Toreros in der Küche

Dieses Thema im Forum "Stierkampf" wurde erstellt von Gast1805, 6. Februar 2007.

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  1. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Toreros in der Küche
    Toreros in der Küche

    Wo es schon seit geraumer Zeit modern geworden ist, sich als Berühmtheit auch in Kochsendungen oder Büchern zu präsentieren, war es nur eine Frage der Zeit, wann denn die Caballeros aus dem Rund der Plaza de toros ihre kulinarischen Gedanken freigeben. So haben die beiden Journalistinnen Pilar und Susana Carrizosa, bekannt durch das spanische Fernsehen (Madrid hoy und informe semanal) ein Buch zu diesem Thema herausgegeben:

    Toreros en la cocina

    Siebzehn Matadores de toros tauschen die muleta und die espada gegen Kochschürze und Küchenmesser ein, und präsentieren 35 Gerichte. Meistens im Rahmen eines eleganten Restaurants oder auf der eigenen Hacienda sprechen sie diejenigen Aficionados an, der sich in den Tendidos genauso wohlfühlen wie in der Küche. Begleitet werden einige von dem Starkoch Sergi Arola

    Javier Vazquez beginnt mit den Worten “Wie in der Plaza de toros fühlt sich einer in der Küche alleine. Wie fängt man an? Nun, genau wie im Rund der Stierkampfarena, denn das erste was man anstrebt ist es, sich vorzubereiten, Und eines haben der Torero und der Koch gemeinsam, am Ende wollen sie, dass es dem Publikum gefällt.“ Der aus Sevilla stammende Julio Aparicio erkennt als Gemeinsamkeit den Wunsch, die Lust, die Einfachheit und eine jede Illusion. Auf den Nenner bringt es der Sternekoch Sergi Arola „Es ist eine Form etwas Wertvolles zu teilen, ob als Mann oder Frau. Ich kann mir ein Leben ohne Sensibilität nicht vorstellen, und das ist das Besondere in der Kochkunst. Darum gefällt mir auch der Stierkampf, wegen seiner besonders magischen Sensibilität. “ Und er fügt hinzu, dass man wie beim Stierkampf die nötige Eingebung benötigt.

    Bei so viel Sensibilität kann man sich eigentlich nur voller Spannung auf diese tauro-kulinarische Lektüre freuen. Und ein erster Blick über die Seiten verrät, hier geht es nicht nur um Rezepte, sondern die Matadores de toros geben hier auch Privates von sich, hauptsächlich über ihre lukullischen Erlebnisse, ihre feinschmeckerische Erziehung und nicht zuletzt auch über nicht so leckere „Köstlichkeiten“.

    So „erfreute“ sich, der mittlerweile 83-jährige Jaime Ostos in Kolumbien an „gerösteten Ameisen“, natürlich ohne es zu wissen: „Allein schon der Gedanke, dass ich den kompletten Ameisenhaufen fast allein verspeist habe, löste bei mir … den Rest erspare ich Euch“. Der aus Cádiz stammende José Antonio Canales Rivera kam bei einer Überlebenssendung im spanischen Fernsehen in den Genuß eines Mischgetränkes aus Echsenaugen, Würmern, Heuschrecken, Affenhirn und weiteren Delikatessen. Und er verkündete nach mehreren Tagen des Hungerns, zwar schmeckte es „fatal, aber ich fühlte mich fabelhaft, und ich glaube kaum einer kann dieses Gefühl nachvollziehen!

    Im Großen und Ganzen handelt sich meistens um einfache, eher ländliche Rezepte, die nicht selten aus Mutters Kochstube stammen. So finden wir ein SALMOREJO von José Antonio Canales Rivera und MIGAS a la Victor Puerto oder MIGAS AL ESTILO CAMPUZANO. Und Tomás Campuzano. erklärt uns, was es genau ist: „Wenn sie (die Brotkrumen) schön knusprig sind, gibt man ein Spiegelei darüber. Das ist der „toque“ Campuzano“. Der aus Valencia kommende Vicente Barrera bereitet, wie zu vermuten ist natürlich eine PAELLA VALENCIANA DE POLLO Y CONEJO.

    Richtig erstaunt wird der Leser über die Kochkünste der Litri-Dynastie. Vater wie Sohn haben nicht nur Stierblut in den Adern, sondern beherrschen auch ihr Handwerk in der Küche. Miguel Báez Y Espuny „Litri“ erlernte die Kochkunst sozusagen nebenher. Bei seinen Reisen zu den verschiedenen Corridas de toros war er von der Zubereitung der Speisen so begeistert, dass er mit den einzelnen Köchen einen Deal machte: „Ihr zeigt mir wie es geht, und ich besorge euch Eintrittskarten für den Stierkampf.“ Nun versteht er sich in Küche bestens zu bewegen, und hat er es gar nicht gerne, wenn man ihm Verbesserungsvorschläge unterbreitet oder gar kritisiert. Köstlich seine etwas unfeine Ausdrucksweise: „Mujé, má vino, cao en la puta!“ Natürlich trat bezüglich der Kochkunst sein Sohn in dieselben Fußstapfen, der über eine andere Delikatesse zu berichten weiß. Miguel Báez Litri jr. heirate Carolina Adriana Herrera, Tochter der bekannten Modedisignerin Carolina Herrera. Und eben seine Schwiegermutter liebte es in der Küche, genauso wie in der Mode, die Geschmäcker ordentlich zu vermischen. So gab es unter anderem BOHNEN MIT KETSCHUP.

    Das klassische Stiergericht ESTOFADO DE RABO DE TORO wird von Jaime Ostos zubereitet. Er liebt es zu kochen, bleibt aber bei der alten, sprich traditionellen Küche: „La nueva cocina es una engañafe!

    Aber nicht alle Toreros in diesem Buch, lieben es zu kochen oder sehen sich als werdende Köche. Vicente Barerra Simón stellt trocken fest: „Ich versuch es gar nicht zu verheimlichen! Warum sollte ich lügen? Weder bin ich Koch, noch habe ich Spaß daran in der Küche zu stehen. Aber manchmal muss man es halt tun um zu überleben.“. Francisco Rivera Ordoñez benötigt einen Roman, ganze zwanzig Wörter, um seine Speise zu umschreiben: SOLOMILLO DE CEBÓN CON SALSA DE COLMENILLAS, PATATA CREMA, FONDO DE ALCACHOFA CON ESPINACAS, TOMATE CHERRY Y PUNTA DE TRIGUERO. Dahinter ist höchste Kochkunst zu vermuten, doch schnell wird man aufgeklärt: “Ich habe nicht die leiseste Idee, wie man mit dem Küchenherd umgeht. Das einzige was ich wirklich bereiten kann ist ein Spiegelei. Und ich mag noch nicht mal Eier.“.

    Das es in einem solchen Buch tauro-kulinarischen Begriffe gibt ist eigentlich zu erwarten: Die Zubereitung wird allgemein als FAENA umschrieben und zahlreichen Gerichte erinnern an die Tauromaquia: PAVO REAL CON BANDERILLAS AL ESTILO VÁZQUEZ, RUEDO DE VERDURAS, SUERTE DE SOLOMILLO von José Pacheco Rodriguez „El Califa, oder eine VERÓNICA DE SETAS CAMPERAS, ESTOQUE DE CHULETAS von Julio Aparicio und ob die TROMPETA DE LA MUERTE bei den SARDINAS ASADAS von Miguel Báez Litri jr. auch dazugehört, sei dem Leser selbst überlassen.

    FAZIT:

    Unterhaltsame Lektüre für jeden der die Tauromaquia mit der kulinarischen Welt verbinden möchte. Sympathisch auch deswegen, weil die Stierkämpfer ein wenig aus ihrem privaten Leben erzählen. Insofern ist dieses Buch in seiner Art bis zu diesem Zeitpunkt einzigartig, sozusagen konkurrenzlos.

    Jedoch ist dieses etwas größer als DIN A 5 gehaltene Taschenbuch mit 30 Euros definitiv überteuert. Diesen Preis kann auch nicht mehr der Hochglanz rechtfertigen. Zudem sind von den 160 Seiten lediglich an die 100 Seiten bedruckt.

    Bedauernswert auch die Größe der Fotografien. Zwar bekommt man die Matadores zweimal im Großformat zu sehen, doch die Fotos über die Gerichte und Zubereitung sind mit 5 Quadratzentimetern entschieden zu klein und teilweise fehlen auch einige Speisen.

    TOREROS EN LA COCINA
    (bis jetzt nur in spanischer Sprache)
    Pilar Carrizosa
    Susana Carrizosa
    Edition: El tercer nombre, S.A.
    ISBN: 84-935102-8-9
    Preis: 30,- Euros
     
    #1 6. Februar 2007
  2. Sidona
    Sidona New Member
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    HAAAALT - hier muss ich Jaime Ostos in Schutz nehmen (schliesslich verdanke ich ihm meine afición!) - er ist "erst" 73, nämlich 1933 geboren.

    Vater Litri ist im Übrigen tatsächlich in der Stierkampfwelt schon legendär mit seiner Paella.

    Eine kleine Anekdote zu "Toreros in der Küche": eines Tages - ist schon etwas länger her - war ich zu einer tienta (Kühe erproben) auf der Zucht von D. Alvaro Domecq eingeladen. Matador des nachmittags war Rafael de Paula. Anschliessend sassen alle Gäste mit Matador und Züchter im Patio des Hauses bei Fino und Tapas zusammen und diskutierten. Einzige weibliche Wesen in der Runde meine Mutter und ich. Natürlich waren wir gespannt neues über Stiere und Zucht zu erfahren - Irrtum - geschlagene drei Stunden gab es nur ein Thema, Kochrezepte! Das gipfelte darin, dass Don Alvaro seine Köchin holen musste, u.a. um ihr persönliches Rezept ihres damals berühmten weissen Gazpachos preiszugeben. Don Alvaro hörte - wie es seine Art war - still zu, bis er mit seiner leisten Stimme die Diskussion nach drei Stunden beendete indem er feststellte Und die beste Küche ist doch die französische!

    Und noch eine kleine Geschichte - vor nicht allzulanger Zeit waren wir mit Rafael de Paula in unserer Lieblingsventa zum Abendessen. Er verstrickte sich in eine längere, mit Zigeunertemperament geführten Diskussion mit dem Wirt, es heisse nicht Rabo de Toro sondern Cola de Toro. Natürlich wiedersprach der Wirt dem maestro nicht, erklärte mir aber später, jerezanos sagen tatsächlich oft cola de toro.

    (rabo = Schwanz, cola = Schweif, so sagt man beim toro rabo, beim Pferd aber cola)
     
    #2 6. Februar 2007
  3. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Och, ein wenig mehr hätten wir schon gerne darüber gewusst.

    Na ja, und das Alter? Da hatte ich mich wohl im Rausch des Schreibens verrechnet.
     
    #3 7. Februar 2007
  4. Sidona
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    neugieriges Stück - aber nichts dramatisches, meine Mutter hatte sich in den Kopf gesetzt, auf unserer ersten Spanienreise (1966) für einen Zeitungsartikel ein Interview mit einem matador zu machen, es sollte El Cordobés sein, da er der Einzige war, den man damals auch in Mitteleuropa kannte. Und wie das so ist - der Freund eines Freundes hat 'ne Cousine deren Mann einen Bruder hat der... und so wurde ein Interview organisiert. Als wir am Morgen vor der corrida (an der Feria del Pilar in Zaragoza) ins Hotel kamen hiess es El Cordobés sei noch nicht eingetroffen, ob uns denn auch mit einem anderen gedient wäre. Und das war eben Jaime Ostos. Er war sehr nett und lud meine Mutter ein vor der corrida Fotos in seinem Hotelzimmer zu machen. Was wir damals nicht wussten war, das er eigentlich eine Abneigung gegen Reporter im Allgemeinen und gegen weibliche im Besonderen hat.

    Das Resultat waren dann auch tolle Fotos, wovon das Beste an AGFA verkauft wurde. Leider verschwand das Dia aber auf dem Postweg. So schrieb meine Mutter an Ostos ob sie an der Feria in Sevilla nochmal fotografieren dürfe - und so landeten wir letztendlich in der Tauro-Szene und blieben in Spanien hängen. Mit El Cordobés wäre uns das wahrscheinlich nicht passiert. Mit ihm machten wir ein paar Jahre später dann auch noch ein Interview und ich muss sagen, er ist einer der faszinierendsten Menschen die ich kennen gelernt habe.

    Ostos war übrigens auch mal im deutschen Fernsehen, in den neunziger Jahren, als es nachmittags die vielen Talk-Shows a la Meiser gab. Irgendjemand (kurzhaarige Dame mit Riesenbrille!?) hatte sich mal das Thema corrida de toros ausgesucht.
     
    #4 7. Februar 2007
  5. Ibn Khaldun
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    Na, dann ist zu hoffen, dass Carolina Herrera sen. wenigstens in der Mode eigene Ideen hat: Bohnen mit Ketchup sind nämlich ein britisches Nationalgericht :roll: :wink:
     
    #5 8. Februar 2007
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