Für oder gegen ein Verbot für das Töten im ruedo - El Mundo

Dieses Thema im Forum "Stierkampf" wurde erstellt von Ibn Khaldun, 21. April 2007.

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  1. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Für oder gegen ein Verbot für das Töten im ruedo - El Mundo
    Nachdem die spanische Umweltministerin Cristina Narbona Ruiz mit dem Vorschlag vorgestoßen ist, dass Töten des Stieres im ruedo zu verbieten, hat die spanische Tageszeitung El Mundo eine Umfrage gestartet, wie die Spanier das sähen.

    Um Missverständnissen von vornherein vorzubeugen: In der Umfrage geht es nicht um Abschaffung oder Beibehaltung der corrida und auch nicht darum, ob der Stier getötet wird oder nicht, sondern darum, ob der Stier innerhalb oder außerhalb des ruedo, also im Blick der Zuschauer oder fern von ihren Augen getötet wird, so wie das in Portugal der Fall ist. Der Stier stirbt so auf jeden Fall, es ist also keine Frage des Tierschutzes, sondern was man den Zuschauern "zumuten" möchte.

    Zur Umfrage

    ¿Está de acuerdo con que se prohíba matar al toro en el ruedo?
    Sind Sie damit einverstanden, dass man das Töten im ruedo verbietet?
     
    #1 21. April 2007
  2. Sidona
    Sidona New Member
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    Wie schon an anderer Stelle aufgeführt muss man die Sache aus verschiedenen Perspektiven beleuchten:

    Dazu möchte ich noch anfügen - der Sinn einer corrida de toros ist ja dass der Mensch mit seiner Intelligenz dem stärkeren (und beileibe nicht dummern!) Tier überlegen sein soll. Dazu bremst er ihn mit capa und dem picador, beruhigt und führt ihn mit der muleta, bis er (der Stier) ihm absolut folgt, und zwar bis zum Höhepunkt - dem Tod. Nicht von ungefähr nennt man den Todesstoss auch suerte suprema. Bricht man den Kampf hier ab ist der Sinn und Zweck nur zum Teil erfüllt, man könnte sogar soweit gehen zu sagen der Stier ist letztendlich dem Menschen doch überlegen. Und man nimmt dem Stier - wie schon oben gesagt - seine Würde, führt ihn wie Schlachtvieh weg und nimmt ihm die Möglichkeit im Kampf zu sterben. Das Ganze würde zu einem unwürdigen Schauspiel herabgewürdigt.
     
    #2 21. April 2007
  3. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Hier die andere Stelle, von gestern:
    --------------------------------------------------------------------------------------------------
    Tod in der Arena

    Spätestens nach der Debatte um die Umweltministerin Cristina Narbona ist in Spanien die Frage aufgekommen, ob die Stiere in der Plaza de toros von den entsprechenden Matadores de toros getötet werden sollen. Narbona strebte wohl das portugiesische Beispiel an.

    47 Prozent der spanischen Gesellschaft sprechen sich für den Tod im Rund aus.
    37 Prozent würden das nachträgliche Töten in den Ställen außerhalb der Plaza nach dem Stierkampf bevorzugen.

    Erstaunlich wohl die Tatsache, dass bei den aficionados sich lediglich 75 Prozent für den Tod im ruedo aussprechen.

    Quellennachweis: Microscopia (04/07)

    --------------------------------------------------------------------------------------------------

    Doch, in diesem Falle geht es nicht um die Zuschauer, sondern eindeutig um die Zumutbarkeit für den toro. In doppelter Hinsicht: Psychisch wie physisch. Den Ausführungen von Sidona kann ich da nur zustimmen.
     
    #3 21. April 2007
  4. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Dem letzten Absatz kann ich grad nicht folgen. Der Stier stirbt, ob vor aller Augen oder im Verborgenen. Somit ist die Forderung imho schon ein wenig heuchlerisch. Sein Sterben wird zudem noch verlängert.
     
    #4 21. April 2007
  5. ralfo
    ralfo New Member
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    Also ich will ja nicht pingelig sein oder gar provozieren. Und wie manche von euch aus vorherigen Posts von mir zu diesem Thema wissen, ist es mir völlig egal ob die Menschen ab und zu einen Stierkampf veranstalten oder nicht.

    Aber zwei Dinge kommen wir doch merkwürdig vor:

    Den Beweis, dass wir Menschen mit unserer Intelligenz ein körperlich viel stärkeres Tier "austricksen" und töten können, diesen Beweis haben unsere Vorfahren spätestens im Spätpleistozän, vor über 10 000 Jahren, erbracht.

    Die Begriffe "Würde" und (heldenhaft) "im Kampf sterben" sind Konzepte von uns Menschen, und nicht von Tieren. Man sollte da meiner Meinung nach vorsichtig sein, solche Werte einem Tier anzudichten. Dass der Gang zum Schlachthof würdelos ist, ist ein Gedanke, eine Empfindung von uns Menschen.
     
    #5 22. April 2007
  6. Sidona
    Sidona New Member
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    ralfo - beide Anmerkungen von dir sind natürlich absolut richtig. Es ist immer schwer solche Dinge zu erklären. Meine beiden von dir zitierten Sätze beziehen sich ja rein und nur auf die corrida de toros, man muss und darf es nur auf diese bezogen sehen. Bleibt sowieso die Frage, steht letztendlich der natürliche Instinkt eines Tier nicht über der menschlichen intelligenz? Warum sind beim Tsunami tausende von Menschen umgekommen aber fast keine wilden Tiere?

    natürlich - ich kann ja nicht für einen Stier sprechen. Man darf sich aber sicher sein - wenn man den Stier vor die Wahl stellen würde fünf Jahre in Freiheit auf der Weide zu stehen und dann zwanzig Minuten zu kämpfen, oder als Mastvieh nur 3/4 Jahre alt zu werden und diese Zeit eingepfercht mit anderen in einer Box zu stehen bis es ins Schlachthaus geht dürfte die Antwort eigentlich klar sein.

    Übrigens war ich vor kurzem mit einem deutschen Veterinär an einer corrida, ihm hat es gar nicht gefallen. Zum Töten aber meinte er, harmlos gegen das was zum Teil in Schlachthäusern abgeht...
     
    #6 22. April 2007
  7. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Also ich tue mich immer schwer mit solchen zeitlichen Vergleichen, erst recht mit prähistorischen Ansprüchen. Als ob dieses ein Argument zu sein scheint, etwas heute nicht mehr ausführen zu können. Also keine Jagd mehr, kein Fleischverzehr mehr (?), Olympia, der Verzicht auf bestimmte Genüsse, etc., weil eben schon der Beweis erbracht worden ist. Das Erbringen eines Beweises kann wohl kaum als ein Ende gedeutet werden.

    Viele sehen im heutigen Stierkampf eine Art "stehen gebliebene Evolution", gar geistige Rückentwicklung und lassen die eigentliche Evolution des toros bravo völlig außen vor. Und gerade er ist es der zu neuer Schönheit, Kraft und Wendigkeit gelangt ist. Würde es nach Tierschützern und Stierkampfgegenern gehen, gäbe es heute diese edle Rasse wahrscheinlich nur noch in wenigen zoologischen Gärten geben.

    Jüngst hörte ich den Vorwurf von einem intellektuellen Rückwärtsgang. Eigentlich erstaunlich, sind es doch gerade die Gebildeten die ein starkes Interesse an der tauromaquia finden. Man denke nur an die großen spanischen Künstler und Schriftsteller. Aber auch in der Neuzeit verfügt mit 46,2 Prozent fast die Hälfte der afición über einen Hochschulabschluss.


    Quellennachweis: IESA (Instituto de Estudios Sociales de Andalucía) / CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas) im Auftrag der Junta de Andalucía, Januar 2007
     
    #7 22. April 2007
  8. ralfo
    ralfo New Member
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    Ist klar, ich weiß ja auch, dass du eine besondere Beziehung zum Stierkampf hast.

    Wir sind doch auch Tiere, auch wir haben Instinkte. Insofern erübrigt sich die Frage eigentlich.

    Das ist eine Presse-Ente, die sich leider in den Köpfen festgesetzt hat. (Das hat wohl damit angefangen, dass irgendein Wildpark-Direktor gesagt hat, keinen seiner Elefanten tot aufgefunden zu haben, und ein Hoteldirektor hat mal etwas ähnliches in ein Mikrophon geblubbert. Daraus haben Fernsehen und Medien dann eine tolle "sechster Sinn"-Geschichte gestrickt, die mit Fakten aber nichts zu tun hat.)

    Natürlich sind beim Tsunami mehr Tiere als Menschen ums Leben gekommen. Und dass man direkt an der Küste, die von Menschen bevölkert ist, verhältnismässig wenig Wildtiere vorfindet, tot oder lebendig, ist wenig überraschend. Die Rehe in der Schweiz findet man ja auch eher im Wald, und nicht in Zürich. :)

    Ja, sicher. Aber auch das doch nur aus unserer, der menschlichen Perspektive. Ein Stier stellt doch solche Überlegungen gar nicht an. Stiere haben doch kein intellektuelles Konzept von Mastvieh, Stierarena, oder Zeitgefühl im Sinne von 4 Jahre im Vergleich zu 9 Monaten usw.

    Genau deshalb kann ich mich überhaupt nicht über ein Ereignis, das so selten stattfindet wie Stierkampf, aufregen. Wenn den Leuten was am Tierschutz liegt, gibt es wahrlich zahlenmässig interessantere Gebiete. (Aber die sind halt nicht so schön spektakulär-populistisch ausschlachtbar wie der böse böse Stierkampf.)
     
    #8 22. April 2007
  9. ralfo
    ralfo New Member
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    Oops, dann habe ich mich da wohl missverständlich ausgedrückt. Ich selber bin bestimmt kein Vegetarier, sondern so wie die meisten meiner Art ein Allesfresser. Wären wir keine skrupellosen Allesfresser, die jedem Tier das uns schmeckt das Fell über die Ohren ziehen und über dem Feuer braten, so wären wir längst ausgestorben.

    Ich meinte lediglich, eher im Sinne von Sidona als etwa gegen sie, dass die Sache mit Intelligenz siegt über starkes Tier nicht gerade das stärkste Argument pro Stierkampf ist.

    Also ich bestimmt nicht. Ich sehe die Welt, oder versuche es zumindest, so realistisch wie möglich. Und dass Menschen Tiere töten, gerne Traditionen pflegen, sich gerne in großen Gruppen um ein Spektakel versammeln und die Teilnehmer eines Kampfes anfeuern und bewundern - all das gibt es seit es Menschen gibt. Und ich hab da gar kein Problem damit.

    Im alten Rom hat sich ja auch nicht nur der Pöbel, sondern auch die Oberschicht an Spektakeln erfreuen können. (Wenn nicht noch mehr - der Pöbel hatte schließlich nicht so viel Zeit, musste ja arbeiten! :) )

    Unterhaltung, Wettkampf, Schaukämpfe, Blut und Tod - das hat uns Menschen schon immer fasziniert. Ganz wertfrei meine ich das. So sind wir halt.
     
    #9 22. April 2007
  10. Sidona
    Sidona New Member
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    Noch heute schauen viele mit Begeisterung Formel1 nur in der Hoffnung auf einen schönen Crash. Und warum sind die Boxstadien immer voll? Warum fahren viele Menschen an Autounfällen auf der Autobahn glotzend im Schritttempo vorbei statt einfach geradeausschauend weiterzufahren... Jetzt kommt natürlich wieder das Argument, da sind immer Menschen beteiligt die dies freiwillig machen und keine Tiere, die man nicht fragen kann.

    Und so beginnt die Diskussion wieder von vorne... :D
     
    #10 22. April 2007
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