Unfallfolgen

Dieses Thema im Forum "Allgemeines zum Thema Spanien" wurde erstellt von John, 26. Juni 2006.

Booking.com
  1. John
    John New Member
    Registriert seit:
    11. März 2004
    Beiträge:
    114
    Zustimmungen:
    0
    Punkte für Erfolge:
    0
    Ort:
    Augsburg
    Unfallfolgen
    Hier mal ein Thema das speziell für Residenten ohne die Unterstützung einer Großfamilie vor Ort interessant sein dürfte.

    Wegen meiner Erfahrungen würde es mich interessieren ob jemand von euch bereits Erfahrungen mit dem spanischen Gesundheitssystem im Falle eines Unfalles sammeln konnte bzw. was ihr für eine zusätzliche Vorsorge getroffen habt.

    Da ich so wenig Einfluß wie möglich ausüben möchte werde ich meine persönlichen Erfahrungen erst später einbringen.

    John
     
    #1 26. Juni 2006
  2. Gast2365
    Gast2365 Guest
    Moin John,
    ich bin vor sehr langer Zeit am Strand barfuß in eine Glasscherbe getreten. Ein Krankenwagen war vor Ort, um die üble Schnittwunde sofort zu nähen. Leider wurde auf eine Betäubung, die diesen Namen verdient, verzichtet. Trotzdem war ich über die schnelle Hilfe froh.
    Mein Vater erlitt vor kurzem einen Kreislaufzusammenbruch und wurde von meinem Onkel zum nächsten Krankenhaus gefahren. Nachdem alle gesagt haben, daß er zunächst vor allem Ruhe braucht, hat man ihn dann direkt (dem Geräuschpegel nach zu urteilen) neben der Geschirrausgabe "abgestellt". Er ist dann auf eigenen Wunsch am gleichen Tag gegangen um sich von der Behandlung zu erholen.
    Mein Mißgeschick passierte in den achtziger Jahren in Cullera, das meines Vaters vor einem Vierteljahr in Malvarrossa (Valencia).
    Gruß
    Stefan
     
    #2 26. Juni 2006
  3. Morayma
    Morayma New Member
    Registriert seit:
    11. Dezember 2004
    Beiträge:
    899
    Zustimmungen:
    0
    Punkte für Erfolge:
    0
    Ort:
    Alicante
    Hallo John,

    Aus eigener Erfahrung kann ich Dir zwei sehr zeitverschiedene Erlebnisse mit dem spanischen Gesundheitsdienst berichten:

    1. Im Jahr 1986 hatte ich einen Autounfall; Bruch des linken Armes und sehr viele relativ harmlose Schnittwunden im Gesicht, weil mir die Windschutzscheibe ins Gesicht geflogen kam. Weil ich mit dem Kinn aufs Lenkrad geflogen war, auch noch ein Abriss der Unterlippe innen.
    Die Erstversorgung im damals recht neuen Kreiskrankenhaus von Villajoyosa (Provinz Alicante) war vorbildlich. Zunächst wurden die blutenden Wunden versorgt, die Lippe genäht und dann kam der Arm dran. Eingerichtet wurde er unter örtlicher Betäubung. Auch das Verhalten des Arztes und der Krankenpfleger war vorbildlich.
    Dann ging der Ärger los. Alle zwei Wochen musste ich zur Kontrolle des Bruches ins Krankenhaus, bekam einen Termin um 8.30 Uhr und kam frühestens gegen 13 Uhr an die Reihe. Die Mundwunde entzündete sich. Der zuständige otorino gab mir einen Termin in sechs Wochen :!: Wer weiss was passiert wäre, wenn ich wegen der Lippe nicht einen medico de pago (Privatarzt) aufgesucht hätte.
    Der Arm heilte schlecht zusammen. Der Gips musste 11 Wochen dranbleiben. Das Ergebnis war ein versteiftes Handgelenk. Im November 1986 kam der Gips ab. Den ersten Termin für Krankengymnastik bekam ich für März 1987 :shock: Dank meines Schwagers, der Orthopäde ist und mir per Telefon die Übungen durchgab, die ich machen musste, ist das Handgelenk heute in Ordnung.

    2. Ein Spanier aus meinem Freundekreis hatte voriges Jahr nachts einen Herzinfarkt. Da er nahe an Villajoyosa wohnte, war er auch schon nach 30 Minuten im Krankenhaus. Eine Woche blieb er in der UCI (Intensivstation). Er sagte, die Erstversorgugn sei in Ordnung gewesen. Nach der UCI wurde er für eine Woche auf die Normalstation verlegt. Seine Familie musste ihn versorgen. Nach dieser Woche wurde er entlassen. Die ganze Rehabilitation bestand darin, dass der Arzt ihm eine Packung Aspirin in die Hand drückte und ihm riet, vorläufig erst einmal keine Treppen zu steigen :shock:

    Ich könnte noch etliche solcher Erlebnisse aufzählen.
    M.E. liegt es weniger an den Ärzten sondern an dem völlig desolaten System. In den beiden hiesigen Krankenhäusern (Denia und Villajoyosa) liegen die Patienten in der Notaufnahme im Flur und müssen oft stundenlang auf den Arzt warten. Meist haben in der Notaufnahme nur ein oder zwei Ärzte Dienst. Sie sind völlig überfordert. Von den unhygienischen und dreckigen Zuständen in der Notaufnahme will ich mal gar nicht erst anfangen.

    Saludos
    Morayma
     
    #3 26. Juni 2006
  4. Greta
    Greta New Member
    Registriert seit:
    25. März 2006
    Beiträge:
    364
    Zustimmungen:
    0
    Punkte für Erfolge:
    0
    Ort:
    seit 20.5.2008 Eifel/Alemania - 1993-2008 Cantoria
    hola John...

    nachdem die von Morayma beschriebenen Zustände in den Krankenhäusern die ich besuchswseise kenne, Almeria, Granada, El Ejido genauso sind, Lärm, Dreck überforderte Ärzte, habe ich damals im ersten Schock umgehend eine private Krankenhaus-Zusatzversicherung abgeschlossen. Sie garantiert mir in einem privaten Krankenhaus den Chefarzt, ein eigenes Zimmer und ein Zimmer für meine Familie :D

    In spanischen Krankenhäusern wird man so richtig krank gemacht :cry:
    Ich zahle gerne, und hoffe trotzdem, dass ich diese Privatversicherung niemals in Anspruch nehmen muss :shock:

    Saludos
    Greta 8)
     
    #4 26. Juni 2006
  5. Greta
    Greta New Member
    Registriert seit:
    25. März 2006
    Beiträge:
    364
    Zustimmungen:
    0
    Punkte für Erfolge:
    0
    Ort:
    seit 20.5.2008 Eifel/Alemania - 1993-2008 Cantoria
    :evil:
    wollte den Doppeleintrag löschen... geht nicht :roll:
     
    #5 26. Juni 2006
  6. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
    Registriert seit:
    12. Januar 2004
    Beiträge:
    807
    Zustimmungen:
    0
    Punkte für Erfolge:
    16
    Ort:
    Münster/Granada (2002/3)
    Meine Freundin ist Krankenschwester: wenn ich mir sie und ihre Kollegen anhöre, kann ich nur sagen: stationäre Behandlung im Khs nur dann, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt - man geht immer das Risiko ein, dass man das Khs kränker verlässt, als man angekommen ist. Meine Vermieterin in Spanien, Röntgenassistentin, erzählte ähnliches.
     
    #6 27. Juni 2006
  7. Mariposa
    Mariposa New Member
    Registriert seit:
    2. Februar 2004
    Beiträge:
    130
    Zustimmungen:
    0
    Punkte für Erfolge:
    0
    Ich habe mal ne doofe Frage.

    Wie sind die Verhältnisse in privaten Krankenhäusern?

    Und wenn ich plötzlich einen Unfall habe, dann komme ich doch erstmal in ein ganz normales Krankenhaus, oder??
    Also werde ich da erstmal stundenlang liegen gelassen?
    Ich habe so ein private Krankenversicherung, diese üblichen für ca. 50 Euro im Monat, aber ich weiß ehrlich nicht, ob die mir dann was nützt? Oder werde ich dann eben verlegt, wenn die herausfinden, dass ich ne Privatversicherung habe, oder was?
    Hat jemand Erfahrung mit diesen Versicherungen?

    Ich weiß, ich weiß, damit sollte man sich beschäftigen, aber mein Arbeitgeber zahlt das, ich habe das also nicht bewusst abgeschlossen. :oops:
     
    #7 27. Juni 2006
  8. John
    John New Member
    Registriert seit:
    11. März 2004
    Beiträge:
    114
    Zustimmungen:
    0
    Punkte für Erfolge:
    0
    Ort:
    Augsburg
    So, jetzt kommen meine zuletzt gesammelten Erfahrungen:

    Meine Mutter wurde nach einem Autounfall in das Krankenhaus Motril eingeliefert. Die Erstversorgung war, soweit bisher bekannt, durchaus zufriedenstellend. Allerdings liegen bis jetzt Teile der Untersuchungsergebnisse wie z.B. CT nach 3 Wochen noch nicht vor. Ist ja für den behandelnden Arzt auch nicht weiter wichtig..... Was allerdings die Pflege anbetrifft, da wurde noch nicht einmal annähernd der Standard erreicht der bei uns vor 30 Jahren herrschte.
    Durch eine mehrstündige OP, eine schwere Gehirnerschütterung und durch den Schock hatte sie schwere Gedächnis- und Wahrnehmungsstörungen, erkannte die meiste Zeit nicht einmal ihre Kinder. Dank der "guten" Pflege bekam sie einen offenen Rücken und zum Essen gab es, obwohl sie nicht in der Lage war zu kauen, ganz normales Essen und ein Schulterzucken wenn sie es stehenließ.
    Das beste passierte als wir wie üblich an einem Nachmittag zu Besuch kamen. Eine Schwester stürzte auf mich zu, drückte mir einen Stapel Papiere in die Hand die ich als Entlassungspapiere interpretierte was ich bei ihrem Zustand allerdings nicht glauben wollte. Ein Anruf bei der Botschaft zwecks dolmetschen bestätigte allerdings meine Interpretation. Soll heißen das eine 73jährige Frau, nach wie vor geistig verwirrt und noch für Wochen nicht gehfähig heim in die "Pflege" der Familie entlassen werden sollte. Der Kommentar der Ärztin lautete das sie ja zurück nach Deutschland oder Österreich transportiert werden könnte.
    Ich hatte glücklicherweise vorher schon in der Residencia Costa Tropical, kann ich übrigens empfehlen, angerufen und dort das letzte Zimmer reserviert, konnte den Transport trotz Protest dahin umleiten und hatte immerhin eine 1/2 h Vorsprung bis sie dort ankam, die Ambulanz war schon abfahrbereit als wir zu Besuch im Krankenhaus ankamen.
    Was die bis heute fehlenden Unterlagen und die mehrstündigen Versuche des behandelnden Arztes betrifft einen der Ärzte zu erreichen betrifft, für mich ist es einfach nicht zu glauben das für die Behandlung unter Umständen lebenswichtige Informationen einfach in der Mühle der Verwaltung untergehen und es 2-3 Wochen dauern soll bis sie wieder auftauchen.

    Da es mir in Spanien wirklich gut gefällt ist es für mich nicht leicht das zu schreiben, aber ich habe in Ländern der dritten Welt mehr Fürsorge (im Rahmen der Möglichkeiten natürlich) für Kranke erlebt wie im "zivilisierten" Spanien, zumal es ja offenbar keine Ausnahme ist. Oder, um es ganz direkt zu sagen: Barbarei herrscht dort wo ein Menschenleben nichts wert ist. Und sollte es jemals wieder ein Arzt oder eine Schwester wagen mir zu sagen das diese Art der "Fürsorge" normal ist übernehme ich keine Garantie für meine Fäuste.

    John
     
    #8 29. Juni 2006
  9. Greta
    Greta New Member
    Registriert seit:
    25. März 2006
    Beiträge:
    364
    Zustimmungen:
    0
    Punkte für Erfolge:
    0
    Ort:
    seit 20.5.2008 Eifel/Alemania - 1993-2008 Cantoria
    hola John...

    doch leider ist dies üblich, denn Spanier können sich NICHT vorstellen, dass Euere Mutter NICHT bei Euch lebt/wohnt, von Euch gepflegt und versorgt wird :!:

    Ihr hättet, wenigstens einer aus der Familie, bei Eurer Mutter im KHs bleiben sollen, sie waschen, pflegen, füttern etc. das ist NORMAL in spanischen Krankenhäusern :idea:

    Greta 8)
     
    #9 29. Juni 2006
  10. marmota
    marmota New Member
    Registriert seit:
    29. März 2004
    Beiträge:
    2.351
    Zustimmungen:
    0
    Punkte für Erfolge:
    0
    Ort:
    München
    Hola John,

    was Greta geschrieben hat, haben uns auch deutsche Residentenfreunde berichtet. Da war der Vater zu Besuch und hatte einen Herzanfall. Im spanischen Krankenhaus wurde es als selbstverständlich angesehen, dass die Verwandten die Pflege übernehmen. Und zwar Tag und Nacht inklusive Essen füttern, Popo abwischen usw. usw.

    Die Bekannten von uns sind dann in eine Privatklinik gewechselt, wo dann auch Pflegepersonal die Betreuung übernommen hat.

    Vielleicht können die Andalusier vor Ort zu den Privatkliniken mehr sagen (wie erfährt man wo eine ist? kann man da so einfach hin? Kostenübernahmen?)


    Note mangelhaft kann aber auch auf Deutschland zutreffen. Meine persönlichen Erfahrungen gehen da leider auch von bis... Darin eingeschlossen auch Androhung des körperlichen Verweises an Ärzte, die vor dem Kranken erzählen, dass sich mehr Aufwand sowieso nicht mehr lohne. Will hier bitte nicht verallgemeinern, habe auch positive Erfahrungen gemacht mit viel Herzlichkeit und kompetentem Personal (was ja bekanntermaßen zeitlich hier in Deutschland stark überstrapaziert wird).

    Aber letztlich bleibt nur eines: am besten nicht krankwerden!

    Wir drücken Deiner Mutter aber von hier aus alle Daumen, dass sie von nun an in wirklichen guten Händen ist.

    marmota
     
    #10 29. Juni 2006
Die Seite wird geladen...
Das könnte Sie auch interesieren
  1. Cabo de Gata (oder beinahe Almeria)

    Cabo de Gata (oder beinahe Almeria): Nachdem ich von Katharina mal etwas angestupst wurde hier auch mal ein, wenngleich nicht so malerischer, Reisebericht von mir. Eigentlich sollte dies ja ein Bericht über Almeria werden. Aber nachdem ich der Küste entlang nur noch an mit...
  2. Brückeneinsturz bei Almunecar/Arbeitssicherheit

    Brückeneinsturz bei Almunecar/Arbeitssicherheit: Heute ist beim Bau der neuen Mittelmeer-Autobahn wieder ein schwerer Unfall passiert. Je nach Quelle gab es zwischen 6 und 20 Toten, selbst der ARD war es eine Meldung in den Nachrichten wert. Was mich allerdings stutzig machte war der Nachsatz...
  3. Zeitungsmeldung Unfall Salobrena

    Zeitungsmeldung Unfall Salobrena: Hallo, hat zufälligerweise einen Zeitungsartikel vom 8/9.6.06 über einen schweren Verkehrsunfall in/bei Salobrena mit Todesopfer? Grüße John
  4. Unfallfolgen

    Unfallfolgen: Hier mal ein Thema das speziell für Residenten ohne die Unterstützung einer Großfamilie vor Ort interessant sein dürfte. Wegen meiner Erfahrungen würde es mich interessieren ob jemand von euch bereits Erfahrungen mit dem spanischen...
  5. Sommerflugplan HLX

    Sommerflugplan HLX: hola amigos, Tchibo verkauft Flugtickets für unseren nächsten Sommerurlaub ab 19,99 von HLX auf der Seite [url="http://reisen.tchibo.de/index.php/travelhome/show/"]http://reisen.tchibo.de/index.php/travelhome/show/[/url] gruß stroh
  6. NIE in Andalusien

    NIE in Andalusien: Nachdem das Haus verkauft und der Umzug in die Wege geleitet ist habe ich mal wieder etwas Zeit und Muße um mich einzuloggen. Im Laufe des letzten Jahres ist natürlich einiges an Bürokratie angefallen :twisted: , aber das Beste haben sich die...
  7. Klima und Arbeit und was sonst noch irgendwie dazugehört

    Klima und Arbeit und was sonst noch irgendwie dazugehört: [mod]Ich habe mir erlaubt, diese Beiträge aus dem Thread zum Quijote herauszulösen, was allerdings nicht 100%ig möglich ist, da einige Beiträge auf zu viele Themen gleichzeitig eingehen. Ich habe mir aber bemüht. Wem also der eine oder andere...
  8. "Geschenke erhalten die Freundschaft"?

    "Geschenke erhalten die Freundschaft"?: Hola, jetzt möchte ich doch gern die Meinung der anderen schon länger in Spanien Lebenden hören: in Deutschland kenne ich das, dass der Spruch "kleine Geschenke erhalten die Freundschaft" tatsächlich seinen Sinn hat, sei es im privaten oder...
  9. Stauseen in ES

    Stauseen in ES: Hi an alle, nach den vergangenen Wochen starker Regenfälle würde mich mal sehr die aktuelle Lage der Stauseen interessieren. Leider habe ich von vielen Seiten sehr gegensätzliche Informationen. Die einen sagen, daß die Seen schon voll sind,...
  10. Das ist doch nicht normal, oder?

    Das ist doch nicht normal, oder?: Huhu Heute hatte ich einen Arzttermin. Um elf Uhr um genau zu sein. Ich kam rein und freute mich über ein relativ leeres Wartezimmer und nach absprache mit den anderen Patienten stellte ich auch noch fest, dass ich sogar schon die nächste sei....