El Cordobes x 2

Dieses Thema im Forum "Stierkampf" wurde erstellt von Gast1975, 15. Juni 2008.

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  1. Gast1975
    Gast1975 Guest
    El Cordobes x 2
    Hola,
    bin ich doch gestern beim zappen in der Sendung "Noria" hängen geblieben, mit Manuel Benitez "El Cordobés" zu Gast. Die Art, wie er die teilweise recht sensationalistischen Fragen und Videos zu seinem Leben im Allgemeinen und seiner Beziehung zu seinem Vater im Besonderen kommentiert hat fand ich sehr sympathisch, sehr selbstbewusst.

    Ich hab nicht die ganze Sendung gesehen, aber es ging wohl hauptsächlich darum, ob und warum sein Vater ihn nicht anerkennt - angefangen bei Berichten aus den 80ern, in denen überhaupt bekannt wurde, dass "El Cordobés" sein Vater sei. Eigentlich ein Witz, denn die beiden sehen so gleich aus, da soll einer mal ne Vaterschaft ablehnen.

    Bueno, was mir aber nicht klar wurde an der ganzen Geschichte: warum darf der neue "El Cordobés" denn dann den apodo seines so berühmten Erzeugers verwenden? Weiss da hier jemand was drüber?
    Danke!
     
    #1 15. Juni 2008
  2. Sidona
    Sidona New Member
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    Um es erstmal richtig zu stellen - der Mann von dem hier die Rede ist heisst Manuel Díaz "El Cordobés" (da seine Mutter ja nicht mit Manuel Benítez "El Cordobés" verheiratet war). Dann gibt es noch einen Matador Julio Benítez, das ist der eheliche Sohn von M. Benítez.

    Zu dem Namen "El Cordobés" - natürlich hat Manuel Benítez damals geklagt, heraus kamen zwei Dinge 1) Der apodo (also Künstlername) ist nur eine gewisse Zeit geschützt solange der Erstbetroffenen aktiv ist. 2) heisst es ja nicht anderes wie der Cordobeser und niemand kann dir diesen Übernamen verwehren (auch wenn Díaz ja aus Sevilla stammt). Ähnlich ist es wenn z.B. bei der Formel1 Zigarettenreklame verboten ist und Camel einfach das Kamel drauf machte - wer will dir ein Kamel verbieten, wenn auch jeder weiss welches Logo das ist. Der "junge" El Cordobés war aber mittlerweile auch schon so bekannt dass es fast unmöglich war - mehr wie eine Geldstrafe hätte man ihm nicht aufbrummen können und die hätte er wohl einfach gezahlt...

    Manuel Benítez hat in den in jeder Beziehung wilden 60ern jede Menge unehelicher Kinderchen in die Welt gesetzt, soviel ich weiss hat er keines anerkannt. Erst als die Französin Martina Fraysse - eine Frau mit eindrucksvollen blauen Augen - von ihm schwanger wurde änderte es sicht, sie kaperte erstmal seine verschiedenen Güter und machte Bestandsaufnahme. Ich nehme an er merkte dass er endlich eine Frau gefunden hatte die ihm gewachsen war (er hatte ja als matador nicht nur Lesen und Schreiben gelernt, sondern gleich noch Klavierspielen und den Pilotenschein gemacht, alles in relativ kurzer Zeit). Nach dem dritten Kind wurde geheiratet, insgesammt haben sie fünf Kinder und sind noch heute zusammen. Julio ist der einzige torero der Familie, ein blonder Junge mit den blauen Augen seiner Mutter.

    Manuel Díaz seinerseits heiratete in einer pompösen Hochzeit Vicki Martín Berrocal, deren Vater Geld u.a. mit Busunternehmen gemacht hat und eine grosse Stierzucht besitzt. Sie haben ein Kind, die Ehe wurde geschieden und Díaz heiratete eine Südamerikanerin. Vicki ist heute Designerin von Flamencomode.
     
    #2 15. Juni 2008
  3. Gast1975
    Gast1975 Guest
    Argh, beim Schreiben hab ich gedacht, dass ich sie jetzt wieder durcheinander bringe, Benitez oder Diaz... bueno.
    Aber gracias für die Infos!
    Weiss man was, warum der Sohn unbedingt sich "El Cordobés" nennen musste?! Ich mein, hätte ja auch "El Sevillano" draus machen können.

    Scheint ja bei den toreros so üblich zu sein, erstmal eine gescheiterte Ehe mit irgendeiner Frau aus reicher/adeliger/berühmter Familie zu führen, um dann irgendwo in Ruhe doch noch eine richtige Familie zu gründen... ob nu El Cordobes, Jesulin, los Rivera... irgendwie wiederholt sich das immer.

    Die Berufsbezeichnung Vicki´s als Designerin für Flamencomode finde ich klasse 8) , auch wenn sie sich selbst so nennt: das Hauptgeld verdient sie doch durch Teilnahme an irgendwelchen Talkshows oder dadurch, dass sie in der ein oder anderen reality-show in der Jury hockt. Ich bezweifle, dass das alles ohne reichen Vater und Ehe mit El Cordobes möglich wäre... :roll:
     
    #3 15. Juni 2008
  4. Sidona
    Sidona New Member
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    Ich denke er nannte sich El Cordobés schlicht um sich interessant zu machen und die Karriere auf dem Bekannheitsgrad seines Vaters? aufzubauen, mit anderen Worten er nutzte es aus. Wäre irgendwann einmal klar geworden dass er tatsächlich NICHT der Sohn ist hätte er immer noch unschuldig sagen können "sorry, hat meine Mutter so gesagt...".

    Betr. Jesulín - er war ja nicht verheiratet, sondern hatte "nur" ein Kind mit einer gänzlich unbekannten und offensichtlich strohbohnendummen (sorry) Frau. Soweit reichte es bei Jesulín ja noch, dass er sie nicht heiratete :wink:

    Betr. Vicki - ja, sie ist hauptsächlich damit beschäftigt Tochter zu sein. Manchmal erinnert sie mich etwas an die unglückliche Carmen Ordoñez.
     
    #4 15. Juni 2008
  5. Gast1975
    Gast1975 Guest
    War da nicht auch irgendwas, dass der jüngere Cordobes in Madrid in die Arena sprang um zu zeigen, was er kann? Aber da war er glaub ich schon novillero? (Mist, immer dieses Halbwissen...)
     
    #5 15. Juni 2008
  6. Sidona
    Sidona New Member
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    Nicht das ich wüsste - aber der "Alte" machte das auf alle Fälle, da gibt es ja auch ein berühmtes Foto, dass jemand gemacht hatte als er von der Polizei abgeführt wurde. Als Cordobés dann berühmt wurde wurde es das Bild natürlich auch (ich glaube es ist auch in seinem Buch)

    Früher gab es das öfters dass Burschen in den ruedo sprangen um es mal mit einem Stier zu versuchen und auf sich aufmerksam zu machen. Das ist natürlich verboten. Bei El Cordobés dem Alten kam sogar mal einer dabei um, etwas an dem er schwer zu knabbern hatte. Heute, wo es die Stierkampfschulen gibt und die Armut in Spanien auch nicht mehr so gross ist gibt es diese Abenteurer eher selten.

    In die plaza kamen die Meisten übrigens in dem sie aussen an der Wand hochkletterten, da sie sich ein Ticket ja nicht leisten konnten. Es war üblich, dass wer an der Wand hoch kletterte auch in der plaza bleiben durfte. Gerade in der Ventas mit den Ornamenten sah man das öfters.
     
    #6 15. Juni 2008
  7. Uli
    Uli New Member
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    Da gibt's ein ganz berühmtes Foto von dem Fotografen Manuel Podio, welches zum "World Press Photo 1981" ernannt wurde. Am 14. September 1981 sprang der espontáneo Fernando Villarroel aus Albacete in's ruedo, in dem Manuel Benítez Pérez "El Codobés" gerade mit seinem ersten Stier beschäftigt war.
    Der Stier tötete den espontáneo !

    Uli
     
    #7 16. Juni 2008
  8. Gast2365
    Gast2365 Guest
    Den "Froschsprung" (so nenne ich ihn mal :wink: ) von El Cordobés "dem Alten", bei dem er mit den Knien hüpfte, fand ich albern - doch mit dem aufkommenden Fernsehen wurde er zum großen Star. Analog zum Ende des Franco-Regimes, als sich Spanien politisch und wirtschaftlich öffnete. "Eleganter" waren andere Matadores - El Cordobés war eben der jugendliche Protagonist, mit dem sich ein Spanien "im Aufbruch" identifizieren konnte. Forciert von den Medien und dem Bedürfnis nach "neuen Helden", die den Bürgerkrieg vergessen ließen ... 8)
     
    #8 18. Juni 2008
  9. Sidona
    Sidona New Member
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    Irrtum - das Ende des Franco-Regimes war mit seinem Tod 1975 und die beispielhafte Karriere von Cordobés begann schon Anfang der 60er. Das fiel zusammen mit einer gewissen Aufbruchstimmung und Öffnung (das stimmt), die schon in kleinen Dingen unter Franco stattfand, die ersten Touristen und z.B. der erste Auftritt der Beatles in Spanien etc. Cordobés war aber der Inbegriff eines bitterarmen, ungebildeten Nachkriegskindes, dass es zu etwas gebracht hatte und sich von niemandem etwas vorschreiben liess. Auch nicht in der plaza, wo er sich natürlich den Unmut der Puristen zuzog mit seinen Mätzchen (der von dir genannte Froschsprung salto de la rana, einemal ritt er auch auf dem Stier usw.) Ich sah in mal bei einem festival in Córdoba, absolut elegant und klassisch - das konnte er, nur das wollte die Masse von ihm absolut nicht sehen! Dazu kam die Persönlichkeit des Mannes, wenn er den Raum betrat hatte man das Gefühl eine Hochspannungsleitung kommt rein.

    Franco konnte sich dieser Sache natürlich nicht verschliessen, zumal er ja den Stierkampf als "typisch spanisch" unterstützte. Er besuchte nicht nur öfters corridas mit Cordobés, sondern lud ihn auch zur Jagd ein.
     
    #9 18. Juni 2008
  10. Gast2365
    Gast2365 Guest
    Das stimmt natürlich, Sidona, ich wollte jedoch den gesellschaftlich, politischen Hintergrund nur kurz erwähnen, vor dem El Cordobés groß wurde. Nicht zu unterschätzen für seine Karriere ist auf jeden Fall das in den 60er Jahren aufkommende Fernsehen - durch das nicht nur der jeweils regionale, sondern der Toreo GANZ Spaniens zum Event, zur "common experience" wurde. Und auch, dass es (nach dem Bürgerkrieg, in dem beide Seiten Republikaner und Falangisten, Verbrechen an der Menschlichkeit begingen) ein allgemeines Bedürfnis nach positiven Identifikations-Figuren gab, die das Wesen spanischer Mentalität personifizieren - die Biografie des El Cordobés belegt das; man glaubte ihm. Erst jetzt wird das Thema "Bürgerkrieg" in Spanien öffentlich thematisiert - solange die letzten der damaligen Opfer und Täter noch darüber berichten können ...

    In meinem Roman gibt es eine erzählerische Bandschleife, die mit dem spanischen Bürgerkrieg zu tun hat:

    (...) Die Familie des Hadschi wurde schon zur Zeit des spanischen Bürgerkriegs reich; sie hatte der Armee des Generalissimo Franco, als dieser seine Truppen in Nordmarokko für den Putsch gegen die Republik sammelte, Weizen und andere Nahrungsmittel verkauft. Als Lohn für diese Kollaboration wurde ihr vom damals regierenden Sultan erlaubt, Hanf anzubauen. Und weil, wie es hieß, einer ihrer Söhne – der Onkel des Ali - "im Kampf für Franco" verwundet wurde, durfte der Clan später das daraus gewonnene Haschisch nach Spanien exportieren - kaum belästigt von hiesigen wie dortigen Behörden, nur durch deren "offene Hand", der "mano abierto".
    In Wirklichkeit war der blessierte Held keinesfalls ein solcher – obwohl er immer wieder, als Beleg seines Mutes, ein blechernes Kochgeschirr vorzeigte, dessen Deckel der Streifschuss eines kommunistischen Kämpfers ziere, wie er behauptete. In Wahrheit erinnerte ihn dieser Kratzer lange an seine feige Flucht - was er aber zuletzt sogar vor sich selber zu verheimlichen wusste. :oops: Vor dem Militärgericht hatte er die versuchte Desertation als mutigen "Angriff aus dem Hinterland in die Flanken des Feindes" dargestellt, und das gelang ihm so gut, dass die Richter sofort veranlassten, ihm von einem Bevollmächtigten Francos die vierthöchste Tapferkeitsmedaille an die Soldatenbrust heften zu lassen. Der angeblich Tapfere wurde später opiumsüchtig und starb früh - was die Familie nie daran hinderte, sich seiner noch heute stolz und öffentlich zu erinnern. Aber hat man je in der Geschichte ernsthaft hinterfragt, wie - und ob überhaupt - einer zum "Helden" wurde? (Ende des Zitats)

    Saludos! aficion :wink:
     
    #10 20. Juni 2008
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