Ausländer in Spanien fürchten um ihre Häuser

Dieses Thema im Forum "Nachrichten und Aktuelles" wurde erstellt von imported_morayma, 17. Oktober 2009.

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  1. imported_morayma
    imported_morayma New Member
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    Ausländer in Spanien fürchten um ihre Häuser
    Hier habe ich zwei interessante Beiträge im Internet von der kanadischen Journalistin Luise Wagner zum Thema Baupolitik, Korruption am Bau und über das Küstengesetz gefunden. Sie sind lesenswert:

    :arrow: Abriss illegal gebauter Häuser


    :arrow: EU rüffelt Spanien

    Ich finde es immer wieder verblüffend und auch beschämend, dass sich viele Ausländer die hier leben sagen "das interessiert mich nicht, denn das kann mir nicht passieren, denn ich lebe weit genug von der Küste weg/in einer Urbanisation, etc."
    Es kann jedem passieren. Auch wenn er in einer alten Urbanisation wohnt und erst recht, wenn er sich ilegal eine Finca auf dem Campo gebaut hat.

    Gerade passiert's in Calpe, wo Hauseigentümer der "uralten" Urbanisationen El Tosal, Maryvilla, La Canuta Baja, etc. plötzlich ihr Haus vom möglichen Abriss oder von der Enteignung bedroht sehen.

    Un saludo

    Morayma
     
    #1 17. Oktober 2009
  2. Tibi
    Tibi New Member
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    Es ist wohl eher die "Vogel-Strauß-Politik", wenn ich es nicht sehe, kann es mich auch nicht treffen.

    Wenn diese Regelungen / Machenschaften massiv in den europäischen Medien, ins Besondere in D, UK, Österreich, Skandinavien und den Beneluxländern veröffentlich werden würden, anstatt diesen Müll von "Auswanderer-Sendungen" zu zeigen, dann würde die Baupolitik hier so gut wie komplett einbrechen bzw. wäre über die Jahre / Jahrzehnte erst gar nicht in dem Maße entstanden. :evil:
     
    #2 17. Oktober 2009
  3. Strandpirat
    Strandpirat Member
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    Guten Abend,

    ich betrachte die Sache mal von dieser Warte:

    Man hat früher legal-illegal gebaut. Es wurde geduldet, weil ja örtliche Handwerker/ Bauern usw. davon profitierten.
    Vielleicht auch oft in attraktiven, netten,ruhigen und lebensqualitativ hochwertigen Zonen.
    Es wurden Abgaben und Steuern entrichtet, die Urbanisationen erschlossen usw., die Häuser und Gebäude wurden in Grundbücher und topographische Karten aufgenommen.

    Diese "Leckerchen" d.h. den Grund und Boden will jetzt irgenein abgewxxxx Spekulant/ Bauhai haben.
    Klemmt sich flugs hinter empfängliche Stadtverordnete oder Gemeindemukkel und siehe da, nach 20 oder 30 Jahren ist auf einmal alles "illegal" gebaut und stört das Stadtbild...................den Rest könnt Ihr Euch denken.Es ist mal wieder die Kohle........
    Ich bin nicht firm in den spanischen Gesetzen, weiß jedoch, dass man bei Neubauten an der Küste eine Erlaubnis der spanischen Marine benötigte, wegen Küstenverteidigungslinie usw.

    Gibt es in E auch so etwas wie Bestandsschutz, stillschweigende Duldung und somit Legalität, Gewohnheitsrecht im Sinne der "betrieblichen Übung" etc?

    Gruß

    Strandi :roll:
     
    #3 17. Oktober 2009
  4. imported_morayma
    imported_morayma New Member
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    Hola Stranbdpirat,


    Mit dieser Ansicht liegst Du nicht ganz richtig :wink:
    Da hat nur die staatliche Küstenbehörde etwas zu sagen und kein Stadtrat oder Bürgermeister vom Stamme "Nimm es"
    Das Thema ist allerdings zu komplex, um es hier wirklich erklären zu können.

    Nur so viel: 1988, als das Küstengesetz in Kraft trat, war fast kein Bau am Mittelmeer legal gebaut :!: Viele Bauten waren nicht einmal legal nach dem vorher bereits existierenden uralten Küstengesetz aus dem 19. Jahrhundert.

    Legal wäre ein Gebäude nur dann gewesen, wenn die Bauzonen an der Küste 1988 bereits ausgewiesenes Bauland (suelo urbano) gewesen wären. Das waren sie aber nicht. Die wenigsten Gemeinden hatten 1988 schon einen PGOU (Raumordnungsplan) also auch keine offiziell und legal ausgewiesenen Baugebiete. Bis weit in die 1990er Jahre wurde entlang der spanischen Mittelmeerküste fröhlich illegal gebaut, obwohl die Behörden genau wussten, dass man gegen das Küstengesetz verstösst. Noch heute werden viele Edificios illegal gebaut :shock:

    Der heutige Stand ist folgender:

    Alles was in der Zone PROTECCIÓN DEL DOMINIO PÚBLICO MARÍTIMO-TERRESTRE liegt, gehört dem Staat (bereits seit 1988) und kann entschädigungslos abgerissen oder enteignet werden. Bei dieser Zone handelt es sich um den Streifen unmittelbar am Meer, d.h. z.B. der Strand von der Wasserlinie an, etc. Dann kommt ein Streifen von ca. 6 Metern, der unbebaut bleiben muss.

    Danach die ZONA SERVIDUMBRE DE PROTECCIÓN. Das ist ein 20 bis 100 Meter breiter Streifen vom Ende der vorher genannten Schutzzone an gerechnet. Wer sein Haus in diesem Streifen hat, wird weder enteignet noch wird sein Haus abgerissen.. Er kann das Haus behalten, vererben, verkaufen. Was man nicht darf ist das Haus erweitern, abreissen und neu aufbauen. Sollte im Extremfall das Haus bis auf die Grundmauern niederbrennen, darf man es nicht mehr aufbauen. Auf die Ausnahmen gehe ich jetzt ncict ein.
    Wer in dieser Zone ein unbebautes Grundstück hat, darf es nicht bebauen. Das aber schon seit 1988. Das wurde und wird leider in der spanischen wie ausländischen Presse vollkommen falsch dargestellt.

    Prekär wird die ganze Sache nun, weil die Rathäuser und Landesregierungen seit 1988 wohl wissend, dass sie in der Zona Servidumbre de Protección keine Baugenehmigungen erteilen dürfen, wenn die Gebiete nicht bereits vor 1988 offiziell als Bauland ausgewesen waren, trotzdem aus Profitgier jede Menge Baugenehmigungen erteilten. Alle diese Häuser sind eigentlich illegal und müssten nun streng genommen abgerissen oder enteignet werden.

    Nun gibt es aber ein Gesetz von 1976 das besagt, wenn Zonen dicht bebaut sind, bewohnt sind, Infrastruktur haben(Wasser, Strom, Strassen etc.) dann sind sie "automatisch" Bauland (suelo urbano consolidado). Darauf können sich nun viele Hausbesitzer berufen.

    Wichtig ist jetzt vor allem, dass die wenigen Zonen, die noch unbebaut sind auch unbebaut bleiben. Da versuchen nun Deine Stadtverordneten, Gemeindemukkel und vor allem Bauunternehmern mit aller Gewalt, das Gesetz zu umgehen.
    Leider sind auch die oberen und obersten Behörden in der Anwendung und Umwendung des gesetz< sehr willkürlich. Es ist unverständlich, wie das 200 Jahre alte Fischerdorf Calnegre bei Murcia ...

    [attachment=0:2c4v39ki]calnegre Equalparatodos.jpg[/attachment:2c4v39ki] Fischerhäuser Calnegre


    oder eine Mühle aus dem 15. Jahrhundert in Galicien abgerissen werden sollen, weil sie zu dicht am Meer stehen (ich kenne kein Fischerdorf im Landesinnern :roll: )...

    ... in Arousa in Galicien aber ein scheusslicher Luxusbau unmittelbar am Meer gebaut werden darf, obwohl die Zone gar kein Bauland ist. Dieser Luxusbau, keine 50 m vom Meer entfernt, wird sinnigerweise Villa PSOE genannt, weil sich dort viele hohe PSOE-Politiker eine Wohnung kauften

    [youtube:2c4v39ki]http://www.youtube.com/watch?v=17QsOfgQRlI[/youtube:2c4v39ki]

     

    Anhänge:

    #4 18. Oktober 2009
  5. Strandpirat
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    Es wird wohl mehr nach dem Motto gehandelt: "Recht hat, wer sich Recht nimmt." Und dann noch die PSOE, na ja die Kommentare in dem Clip waren ja entsprechend.
    Vielleicht nehmen sich die Parteimitgleider ja auch irgendwann einmal das Recht..........

    Erinnert alles irgendwie an die Ostzeiten als die Anführer in der DDR den Klassenfeind bekämpften........aber in den abgeschirmten, stasibewachten Wohngegenden schönste Häuser und Villen mit kompletter "Westausstattung" ihr "Eigentum" nannten. Die Systeme gleichen sich doch immer wieder.

    "Möge die große Flut bald alles verschlingen!" :roll: =D>

    Strandi
     
    #5 18. Oktober 2009
  6. imported_Chris
    imported_Chris New Member
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    Der Bürgermeister von Calpe, Ximo Tur, kam diese Woche von einem Gespräch mit Beamten vom Umweltministerium zurück.

    Lt. Ministeriums-Sprecherin Alicia Paz Antolín wird in den Abschnitten Partidas Bassetes, Calalga, Maryvilla und Canuta in Calpe die Land-Meer-Zone auf nur 20 Meter verringert. Nix mit 100 Metern.

    Viele Menschen in den betroffenen Gebieten die Angst um ihre Häuser hatten können also vorerst aufatmen. Jetzt muss wohl ein neuer Plan vorgestellt werden, bevor neue Grenzen gesetzt werden.

    Saludos :wink:

    Chris
     
    #6 21. November 2009
  7. Kiebitz
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    Land Valencia / Spanien

    Wegen Enteignungen: EU-Parlamentarier fordern Lösungen

    Druck erhielt der turnusmässige EU-Ratspräsident José Luis Rodríguez Zapatero, der spanische Ministerpräsident, bei seinem Antrittsbesuch in Strassbourg von zahlreichen Abgeordneten des Europa-Parlaments. Sie forderten eine Lösung für die durchgeführten und für die angekündigten Enteignungen von Hausbesitzern vor allem in Andalusien und im Land Valencia. Es wurde angeregt, EU-Gelder für Spanien auszusetzen, so lange die Regierung in Madrid nicht die Einhaltung europäischer Eigentumsrechte garantiere.

    Rund 15.000 britische, belgische, deutsche und französische Immobilien-Eigentümer beschwerten sich vor vier Jahren formell gegen das Landesentwicklungsgesetz LRAU. Rund 20.000 erzwungene Verkäufe von Immobilien oft zum Bruchteil des jeweiligen Marktwertes fanden zu Gunsten von Erschliessungsprojekten statt. Die EU-Kommission lehnte -nach einem Urteil des EU-Gerichtshofes gegen LRAU- auch das valencianische Nachfolge-Gesetz (LUV) ab. Mehrere EU-Berichte (zuletzt "Auken") kamen zu sehr negativen Urteilen über die mangelnde Wahrung privater Eigentumsrechte durch die zuständigen Planungs- und Baubehörden.

    Zapatero bekam in Brüssel ins Stammbuch geschrieben: "Wir wollen jetzt eine Lösung von Ihnen. Die Menschen müssen in den Häusern, die sie ehrlich erworben haben, unbedroht von Enteignung leben können."

    Passend dazu hat jetzt die Gemeinde Llíber im Hinterland von Benissa die Abrissverfügung für eines der 300 illegalen Häuser über das Provinz-Bulletin wieder angeschoben. Bürgermeister Juan Bautista Reus (PSOE) teilte mit, dass dieses Haus quasi bei Nacht und Nebel und unter Verantwortung des vermeintlichen Korruptionsnetz-Chefs Miguel Muntaner gebaut worden sei. Die Gemeinde habe Abrissverfügung für fünf oder sechs weitere Chalets angestrengt, die ebenfalls völlig illegal hochgezogen worden seien. Die betroffenen Hausbesitzer haben in Brüssel eine Art Amnestie für ihre Häuser beantragt.

    http://www.costa-info.de/cgi-bin/wopo/page.pl?id=10906

    Kommentar: Eigentlich ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt um Druck auf Spanien auszuüben, um einige geflissentlich ignorierte Aufgabenstellungen anzugehen.
     
    #7 24. Januar 2010