Can Franc

Dieses Thema im Forum "Madrid, Galicien, Nordspanien und andere Regionen" wurde erstellt von mr1961, 21. Februar 2010.

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  1. mr1961
    mr1961 Member
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    Can Franc
    Wenn jemand im Norden von Spanien Urlaub macht sollte er auch mal nach Can Franc streifen. Dort befindet sich eine Riesen Investruine aus dem letzten Jahrhundert.

    In den zwanziger Jahren entstand das Projekt, Paris und Madrid mit einer neuen Expresslinie zu verbinden. Die Strecke sollte auf kürzestem Wege die Pyrenäen überqueren.
    Da es zur damaligen Zeit noch keine Umspurmöglichkeit für die Züge gab, mussten die Fahrgäste irgendwo zwischen den französischen (Normalspur) und spanischen (Breitspur) Waggons wechseln. Dies sollte möglichst grenznah passieren, beim Umsteigen sollten gleichzeitig die Pass- und Zollformalitäten erledigt werden. Der günstigste Ort hierfür war ein Plateau nördlich von Canfranc, unmittelbar südlich des Pyrenäenhauptkammes. Neben Passagieren sollte dort auch Fracht umgeladen werden.
    Die Planer rechneten damals mit mehreren tausend Reisenden pro Tag und der spanische Architekt Fernando Ramírez de Dampierre erbaute von 1921 bis 1925 einen Bahnhof nach den Maßstäben einer internationalen Expresslinie: Größe und Gleiszahl entsprechen dem einer Stadt mit ungefähr 100.000 Einwohnern, das edel ausgestattete Hauptgebäude liegt parallel zwischen den breiten (spanischen) und schmalen (französischen) Gleisen. Reisende sollten direkt am Bahnhofsgebäude aussteigen, die Grenzformalitäten erledigen und auf der anderen Seite sofort wieder in den nächsten Zug einsteigen können. Dieser Massenbetrieb jedoch wurde niemals Realität: Schon während der Bauphase zeichnete sich ab, dass die Planer den Transportbedarf auf der Linie bei weitem überschätzt hatten. Die folgende Weltwirtschaftskrise und die politischen Bedingungen bis zum zweiten Weltkrieg ließen die Passagierzahlen nochmals sinken. Auch der Frachtverkehr erreichte niemals die geplanten Dimensionen: Da es noch keine Container gab musste jede Kiste Fracht quasi von Hand umgeladen werden. Dies machte den Bahntransport teuer und langsam.
    Nach dem Krieg wurde die Linie zwar weiter benutzt, doch an einen internationalen Expressverkehr dachte niemand mehr. Als schließlich auf der französischen Seite bei L’Estanguet (Lescun-Cette-Eygun) eine Brücke einstürzte, war der internationale Zug für Canfranc abgefahren. Gerüchte, wonach die SNCF unmittelbar vor dem Einsturz ihre letzte Lokomotive aus Canfranc abgezogen hätte, halten sich hartnäckig.

    Gruß MR
     
    #1 21. Februar 2010
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 1. September 2011
  2. Mareike29
    Mareike29 New Member
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    Danke für die schönen Fotos. Ich hatte leider noch nicht die Möglichkeit diesen Ort kennenzulernen. Aber eine Freundin von mir hatte auch schon das Vergnügen einen Blick auf die alten Gebäude dort zu werfen.
    Auch sie war sehr angetan...
    Mareike
     
    #2 20. März 2010