Stier begnadigt!

Dieses Thema im Forum "Stierkampf" wurde erstellt von Sidona, 25. Juli 2005.

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  1. Sidona
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    Stier begnadigt!
    Gestern war ich an der corrida in El Puerto. Der vierte Stier des Nachmittags wurde begnadigt, was nach meiner Meinung sehr zweifelhaft ist - so schön es natürlich für das Tier und den Züchter ist.

    Der Stier war für eine 2.Klass-plaza sehr klein, nur 475kg, was auch zu Beginn einiges an Pfiffen des Publikums brachte. Er war nur 1x am picador, bekam nur 2 Paar banderillas (für eine Begnadigung bräuchte es eigentlich 3 Paar) und fiel mehrmals hin. Der matador (Enrique Ponce) arbeitete wirklich hart mit dem Tier, machte eine phantastische Arbeit (was ja eigentlich seine Aufgabe ist) und brachte den Stier dazu immer wieder anzugreiffen. Irgendwann verlangte das Publikum (dasselbe, das 15 Minuten vorher den Stier ausgepfiffen hatte) die Begnadigung.

    Meine Meinung: eine harte, ausgezeichnete Arbeit des matadors rechtfertigt eigentlich keine Begnadigung, da der Stier nicht von sich aus die nötige Klasse bewies - bei keinem anderen matador hätte er es wohl geschafft!
     
    #1 25. Juli 2005
  2. Pinsapo
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    Hallo Sidona,

    am Wochenende wurden ja schon wieder gleich 3 Stiere begnadigt,
    einer davon in El Puerto.
    Du hast´s ja sicher live gesehen, wie war´s denn diesmal ?

    Nimmt ja offensichtlich ziemlich überhand, am Ende stehen nur noch Samenspender auf den Weiden und streiten sich um die Kühe.... :lol:

    Pinsapo
     
    #2 22. August 2005
  3. Sidona
    Sidona New Member
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    ja, ich bin jetzt fast 40 Jahren "im Geschäft", habe in dieser Zeit phantastische Sachen und auch oberlausiges gesehen, matadore die heute nur noch Geschichte sind. Ich habe noch nie einen begnadigten Stier erlebt und jetzt wurde ich gleich Augenzeuge von zweien in drei Wochen :shock:

    Man glaube bitte bloss nicht, die Stiere seien heute besser wie vor 10, 20. 30 oder mehr Jahren, eher im Gegenteil. Aber im Moment ist das hier in Mode und das Publikum hat sich in diesen Jahren natürlich geändert. Ob es gut ist für den Stierkampf - ich weiss es nicht.

    Gestern war ich in El Puerto dabei und ich muss sagen, es war toll. Der toro griff von Entfernungen von 10 - 20 Meter an, unermüdlich. Der matador (der junge Jesuli de Torrecera aus Jerez) setzte ein pase nach der andere. Das Publikum war absolut still, dann mit der zweiten oder dritten pase kam ein bieeeen, dann die Olés und zum Schluss palmas por bulerías, etwas was es in der Gegend ja früher nur zu faenas von Rafael de Paula gab.

    Irgendwann verlangte das Publikum dann die Begnadigung (ich habe keine Stimme dagegen gehört!), der junge Bursch war überglücklich, schickte dem Stier Luftküsse, sank 3x zu Boden und küssten den Sand wie der Pabst und schlussendlich nahmen in die banderilleros in den Arm um ihn wieder "auf den Boden" zu bringen.

    Ich möchte mir jetzt nicht anmassen zu entscheiden ob die Begnadigung gerechtfertigt war oder nicht oder ob diese neue Mode gut ist oder nicht, aber wärend der faena bekam ich Gänsehaut - und das ist bei mir doch selten!

    Gefreut hat mich aber, dass es diesmal nicht einer der grossen Züchtereien "traf", sondern die eher kleine Zucht des matadors César Rincón.

    César Rincón ist Kolumbianer und konnte sich als einziger Südamerikaner in den letzten Jahren in Spanien Respekt verschaffen. Er ist schon ein Veteran und war vor einigen Jahren dem Tode näher wie dem Leben, er hatte sich vor vielen Jahren bei einer Bluttransfusion nach einer Verletzung eine schwere Hepatitis zugezogen und bekam schwere Chemotherapie. Man wusste lange nicht ob er es überlebt. Heute kämpft er wieder und hat sich in Spanien eben ein Stierzucht gekauft.

    Der grosse Star von Spanien, Enrique Ponce wurde im ersten Stier verletzt. Leider wird in den Medien heute dieser Verletzung des Stars mehr Aufmerksamkeit geschenkt wie der tollen Arbeit von Jesuli.
     
    #3 22. August 2005
  4. wini
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    da lese ich doch gerade ein notiz, dass der novillero josé maria lázaro am 27.9. in der plaza de toros von pantoja (kategorie 3) den novillo "truchero" der ganaderia brava josé cruz begnadigt hat.
    lázaro erhielt symbolisch zwei ohren und den schwanz.

    vielleicht hat man ja den artikel 83 des reglamento taurino still und heimlich geändert, oder kümmert man sich bloss nicht darum ?
     
    #4 28. September 2005
  5. Uli
    Uli New Member
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    Nein, @wini,
    nicht dass ich wüsste. Hier :arrow: http://www.retena.es/personales/mpascallo/reglnac.html , wie Du schon schreibst, im Artículo 83, 1 bis 5 kann es jeder die Bestimmungen, die übrigens Gesetzeskraft haben, nachlesen.
    Aber das war nicht der einzige indultado heute. In Albarán, in der provincia de Murcia (ebenfalls eine plaza de toros de la categoría tercera) wurde ein Jandilla Stier von Miguel Ángel Perera begnadigt.
    Es gab Zeiten da bekam ein picador eine Strafe, wenn er seinem Pferd beide, oder das falsche Auge bedeckte. Heute dürfen toreros eine "Auszeit", wie beim Volleyball, nehmen. Siehe "El Fandi" während der Feria del Corpus in Granada.
    Mir fällt schon lange nichts mehr zu den andauernden Verstössen ein ...

    Uli
     
    #5 28. September 2005
  6. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Hallo Uli:

    Kannst Du mir das bitte genauer erklären: DÜRFEN?

    Grüße, Philip
     
    #6 28. September 2005
  7. Uli
    Uli New Member
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    "El Fandi" hatte am 28. Mai 2005 in Granada eine corrida de toros "en solitario". "El Fandi" wurde auf die Hörner genommen und musste in die enfermería. Bevor er ging, machte er zum presidente das "Time out" Zeichen - wie beim Basket- oder Volleyball !
    Der Stier stand während dieser Zeit (ungefähr 45 Minuten) im ruedo. "El Fandi" kam nach dieser dreiviertel Stunde, ärztlich versorgt, zurück und setzte seine faena fort.
    Das Wort "dürfen" war natürlich sarkastisch gemeint !

    Uli
     
    #7 28. September 2005
  8. Sidona
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    Sachen gibts :shock:
     
    #8 28. September 2005
  9. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Uli:

    Unglaublich! Käme die Info nicht von Dir, ich glaube, ich würde es nicht glauben.

    Artikel 81 klärt doch sehr eindeutig die zeitlichen Vorgaben. Nach 15 Minuten verliert der Torero das Recht zu Töten: Si no fuese posible lograr la devolución de la res a los corrales, o el que sea appuntillada.

    Schlimm vor allem auch deswegen, weil hier der Stier doch unheimlich gelitten haben muß. Hat es irgendwelche Maßnahmen gegeben? Wie hast Du Dich in diesen 45 Minuten gefühlt?

    Und es stellt sich noch eine sehr wichtige Frage. Das REGLAMENTO TAURINO! Wer ist ist eigentlich daran gebunden und, viel wichtiger, wer sorgt für die Durchsetzung?

    Das Du diesen Punkt kritisierst ist allen aficiondados alemanes bekannt. Schließe mich diesem auch gerne an. Doch wie sieht die Realität aus und was wird konkret in der Zukunft geschehen?

    Saludos

    Philip
     
    #9 28. September 2005
  10. Uli
    Uli New Member
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    Philip,
    es war die letzte corrida de toros der Feria del Corpus von Granada. Da ich "El Fandi" bereits mit vier Stieren in den Tagen zuvor erlebt hatte - und im Gegensatz zu den granadinos - nicht besonders begeistert von ihm war, bin ich zu dieser corrida de toros nicht gegangen. Zwei Freunde von mir wollten aus dem gleichen Grund anfänglich auch nicht hingehen, taten es dann aber doch und benachrichtigten mich per Handy aus der plaza über diese Unglaublichkeit. Ausserdem habe ich's am nächsten Tag in den Zeitungen gelesen.
    Hier habe ich den resumen dieser corrida de toros. Bereits daraus, was der Arzt mit "El Fandi" gemacht hat, lässt die Zeit ahnen, bis er wieder aus der enfermería zurück war:
    Sábado, 28 de mayo. Toros de Daniel Ruiz (1º y 6º) y Fuente Ymbro (2º y 5º) Domingo Hernández y Peña de Francia (de distinta presentación, buen juego y complicados; destacando 4º y 6º), para David Fandila " El Fandi" en solitario (palmas, palmas, dos orejas, dos orejas, oreja y dos orejas y rabo). Resultó cogido tras matar al tercer toro, después de ser intervenido continuó con la lidia. Lleno.
    Parte médico: "Herida por asta de toro de quince centímetros con orificio de entrada en la región inguinal derecha y salida a la región abdominal produciendo otra herida de diez centímetros".
    Intervenido bajo anestesia local, ha continuado toreando con dos drenajes puestos.


    Uli
     
    #10 28. September 2005
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