - sin Moros...
    (weil so ein Moro ja ein Vorfahr aller Terroristen ist oder so) :shock:

    Schade, schade; so wird das nie was mit der Völkerverständigung

    marmota
     
    #9 18. Oktober 2006
  10. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    In Nueva York gibt´s eine Fiesta de Moros y Cristianos? :shock:
     
    #10 20. Oktober 2006
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