Figuras II

Dieses Thema im Forum "Stierkampf" wurde erstellt von Ibn Khaldun, 25. Oktober 2007.

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  1. Ibn Khaldun
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    In den 60er Jahren entdeckten die Mittel- und Nordeuropäer langsam Spanien und der Tourismus begann. Alles südliche war IN und im Radio waren oft Pasodobles zu hören, meistens España Cañí oder El Gato Montés. So las man auch öfters in der deutschen Presse über Toreros - erwähnt wurde in diesem Zusammenhang schon "El Cordobés" und Luis Miguel "Dominguín". aber auch andere aus der Zunft fand man hier in Deutschland erwähnenswert.

    So z.B. Juan Garcia "Mondeño" aus Puerto Real / Cádiz. Sohn armer Landarbeiter wurde er torero obwohl er eigentlich von der Sache keine Ahnung hatte - aber mit irgend etwas musste man ja sein Überleben verdienen. Trotzdem kam er in recht kurzer Zeit zu Erfolg, was ihn jedoch nicht glücklich macht, zumal im katholischen Francospanien das Gerücht umging er sei homosexuell - was die damals so prüden Spanier seltsamerweise nicht mal störte. Unglücklicher Einzelgänger wie "Mondeño" war beschloss er in ein Kloster einzutreten, was natürlich einen riesen Medienrummel auslöste. Doch auch im Kloster fand er sein Glück nicht - zumal er als Andalusier in Nordspanier in kaltem Gemäuer sass. Freunde gelang es ihn wieder aus dem Kloster "zu befreien", zumal er sich in seinem Unglück fast zu Tode hungerte. Der Orden zeigte Einsicht, entliess ihn und er kehrte in die Arena zurück, ohne jedoch an seine Erfolge anknüpfe zu können. Er lebt heute zurückgezogen in Paris.

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    Auch Sebastian Palomo "Linares" brachte die Armut zum Stierkampf. Als Sohn eines Minenarbeiters, der bei einem Unfall erblindete trampte Sebastian nach Madrid und bekam sehr schnell eine Möglichkeit, sein Können unter Beweis zu stellen. Sein jugendliches Aussehen brachte ihm den Übernamen "El Niño-torero". Als er sich gleich zu Beginn der Saison 1967 in Sevilla verletzte widmete man ihm in Deutschland mehrere Zeitungsartikel als der Sohn, der die Eltern aus der Armut holt. Offensichtlich bekam er dann viele Genesungswünsche aus Deutschland und liess in jugendlichem Unwissen verlauten, als Dank möchte er eine corrida in D organisieren und kämpfen - nun rauschte es wieder im Blätterwald!

    Palomo "Linares" widmet sich heute u.a. seiner Stierzucht und begann mit Erfolg zu malen, er stellte sogar schon in New York aus.

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    Victoriano Roger "Valencia", aus der Stierkampfdynastie "Valencia", studierter Rechtsanwalt, sorgte durch eine Romanze mit einer Prinzessin von Savoyen für Schlagzeilen. Er ist heute einer der grössten Manager sowohl von plazas wie auch von matadores - und ausserdem Schwiegervater von Enrique Ponce.

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    Durch ein Kuriosum, das es damals wohl nur in Andalusien geben konnte kam der rejoneador Angel Peralta auch in deutsche Zeitungen und auch hier war eine Frau schuld - Angel Peralta, damals auch als mujeriego bekannt, liess sich mit einer 17jährigen ein, die mit einem Leutnant der Armee verheiratet war. Der gehörnte Ehemann wante sich an seinen Schwiegervater - ein hoher Offizier, und dieser bekam es hin, dass Peralta zu einer mehrmonatigen Haftstrafe wegen Verführung einer Minderjährigen (wohlgemerkt Verheirateten!) verknackt wurde.
     
    #1 25. Oktober 2007
  2. Ibn Khaldun
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    Auch dieser Beitrag stammt natürlich von Sidona:

    El Fandi

    An anderer Stelle war schon von El Fandi die Rede und ich möchte ein paar Worte dazu schreiben.

    El Fandi ist im Moment in aller Munde und steht mit den meisten corridas bisher in diesem Jahr ganz vorne. Wie schon geschrieben, ist er zwar nicht schlecht, aber eigentlich ein mittelmässiger matador. Nur mit den banderillas ist er so herausragend, dass er wirklich sehenswert ist. Auch seine sympathische Erscheinung bringt ihm viele Anhänger, er ist meistens fröhlich und hat nichts von den tragischen Gestalten, die sich in früherer Zeit manchmal in den Arenen tummelten. Er verkörpert die junge, sportliche Generation aus dem - früher nicht existierenden - Mittelstand - was ihm aber viel Symphatie der Jugend bringt. Die alten Puristen lehnen ihn natürlich ab. Bevor er torero wurde war er - man soll es nicht glauben - gebürtig aus Granada, spanischer Meister im Trickski.

    Letzte Woche kämpfte er an der Feria del Corpus in Granada eine corrida alleine, also mit sechs toros. Beim dritten Stier erwischte ihn der Stier und verletzte ihn am Bein mit zwei Wunden von 10 resp. 15cm Tiefe, was vom Arzt als "grave = schwer" eingestuft wurde. Er ging in die Unfallstation der plaza, liess sich unter Lokalanästhesie verarzten, kam nach 40 Minuten wieder und kämpfte mit grossem Erfolg gegen die restlichen drei toros. Am Ende wurde er auf den Schulter rausgetragen - diesmal nicht von Anhängern, sondern von der eigenen Mannschaft!
     
    #2 25. Oktober 2007
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