Zukunft des Stierkampfs

Dieses Thema im Forum "Stierkampf" wurde erstellt von Gast1805, 13. Februar 2006.

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Wird das Interesse für den Stierkampf in Spanien zunehmen?

  1. Ja, das Intresse wird zunehmen.

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  2. Nein, das Intresse wird abnehmen.

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  3. Es wird sich nichts ändern.

    100,0%
  1. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Sogar das The Wallstreet Journal hat mit After 5-Year Exile, An Elusive Torero Returns to the Ring den Auftritt von José Thomas am Sonntag in Barcelona gestern zu seiner Titelgeschichte avanciert.
     
    #161 16. Juni 2007
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  3. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Stirbt der Stier?

    Wie sich selbst erfahrene deutsche Journalisten schwer tun mit der Thematik des Stierkampfs
    Hier am Beispiel eines Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 26. Juni des Journalisten Leo Wieland


    Die Rückkehr des Matadores de toros José Tómás beschäftigte auch die deutschsprachige Presse. Meistens jedoch verbarg sich hinter den verschiedenen eher reißerischen Titeln wie „Der Stier muss gewinnen“, „Streit am Nachmittag“, „Vor der Arena fliegen die Fäuste“ oder auch „Die Fiesta nacional bleibt“ derselbe Artikel von Ralf Schulze.

    Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schickte Ihren eigenen Reporter ins Rennen. Den 67-jährigen Diplom-Politologen Leo Wieland, der unter anderem in Harvard ein Semester über Internationale Beziehungen absolvierte. Seit 1973 verwöhnte er die Leser der FAZ mit kompetenten Beiträgen über große amerikanische wie russische Präsidenten. 2002 ging es dann nach Spanien. Es versteht sich von selbst, dass der Anspruch an einen Artikel von ihm zum Thema Stierkampf dementsprechend hoch angesetzt wird. Doch leider läßt schon der Titel vermuten, dass die folgenden Zeilen einem doch eher einseitigem Urteil zugrunde liegen:

    Langsam stirbt der Tod am Nachmittag

    Das dies wohl als eine Tatsache anzusehen sei – so will es zumindest der Autor vermitteln. Und bevor der eigentliche Artikel sich aufbaut, beginnt Leo Wieland gleich mit einem unverzeihlichen Vauxpas: „In Portugal ist es schon verboten den Stier zu töten.“ Um es gleich beim Namen zu nennen: Auch in der portugiesischen Republik werden die Stiere getötet. Sie werden wie in den spanischen Plaza de toros ebenfalls genauso verwundet und lediglich der eigentliche Tötungsprozess findet außerhalb der Plaza statt. Ein Vorgang, der von vielen Fachleuten kritisiert wird, weil sich das Leiden des Tieres, welche sich nach ungefähr zwanzig Minuten einstellt, unweigerlich um ein Vielfaches verlängert wird.

    Aus dem Politlager kommend rollt er das Thema auch von der politischen Seite auf und schreibt gleich zu Beginn das der “sozialistische spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero selbst die Homosexuellenehe und die Expressscheidung durchgesetzt“ hat. Und schließt daraus: “Warum also sollte nicht auch dem Stierkampf der Garaus gemacht werden?“ Glaubt er das wirklich?

    Zwar erwähnt er das Vorpreschen der spanischen Umweltministerin Cristina Narbona und spricht da auch von einem halben Rückzieher, doch irgendwie will er dem Leser nicht anvertrauen, dass in Wahrheit Frau Narbona nach ihren zwei verbalen Versuchen den Stierkampf in seine Schranken zu verweisen (siehe Beiträge vom 21.12.06 und 20.2.07) von allen Seiten, auch dem eigenen politischen Lager, binnen weniger Stunden aufs Schärfste kritisiert worden ist. Denn die politischen Führer aller großen Parteien sind sich durchaus bewußt, dass sich auch hinter den Anhängern des Stierkampfs, wie groß die Prozentzahl auch sein mag, eine gewaltige Gruppe von 12 bis 20 Millionen Menschen verbirgt. Ein Wählerpotenzial, auf welches eigentlich keine größere Partei verzichten kann und will.

    Hinzu kommt noch etwas. Der Spanier hat es gar nicht gerne, wenn man ihm etwas verbietet. Zum Beispiel die Antirauchergesetze. Fast nichts haben diese gebracht. In einigen Gebieten sogar das Gegenteil bewirkt. Zwar wird in den Restaurants weniger geraucht, dafür finden wir qualmende Spaziergänger wie Terrassensitzer so zahlreich wie noch nie. Und ein moralischer oder gar wirtschaftlicher Eingriff aus dem Ausland wird noch weniger geduldet, man siehe nur das Beispiel Endesa.

    Die Haltung der Kirche

    Es scheint sich in die Köpfe der Journalisten der FAZ geradezu eingefräst zu haben, dass die christlichen Ordensbrüder über eine eher antitaurinische Gesinnung verfügen. Geschickt will man suggerieren, dass selbst die Kirche gegen den Stierkampf ist und enthält dem Leser die Erkenntnis, wieso es eigentlich zu solch einem Verbot überhaupt gekommen ist. War es nicht gerade die katholische Kirche, die im Mittelalter mit allen Mitteln der Inquisition auf brutalste Art und Weise politische, kirchliche und auch private Rechte geltend machte? Ab dem 13. Jahrhundert gab es sogar eine Behörde dafür! Da fällt es einem doch schwer zu glauben, dass der Papst in jener Zeit ein Herz für Tiere entwickelt haben sollte, dass er das Blut und deren Schmerzen vor den Augen hatte und sogar den Stier vor den bösen Menschen schützen wollte. In der Tat gab es eine päpstliche Bulle aus dem Jahre 1567. Aber den Glaubensträgern lag es ziemlich fern, ihre Zeit mit dem Leid der sterbenden Stiere zu verschwenden. Es ging im Groben um drei Punkte. Zum einen, die vielen Ritter und auch die zahlreichen Leute aus dem Volke die dabei um das Leben kamen. Es starben einfach zu viele Menschen, um nicht zu sagen mehr Menschen als Stiere. Und dieser Tatbestand wurde wiederum als Sünde bezeichnet, das von Gott geschenkte Leben eines Menschen so nutzlos an den Stieren bei einer Freizeitbeschäftigung zu verschwenden. Der Kampf um den Glauben war nun einmal wichtiger. Als dritter Punkt, den die Kirche beklagte, sind die fehlenden Besucher in den Gotteshäusern zu nennen, weil das Volk und auch die Herrschaften die Stierkämpfe und die dazugehörigen Feste, die sich nicht selten als lasterhafte Orgien entpuppten, bevorzugten.

    Wirklich weniger Zuschauer

    „Noch nie gab es so wenige Zuschauer“, ist weiter zu lesen und weiter heißt es, dass sie in der Altersgruppe bis vierzig bei den Männern und überhaupt bei den Jugendlichen keine zwanzig Prozent erreicht. Dass jedoch in den letzten Jahren zahlreiche Plaza de toros so oft wie noch nie ausverkauft waren, wird nicht genannt. Überhaupt die Tatsache, warum sich ein so erfahrener Politologe bei seinen Auswertungen lediglich nur auf ein Umfrageergebnis stützt erschließt sich dem Leser nicht. Der Kenner zeigt sich gar erstaunt, warum sich auch noch auf die sozialistisch angehauchte wie umstrittene Gallup-Umfrage (siehe Beitrag vom 30.11.07) bezogen wird. Denn eigentlich hätte sich ihm doch das recht pauschale und nur einseitig gehaltene Fragesystem erschließen müssen. Und überhaupt wegen der Altergruppe einen kulturellen Bereich zu bewerten entspricht wohl nicht gerade feuilletonistischen Gerechtigkeiten.

    Und sind es wirklich weniger Zuschauer? Gewiss die Zahl der Veranstaltungen ist gewaltig gestiegen. Übrigens ein Tatbestand, den auch zahlreiche Kenner der Szene mit kritischem Auge beobachten. Nicht ein möglicher Mangel an Publikum ist es, was sie irritiert, eher die Qualität der Veranstaltungen besorgt sie, müssen doch auch die Stierzuchten mit diesem Tempo mithalten.

    Was man hier vermisst ist das relative Verständnis des Journalisten. Früher ging man zum Stierkampf wenn mal einer oder mehrere im Rahmen eines Volksfestes in der eigenen Stadt organisiert worden sind. Vielleicht besuchte man zusätzlich hier und da irgendwelche Veranstaltungen in der Nachbargemeinde. Und das war es auch schon, denn die Anzahl war begrenzt. Heute hat man die ganze Saison über die Möglichkeit solche Schauspiele in unmittelbarer Nähe aufzusuchen. Am Beispiel der Costa del Sol sehen wir, dass es dort mittlerweile wöchentlich mindestens einen bis zwei Stierkämpfe gibt – das war vor zehn Jahren bei weitem nicht so.

    Hinzu kommen die Fernseh-Übertragungen. Mit einer Steigerungsrate von weit über fünfzig Prozent, locken die Sender mit zwei, drei oder mehr Live-Übertragungen wöchentlich ein Millionpublikum an. Für viele Aficionados eine eben doch günstigere Variante ebenfalls an den Corridas teilzuhaben, und nicht selten bekommt man auch noch Top-Matadore zu sehen, die in den eigenen Dörfern gar nicht zu sehen sind.

    Eine grundlegende Frage stellt sich. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt, warum wird gerade beim Thema Stierkampf, zum Beispiel bei einem angeblichen Rückgang der Zuschauerquoten oder anderen negativen Schlagzeilen sofort ein mögliches Ende oft auch auf dramatische Weise prophezeit? Bei anderen kulturellen Ereignissen wie Konzerte, Oper, Theater oder andere kunstschaffende Bereiche würde man einer derartigen Berichterstattung nicht begegnen. Und weiter gefragt, nur weil ich am Samstag ein Fußballspiel der ersten spanischen Division bevorzuge, ist das noch lange kein Indiz für eine mögliche Abneigung den Stierkämpfen gegenüber, oder gar die Abschaffung fordere. Und in der Tat sprechen sich mindestens 64 Prozent der Spanier gegen ein Verbot aus (Microscopia 04/07; siehe Beitrag von 18.4.07).

    “Die Corrida ist eine Art Altherrenzeitvertreib geworden.“ Ist erst geworden? Wohl kaum. Wenn schon, dann ist es schon immer so gewesen. Aber in der Aktualität sieht es ein wenig anders aus. Zwar gibt es nach wie vor die aus der Francozeit stammenden Zigarrenraucher, jedoch schon seid dem letzten Jahr ist in den Tendidos eine wachsende Verjüngerungskur durchaus zu erkennen. Aber eigentlich ist es doch völlig unbedeutend, welche Altersgruppen nun denn die Arenen füllen.

    Aber es kommt noch dicker, denn um den Stierkampf würde es noch übler stehen, “… wenn es nicht den rettenden ausländischen Tourismus der sich wohlig schüttelnden Neugierigen gäbe.“ Bei allem Respekt dem Verfasser dieser Zeilen gegenüber, aber in diesem Punkt sind sich die Befürworter wie der Gegner der Stierkämpfe mal einig: Den Stierkampf gibt es eindeutig nicht für den Tourismus, sondern trotz des Tourismus. Der Anteil ausländischer Einweg-Touristen bewegt sich wohl nicht einmal in Richtung zehn Prozent.

    Fazit

    Durch die Zeilen erkennen wir den Politologen. Und verstehen auch, dass es für einen politischen Beobachter wohl auch wichtigeres wie spannenderes zu schreiben gibt als eben über Stierkämpfe. Aber wir dürfen uns wohl fragen, was denn der Autor dieser Zeilen eigentlich mitteilen möchte? Natürlich berichtet er über beide Seiten. Aber der Inhalt wirkt wie eine Aneinanderreihung verschiedener Schlagzeilen der spanischen Medien vergangener Monate, mit der Leo Wieland seine Botschaft „Langsam stirbt der Tod am Nachmittag“ zu belegen versucht. Wenn jedoch ein so erfahrender Journalist bewusst oder unbewusst gewisse Tatbestände ohne weitere Recherchen zur Kenntnis nimmt, wenn er, wahrscheinlich aus zeitlichen Gründen, nicht weiter in das kulturelle Medium eintaucht, und wenn es ihm nicht gelingt einfach nur wahrheitsgemäß über eine ohne Frage sensible Thematik zu informieren, dann darf man wohl zu recht an der Ernsthaftigkeit des Artikels zweifeln.

    Aber wie schon angedeutet, Spanien hat noch viel mehr zu bieten als Stierkampf.
     
    #162 30. Juni 2007
  4. Sidona
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    Vitoria gabe bekannt, dass die Nachfrage nach Abonnements von 100 auf 1500 gestiegen ist :shock:
     
    #163 10. Juli 2007
  5. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Großer Andrang auch in Málaga

    Der Vorverkauf läuft auf Hochtouren.

    Das hat es noch nie gegeben. Eine riesen Menschenschlange vor den Kassen der Stierkampfarena La Malagueta. Der Verkauf von Dauerkarten ist um 36 Prozent gestiegen. "Wir werden ein Traumergebniss erzielen", verkünden die Veranstalter und ergänzen,"wir werden mehr "No hay billetes" bekommen als Valencia." Und der Schwarzmarkt blüht. So werden für die Corrida mit José Tomás schon jetzt 400 bis 600 Prozent mehr bezahlt.

    Keine Nackten in Màlaga

    Auch die Gegenbewegung will nicht inaktiv sein. Am 11. August soll ein Manifestación contra la tortura von der CACMA (Colectivo Andaluz contra el Maltrato Animal) organisiert werden. Der Erfolg einer solchen Veranstaltung, gerade in Anbetracht des großen Interesses der Bevölkerung an den Stierkämpfen sei mal dahingestellt. Aber immerhin, im Gegensatz zu Pamplona sollen sich die Manifestanten weiß kleiden.

    Quellennachweis: Vocento, Diario SUR: Grandes colas para ver los festejos taurinos (mit Foto), Máxima expectación taurina en La Malagueta
     
    #164 26. Juli 2007
  6. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Málaga: Großes Gedränge in den Bars!

    Auch die Gastronomie profitiert eifrig von den toros

    Damit hatten die Gastronomiewirte nicht gerechnet. Vor und nach den Stierkampfveranstaltungen füllen sich die Bars und Restaurants rund um die Stierkampfarena in der Malagueta dermaßen, dass gut ein Viertel der Gäste keinen Platz findet. Deshalb haben die Gastwirte jetzt das Rathaus um Erlaubnis gebeten, während der Feria Taurina das Sitzplatzangebot auf den Terrassen um 25 Prozent erweitern zu können.

    «Este es el momento más importante de todo el año para el sector en esta zona y, actualmente, la oferta no puede responder a la demanda», versichert Prado, Präsident der Hotel- und Gastronomievereinigung AEHMA (Asociación de Empresarios de Hostelería de la provincia de Málaga). Also die wichtigste Zeit für die Gastronomie und sie können nicht einmal der Nachfrage gerecht werden.


    Quellennachweis: Vocento
     
    #165 7. August 2007
  7. Sidona
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    Tja, da sieht man mal wieder wieviel an der corrida de toros verdienen...
     
    #166 7. August 2007
  8. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Frankreich verbietet Werbespot gegen Stierkampf?

    Stierkampfgegner empört!

    Das brachte die Gegner von Stierkämpfen erst richtig auf die Palme. Ein Werbespot im Auftrag der Radikalen Anti-Stierkampfvereinigung (CRAC) sowie der Gesellschaft zum Schutz der Tiere (SPA) wurde von der französischen Kontrollkomission für Werbung (BVP) zensiert.

    Die Erklärung der Spot würde in drei Fällen "herir la sensibilidad de los jóvenes", also die Empfindsamkeit der jungen Zuschauer berühren, konnten die Tierschützer nicht fassen. Dabei bezog sich die Komission auf die konzentrierte Ansammlung violenter Szenen und das exzessive Erzählformat und bewertete den Spot so in seiner Gesamtheit.

    Kurios ist dabei der Tatbestand, dass die Komission den Werbespot garnicht verboten hatte, sondern lediglich eine Empfehlung aussprach. Angeblich wurde die BVP um ihre Meinung von den Tierschützern selbst gebeten, so der Direktor der Komission Joseph Besnainou.

    Wie dem auch sei, der Spot wird wohl nicht gezeigt. Polemik pur.


    Quellennachweis: El País, 1.08.2007: Prohibido en Francia un spot contra las corridas
     
    #167 7. August 2007
  9. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Nur eine kleine Gruppe von ca. 200 Demonstranten gegen den Stierkampf in Málaga

    Während die Innenstadt am ersten Tag der Feria von zehntausenden von Menschen gestürmt wurde, konnte die Colectivo Andaluz Contra el Maltrato Animal (Cacma) gerademal 200 Personen für ihre Demonstration gegen den Stierkampf aktivieren. Nicht einmal zehn Prozent der angekündigten 3.000 Antitaurinos haben sich am Geburtsthaus von Pablo Picasso für einen Protestmarsch zur Stierkampfarena versammelt.

    Aber mal ehrlich, im Gedrängel der Feria konnte man garnicht so einschätzen wieviel es denn nun wirklich waren. Aber eins steht wohl fest. So richtig ernst genommen hat sie wohl kaum einer.


    Quellennachweis: Vocento, Diario SUR: Unas 200 personas se manifiestan contra las corridas de toros
     
    #168 12. August 2007
  10. Sidona
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    Letzten Sonntag war die Übertragung auf Canal Sur der corrida de toros aus Málaga die Sendung mit den meisten Zuschauern des Tages. Damit übertraf sie noch die Serie Aida auf Telecinco, die landesweit die Sendung mit den meistern Zuschauern war.
     
    #169 14. August 2007
  11. Gast1805
    Gast1805 Guest
    José Tomás in Las Ventas

    Wollen die Spanier wirklich keinen Stierkampf mehr?

    José Tomás in Madrid

    Die Frage scheint nicht unberechtigt. Zahlreiche Antitaurinos prophezeien schon lange das endgültige Aus für den Stierkampf. Darunter ebenfalls bekannte Stars wie gerade in der letzten Woche die Kampagne von Alaska. Auch in diesem Forum meinen einige Antitaurinos ein Ende dieser Tradition zu erkennen. Ist das wirklich so?

    Was ist geschehen? Der wohl populärste Torero der Gegenwart, José Tomás, stellte am Donnerstag in der größten Stierkampfarena in Europa sein Können unter Beweis. Schon seit Wochen waren die Eintrittskarten vergriffen und auf dem Schwarzmarkt wurden bis zu 4.000 Euros dafür gezahlt. José Tomás ist wohl ein Ausnahme-Torero, auch wohl deswegen, weil kein anderer Matador de toros so nah am Stier arbeitet. Mit seinen zahlreichen Verletzungen führt er ohne Frage die Liste der verwundeten Toreros an. Und allen war klar, am Donnerstag wird der Torero mehr geben als jemals zuvor, und in der spanischen Presse stellte man sich sogar die Frage, ob er den Donnerstag wohl überleben werde?

    Und dann kam die Stunde der Wahrheit in seiner perfektesten Vollendung. Das Interesse war groß. Diese Corrida de toros wurde nicht im Fernsehen übertragen, und so versuchten zahlreiche Anhänger aktuelle Informationen über die wohl bekannteste Webseite zum Thema Stierkampf, mundotoro.com, abzurufen. Doch die Anfrage war teilweise so groß, dass die besagte Seite dermaßen überlastet war, dass man auf die Informationen zeitweise nicht zugreifen konnte.

    Als jedoch José Tomás seine zweite faena beendet hatte, hallte es wie ein Erdbeben über die iberische Halbinsel: José Tomás hat vier Ohren, als Auszeichnung für seine Leistung in Madrid bekommen! Das ist seit dreißig Jahren in Madrid, der wohl bekanntesten und wichtigsten Plaza de Toros in Europa nicht mehr geschehen.

    Am nächsten Tag füllte diese Nachricht alle Titelseiten der spanischen Presse:

    EL PAÍS: José Tomás erobert den Himmel!

    EL MUNDO: Die sechste Puerta Grande von José Tomás verursacht ein taurinisches Erdbeben. Der Messias des modernen Stierkampfs hat nicht enttäuscht!

    ABC: José Tomás schreibt neue Geschichte in Madrid. Zu den Himmelstoren!

    DIARIO SUR: José Tomás schreibt bei seiner Wiederkehr nach Madrid Geschichte.

    Und selbst die katalanische Presse traute sich es in Worte zu fassen, was man gerade doch im eher stierkampffeindlichen Katalonien nicht vermuten würde:

    LA VANGUARDIA: José Tomás, ein Mythos!

    “A partir de ahora este torero puede pasar a la altura de las más grandes figuras del toreo, por no decir la más grande. Su arrojo, su quietud, su entrega, su valor, su verdad, su personalidad, su estoicismo, su hieratismo, conducen a un hombre sobrenatural (por supuesto en el mundo taurino) como una figura sagrada en el momento de concebir el toreo.
    A los incrédulos, a los de poca fe, a los críticos, a los envidiosos, a una parte de los informadores, a los derrotistas (incluyendo revistas taurinas), a los que no "cobran" y se manifiestan en contra, a los antitaurinos radicales, a los que critican e insultan a los aficionados, a los que exageran en todas sus expresiones, a Pilar Rahola, a todos ellos, yo también voy a ser exagerado: ha bajado el Mesías taurino a la tierra.“


    Egal wo man war: bei der Arbeit, in Restaurants oder Bars, bei Freunden oder im Rahmen der Familie, José Tomás war das Thema des Tages. Keine Politik, keine Wirtschaft, nicht mal der Sport schien von Interesse, alle redeten vom historischen Ereignis des letzten Nachmittages im roten Rund der Plaza de Toros von Madrid, wo der Tod am Nachmittag zu Perfektion inszeniert worden ist.

    Und die Antitaurinos, jene Gegner dieser blutigen Tradition? Nur fassungslos können sie wahrnehmen was dort geschehen ist. Denn eines müssten jetzt auch die eingefleischtesten Widersacher erkannt haben. Man kann mit Spaniern über vieles reden, ihnen auch einiges verbieten, der Stierkampf jedoch ist und bleibt ein Tabuthema für die Außenwelt. Denn dieser Nachmittag hat es gezeigt, im tiefsten Inneren eines jeden Spaniers, sitzt nach wie vor die Sehnsucht nach Mut und Tradition. Emotionen wurden frei, die eigentlich nur eins reflektieren: Spanien hat sicherlich viel mehr zu bieten als nur Stierkampf, aber er gehört dazu, und den lassen sich die Spanier auch nicht nehmen. Stierkampf war, ist und bleibt Teil der spanischen Kultur, des gesellschaftlichen Lebens und des iberischen Gefühls! Alles andere zu behaupten ist fern ab von jeder Realität!

    Quellennachweis: LA VANGUARDIA: José Tomás, el mito
     
    #170 7. Juni 2008
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