Begnadigung nach Hungerstreik... Eure Meinung?

Dieses Thema im Forum "Allgemeines zum Thema Spanien" wurde erstellt von coliflor, 26. März 2007.

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  1. coliflor
    coliflor New Member
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    Begnadigung nach Hungerstreik... Eure Meinung?
    Nachdem an diesem Wochenende Frau Monhaupt aus dem Gefängnis entlassen wurde, kamen mir die heftigen Proteste gegen den Beschluss einer Begnadigung auf "Hausarrest" für Iñaki de Juana wieder in den Sinn (ich war zu der Zeit gerade für drei Wochen "unten").

    Die Spanier, mit denen ich darüber gesprochen habe, waren mehr als entrüstet und forderten, den Mann eben verhungern zu lassen, wenn er selbst vorher "nicht Vernunft annehme".
    Den Fall habe ich nur über die Berichte kennengelernt und es hat sich auch in mir etwas gegen diesen Beschluss gesträubt. Andererseits verbieten mir meine Unkenntnis des spanischen Rechts und eine gewisse juristische Denkweise ( :roll: ), sofort ebenso heftig ablehnend zu reagieren, wie es von hunderten von Spaniern und teilweise sehr propagandahaft von Vertretern der PP zu sehen war.

    Insbesondere die Diskussionen im Parlament und die Tatsache, dass sich unter den von mir befragten Spaniern auch ein recht renommierter Anwalt befand haben in Unsicherheit gestürzt, was ich nun von dieser Angelegenheit halten soll.
    Mein momentaner Standpunkt ist: Ich kenne das spanische Recht, die Akten und die konkreten Entscheidungsgründe nicht. Andererseits hat sich dieser Mann entscheidend an Attentaten beteiligt, die mehr als 25 Menschen das Leben gekostet haben.


    Wie denkt ihr, Spanier wie Deutsche/Schweizer/Österreicher etc.,darüber?


    LG,

    Coliflor
     
    #1 26. März 2007
  2. claudita
    claudita New Member
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    Ich kenne den Fall gar nicht, was steckt denn dahinter? Monhaupt wurde ja nicht begnadigt sondern hat ihre Strafe abgesessen?
     
    #2 26. März 2007
  3. coliflor
    coliflor New Member
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    Der Rest von "lebenslang" wurde bei Frau Monhaupt zur Bewährung ausgesetzt. Das ist in Deutschland nach 15 Jahren grundsätzlich möglich. Begnadigung in dem Sinne gibt es hier eigentlich nicht...

    Soweit ich mitbekommen habe, hat der Fall de Juana ziemlich hohe Wellen geschlagen...
     
    #3 26. März 2007
  4. claudita
    claudita New Member
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    Soweit ich weiß ist sie auf Bewährung draußen, war doch aber seit 1982 im Gefängnis, 25 Jahre... wie lange sollte denn lebenslänglich sonst sein?


    Erzähl doch mal genauer wegen de Jauna.
     
    #4 26. März 2007
  5. Sidona
    Sidona New Member
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    Es handelt sich um einen ETA-Terroristen, der 1987 für 25 Morde zu 3000 Jahren verknackt wurde. Nach 18 Jahren hätte er frei kommen sollen, da aber eindeutige Drohungen aussprach wurde er nochmals zu 12 Jahren Haft verurteilt. Nun befindet er sich im Hungerstreik.

    Einerseits finde ich es ein sehr zweischneidiges Schwert, jemanden, der bereits Verurteilt ist nochmals was "draufzupacken", aber man kennt natürlich die genauen Umstände nicht. Dazu kommt, dass ETA ja - im Gegensatz zur RAF - noch aktiv ist und es anzunehmen ist, der Typ wieder dabei ist.

    Ansonsten enthalte ich mich einer weiteren Aussage, da ich den Fall dann doch zuwenig kenne.
     
    #5 26. März 2007
  6. Gast2365
    Gast2365 Guest
    Iñaki de Juana Chaos ist nicht begnadigt worden, sondern seine Reststrafe wurde in Hausarrest umgewandelt. Daß das zwiespältige Reaktionen hervorruft, ist klar. Andererseits wurde geltendes Recht angewendet; das gleiche Recht, welches während der Regierungszeit der PP unter Aznar zur Anwendung kam und das dazu führte, daß ein tatsächlich freigelassener ETA-Terrorist einen Stadtrat ermordete.
    Von der (ultra-)rechten Opposition wird dies nun so dargestellt, als ob die Regierung den Drohungen der ETA nachgegeben hätte. So stellt es sich auf den ersten Blick tatsächlich dar, aber ich halte dies immer noch für besser, als einen Terroristen verhungern zu lassen und der ETA so einen Märtyrer zu bescheren.
    Ich verfolge die spanische Innenpolitik, die eigentlich eher einem Tollhaus gleicht und die mich in meiner Ansicht bestärkt, in einer "frisierten" Bananenrepublik zu leben, jeden Tag.
    Die Entscheidung im Falle de Juanas kann durchaus kontrovers diskutiert werden. Die Art und Weise, wie es die Franco-Nachfolger von der PP tun, finde ich einfach nur zum Kotzen. Sie sind auf dem besten Wege, das Land zu spalten.
    Gruß
    Stefan
     
    #6 26. März 2007
  7. anda_imported_rosa
    anda_imported_rosa New Member
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    Ich finde das ist ein wichtiges Argument gegen eine Entlassung, bzw.vielmehr spricht es auch dagegen, RAF und ETA zu vergleichen. Da ich den Fall nicht kenne, kann ich nichts weiter sagen. Aber im Radio in D. wurden diese Fälle auch verglichen.
    Mir scheint es manchmal unverhältnismäßig dass bei einigen die Entlassung nach "lebenslänglich" soviele Diskussionen auslöst und andere viel schneller wieder auf freiem Fuß sind. Ich fürchte es geht von manchem Ex-Häftling mehr Gefahr aus, als von Frau Mohnhaupt und Herrn Klar.

    rosa
     
    #7 26. März 2007
  8. coliflor
    coliflor New Member
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    Dass es um die Beschränkung bei "lebenslänglich" heftige Diskussionen gibt kann ich insofern nachvollziehen, als diese Strafandrohung das Äußerste ist, das das deutsche Strafrecht als Strafe "zu bieten" hat und diese Strafe daher nicht so häufig ausgesprochen wird.
    Dem Otto-Normal-Bürger, der die Überlegungen nicht mitbekommt, die hinter einer Aussetzung zur Bewährung stehen, erscheint diese dann als "recht billig errungen".

    Ich strebe gerade keinen Vergleich zwischen den beiden Fällen an. Auch ich sehe einen klaren Unterschied zwischen einem Mitglied einer nicht mehr existenten Terroristengruppe und dem einer noch sehr aktiven.

    Klar - hätte man ihn verhungern lassen (was sein Entschluss gewesen wäre), hätte die ETA einen Märtyrer.
    So feiert man ihn regelrecht als Held.

    Als Allgäuer würde man jetzt sagen: "G'hupft wie gschprunge", also wie man's macht, ist's falsch.
     
    #8 27. März 2007
  9. dali
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    Der Hungerstreik ist für mich eine Art Erpressung und einer solchen sollte ein Staat nicht nachgeben. Wird er jetzt freigelassen wegen seines Hungerstreiks, kommt bald der nächste, der seine Freilassung so erpressen will.

    Außerdem sehe ich das sehr realistisch. Wenn er sich zu Tode hungern möchte, so ist das sein freier Entschluß. Märtyrer? Ein Selbstmörder? Nee, das kann ich mir nicht vorstellen. Und selbst wenn, er wird dann keinen Menschen, die völlig unbeteiligt sind, mehr weh tun. Und die Gemeinschaft braucht auch nicht mehr für seine Haft finanziell aufkommen.

    Und wenn er seinen Hungerstreik freiwillig abbrechen sollte (wäre zumindest möglich, oder), dann kann man ihn sicher in die Kategorie Großmaul eingrupieren.

    Wenn er sterben will, dann soll er dies tun!
     
    #9 27. März 2007
  10. ralfo
    ralfo New Member
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    Die "Bild" macht gerade fragwürdige Jagd auf die Mohnhaupt. Siehe z.B. hier oder hier. Dass Menschenrechte und Grundgesetz auch für Ex-Häftlinge gelten (bzw. gelten müssen in einem Rechtsstaat), ist denen wohl egal.

    Mit billigem Populismus kann man scheinbar immer noch Auflage machen. (Oder Wählerstimmen fangen.)
     
    #10 27. März 2007
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