Gibraltar usw.

Dieses Thema im Forum "Gibraltar" wurde erstellt von Gast2365, 14. Juli 2008.

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  1. Gast2365
    Gast2365 Guest
    Gibraltar usw.
    (Beitrag abgetrennt von 10 Tage Andalusien - was sehen?)


    aficion: Kann sein, dass das heute etwas anders ist - doch die Relevanz von Drogen (auch Kokain, vor allem in den Diskos an der Costa, wo Geld "gewaschen" wird; viele Betreiber investierten dort Gewinne aus einschlägigen Geschäften) bzw. des Drogenschmuggels (Haschisch aus Marokko) über Ceuta/Algeciras und Gibraltar sollte man nicht unterschätzen - auch wenn die großen diesbez. Aktionen schon damals mit Segelyachten, Schnellbooten und Kleinflugzeugen gelaufen sind ...

    Zu meiner Zeit waren es zwei konkurrierende Gitano-Familien in Algeciras, die fast alles kontrollierten und organisierten - teilweise zusammen mit einigen korrupten (nur damals?) Leuten von der Guardia Civil. Das lag auch daran, weil es in Andalusien bei den jüngeren Generationen eine hohe Arbeitslosigkeit gab, und das Drogengeschäft oft die einzige und relativ einfache Alternative für viele war.

    Doch wie's heute aussieht, weiß ich auch nicht mehr - es würde mich aber wundern, wenn sich da viel geändert hätte. Um das alles realistisch einschätzen zu können, müsste man eben nicht nur in den eigenen Kreisen verkehren, sondern auch mal den harten sozialen Tatsachen ausgesetzt sein, ums nackte Überleben kämpfen müssen; als Schweizerin ist man da wohl relativ privilegiert ... :wink:

    Ich selber musste mich nie auf solche Aktionen einlassen, habe lieber als Gärtner, Straßenmusiker, Hausmeister für reichere Leute und auf Orangen-Plantagen und dergleichen mein bescheidenes Geld verdient, auch mal mit dem Verkauf von verschiedenen Sachen auf Flohmärkten - doch indirekt erfuhr ich schon das eine oder andere: in den Diskos an der Küste vor allem darum, weil ich zusammen mit anderen Kleinkünstlern (Feuerschluckern, Pantomimen, Musikern, ...) auch mal von jenen Besitzern engagiert wurde, die eine authentische "Szene"-Show für Touries wollten - etwa mit dem Thema "Jamaika", "Südsee" oder "Marokko" ... :wink:
     
    #1 14. Juli 2008
  2. Sidona
    Sidona New Member
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    Re: 10 Tage Andalusien - was sehen?

    Dabei darf man nicht vergessen, dass die Grenze zwischen Gibraltar und Spanien von 1969 bis 1985 komplett geschlossen war und Gibraltar ausser auf dem Luftweg nur von der Meerseite (und nicht aus einem spanischen Hafen!) anzulaufen war!

    Bis vor kurzem war der Hauptdrogeneinfuhrplatz Bárbate, da wurde der Hafen unterirdisch mit Netzen zu gemacht und eine Sondereinheit Guardia Civiles stationiert. Durch diese Sicherheitsmassnahmen hat sich der Einfuhrplatz nun mehr Richtung Sanlúcar verlagert.

    Da hast du recht, ich laufe total uninformiert duch die Gegend, kenne keine Leute, lese keine Zeitung - weder eine Deutsche noch Spanische, verkehre natürlich nur mit meines Gleichen, lehne jeden Kontakt zu Spaniern ab... Sach' emal gehts dir noch gut? Ach ja - Drogenschmuggler und Feuerschlucker gehören tatsächlich nicht zu meinen Bekannten... :shock:
     
    #2 14. Juli 2008
  3. Gast2365
    Gast2365 Guest
    Re: 10 Tage Andalusien - was sehen?

    aficion: Aber Sidona - leg' nicht alles auf die Goldwaage; wir kennen uns doch nur "virtuell". :wink: Und dass du über das Aktuelle in Spanien sehr viel besser als ich informiert bist, hat sich ja schon auf anderen Gebieten gezeigt, auch dem Toreo. Doch nur wenn man mal (wie ich) etwas "nachhakt", erfährt man was übereinander - oder? :) Für mich ist es jedenfalls interessant, etwas über den Menschen "hinter seinen Worten" zu erfahren. Und so richtig kann man sich ohnehin nur im "real life" kennen lernen - also "ganzheitlich", ohne auf das geschriebene Wort reduziert zu sein, sozusagen mit allen Sinnen ... 8)

    Ich selber hatte jedenfalls in Andalusien "ohne Netz und doppelten Boden" gelebt, sämtliche Brücken zu D. abgebaut 8) - und selbstverständlich dort auch Schweizer getroffen, die das normalerweise nicht so können oder wollen. In das Pueblo, wo ich lange lebte, kamen manchmal auch "eidgenössische" Traveller, und im Laufe der Jahre bemerkt man dann eben gewisse Mentalitäts-Unterschiede bez. "Sicherheitsbedürfnis" - ohne das jetzt verallgemeinern zu dürfen ... :)

    Mal sehr pauschalisiert gesagt, und ich hoffe, du verstehst meine Art von Humor :wink: :

    Wenn ein englischer Traveller-Freak erzählte, er habe keine Kohle mehr, dann hatte er schon lange jeglichen Kredit ausgeschöpft, war wirklich pleite und auch ohne Idee, wie's weitergeht.

    Deutsche Freaks hatten normalerweise (doch was ist schon "normal" :) ) noch was in der Hinterhand, konnten mit irgendeiner Hilfe aus Deutschland rechnen, etwa von Freunden oder der Familie. Und ebenso Franzosen, Italiener oder Holländer wiederum kannten, wenn sie sagten, sie haben kein Geld mehr, immer noch jemanden, der sie nach Hause mitnahm, auch wenn sie kein Geld mehr für's Essen hatten.

    Und wenn Schweizer sagten, sie hätten kein Geld mehr, dann war es in der Regel so, dass sie zumindest noch welches für die billigste Heimreise und das Nötigste zum Essen hatten. :wink:

    Doch wie schon über mich erzählt - in der Szene, in der ich mich damals bewegte, gab es viele (Über-)Lebenskünstler, die gut improvisieren konnten, auch ohne Geld nicht gleich in Panik gerieten. Schweizer habe ich allerdings in einer solchen Lage noch nie kennen gelernt - aber vielleicht war das auch nur Zufall ... :D

    Über mein damaliges, mein "andalusisches" Hippie-Lebensgefühl schrieb ich auch in meinem "Reise"-Roman:

    (...) Der friedliche Fluss - außer in der Regenzeit des Frühjahrs, wenn er wild schäumend durch die engen Stromschnellen jagt - war noch im Sommer an vielen Stellen mehrere Meter tief. Ganz in der Nähe staute er sich zu einem kleinen See - bevor er in Kaskaden über vom ewigen Fließen glattrund geschmirgelte Felsen stürzte und wieder in sein Bett fand. Von hier aus wurde Wasser durch dicke Rohre zu den höher gelegenen Kanälen gepumpt, für die Orangen-, Zitronen- und Avocadobäume der Plantagen – ein System mit vielen Schleusen, das noch von den Mauren stammte, die ihre Kunst der Bewässerung nach Andalusien mitbrachten.
    Außer dass ich ihm und seinen Leuten damals bei den Ernten half, hatte mir Don Jorge die Aufgabe übertragen, jeden Tag zu bestimmten Uhrzeiten die meiner Hütte am nächsten liegende Schleuse des Bewässerungssystems zu öffnen oder zu schließen, je nach Wetter und Jahreszeit. Das war eine ernst zu nehmende Verpflichtung, und sie zwang mich zu einer gewissen Disziplin. Es gab einen wichtigen Grund, überhaupt etwas zu tun - an den vielen faulen Tagen, während derer ich ansonsten ließ oder tat, wozu ich Lust hatte. Deutschland und alles, was sonst noch mit Ängsten vor der Zukunft und „vernünftigen“ Lebensentwürfen zu tun hat, konnte und wollte ich in diesen sorglosen Jahren vollkommen vergessen. Dass ich so gut wie nie Geld besaß, beunruhigte mich nicht – wenn der Hunger groß genug war, machte ich im britischen Gibraltar Straßenmusik, half bei Arbeiten auf den Plantagen des Jorge, tauschte die Orangen, die er mir dafür gab, gegen Mehl, Eier oder andere Dinge, die man eben so braucht – und die frei wildernden schwarzen Schweine verschonten manchmal sogar meinen kleinen Garten.
    Zu den immer abrufbaren Bildern vom Fluss bei San Pablo gehören auch die Schildkröten, wenn sie sich morgens und am späten Nachmittag auf den über das Wasser ragenden Felsen wärmten, stets mit dem Kopf zur Sonne. Man konnte schwimmen oder angeln – und alle, die diesen Ort kannten, kamen gerne wieder. Vielleicht, weil mein kleiner Lebensraum so organisiert war, dass ich - auf der Feuerstelle mit den schweren Granitsteinen - jederzeit Fladenbrot backen und einfache Mahlzeiten braten und kochen konnte, etwa Pfannkuchen, manchmal eine Forelle, oder eine Fischsuppe mit Kräutern. Und Heilpflanzen-Tees – die die eine oder andere Unpässlichkeit der Freaks und deren Kinder kurieren konnten. Ich verdiente mir manchmal etwas Geld, indem ich aus dafür geeigneter Tonerde Chillums formte, diese über Nacht in der sauberen Holzglut des Feuers brannte und auf Flohmärkten oder an meine Gäste - meistens begeisterte Kiffer - verkaufte. Wenn sich diese Travellers auf ihren Reisen begegneten, tauschten sie das Wissen um die besten und geeignetsten Plätze für unsere Art zu leben. Oft waren es junge Familien, englische, deutsche, französische, schottische oder irische, die hier das Kontrastprogramm zur touristisch erschlossenen Costa del Sol suchten und fanden. Vor allem in der Szene der Straßenmusiker und Kleinkünstler – Keulenakrobaten, Feuerschlucker, Hochrad-Fahrer, Zauberer, Pantomimen, Stelzenläufer – wurde der Platz am Fluss immer bekannter. Wir machten zusammen Musik, Kinder spielten im Sand, badeten im klaren Wasser - es war das Leben wie in den schönsten Träumen meiner, der Woodstock-Generation; manchmal schien es eine Wirklichkeit gewordene Utopie. Und „Woodstock“ war damals für viele, auch für mich, tatsächlich sehr viel mehr, als es danach kommerziell ausgebeutet und kolportiert wurde - es war ein Traum, der uns Mut machte und die Kraft gab, an die Zukunft zu glauben, eine gemeinsam generierte und gelebte Illusion. So wie sie von Martin Luther King geträumt wurde: „I have a dream ...“. Oder von Bob Dylan: „The times they are a changin' … (Ende des Auszugs) :wink:


    Eine Frau wie dich, Sidona, habe ich jedenfalls noch nie kennen gelernt - nicht nur wegen deiner Kompetenz über und die Aficion für den Toreo. Das kommt vermutlich auch nicht so oft vor - und macht mich wirklich neugierig auf dich ...

    Saludos cordiales, Sidona, und alles Liebe dir ... :D
     
    #3 14. Juli 2008
  4. Gast2365
    Gast2365 Guest
    #4 15. Juli 2008
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