Diskussion Stierkampf

Dieses Thema im Forum "Stierkampf" wurde erstellt von Gast1805, 25. Juli 2007.

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  1. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Diskussion Stierkampf
    Diskussion Stierkampf
    Hart und alles andere als herzlich

    Das Andalusienforum versteht sich als eine kommunikative Plattform bei der viele Informationen ausgetauscht werden. Dabei herrscht ein durchaus freundschaftliches, teilweise gar groß-familiäres Klima. Auch ist man jederzeit gerne bereit, und vollkommen uneigennützig, fremde Anfragen zu beantworten oder sonstige Hilfestellungen zu geben.

    Bei einem Thema jedoch scheint die oben genannte Freundlichkeit ein jähes Ende zu finden. Emotionen schwappen über, Beleidigungen werden geäußert, Kompetenzen in Frage gestellt, bis hin zur Drohung eines Forumssauschlusses. Im schlimmsten Fall wird einem sogar das „Recht auf Menschsein“ abgesprochen. Grenzen eines jeden Taktgefühles werden nicht mehr gewahrt und der Respekt der menschlichen Würde verdammt zur Nichtbeachtung. Recht haben wird vor die Erkenntnis gestellt. Wir reden vom Stierkampf.

    Da fragt sich doch jeder „normal“ denkende Mensch, muss dass denn so sein? Warum verlieren die Beteiligten dermaßen die Beherrschung, wie eigentlich bei keinem anderen Thema? Woher kommt das völlige Desinteresse, einfach mal ehrlich nur die Wahrheit zu suchen? Wie lässt es sich erklären, dass die Verteidigung der eigenen Standpunkte, von wem auch immer, wichtiger scheint als die simple Suche nach der Einsicht - und nicht selten um jeden Preis verbaler Entgleisungen.

    Viele Fragen, und so liegt es nahe, sich einmal auf die Suche nach dem Urknall zu begeben. Wo liegt eigentlich der Auslöser von so vielen emotionalen Erdbeben. Fangen wir doch mal von vorne an.

    Die Ausgangslage

    Zwei Tatsachen bilden dabei das Fundament: Zum einen ist der Stierkampf in seiner gegenwärtigen Form wohl die einzig legale Veranstaltung, wo der vorgeführte Tod im Mittelpunkt des Geschehens steht. Im Zeitalter der modernen Evolution scheint es durchaus gerechtfertigt dieses zu hinterfragen, und den Anspruch auf Legalität anzuzweifeln. Dabei irritiert nicht der Tod selbst, sondern der Weg dorthin. Und dies noch nicht einmal in seiner Gesamtheit. Denn schließlich diskutieren wir hier von den letzten 0,0008 Prozent aus dem Leben eines Stieres. Die anfänglichen über 99 Prozent verbringt der toro bravo in einer drei- bis fünfjährigen Freiheit. Eine Freiheit, von der seine fleischlichen Brüder auf den Speisetellern nur träumen können. Der FAZ-Kulturkorrespondent Paul Ingendaay geht sogar noch weiter und behauptet dass es den Stieren „… auch besser als vielen Hausfrauen, Sozialhilfeempfängern und marokkanischen Emigranten“ geht.

    Die zweite Tatsache bringt eine gewaltige Erkenntnis zu Tage. In der konservativen Tageszeitung ABC erinnerte der PP-Abgeordnete Juan Manuel Albendea Pabón im Februar diesen Jahres daran, das im Jahr 2006 die Stierkämpfe in Spanien 45 Millionen Zuschauer zählten. Was für eine Zahl; welche die Tierschützer in einen Schockzustand versetzte, während die Antitaurinos der Ohnmacht nahe waren. Zum Vergleich: Des Deutschen liebstes Kind, die Bundesliga kam in der letzten Saison nicht an die 13 Millionen. Gewiss, es gibt da weniger Spiele, aber die Stadien sind da auch um ein vielfaches größer. Noch eine Gegenüberstellung: Die deutschen Theater-, Orchester- und Festspielunternehmen kamen laut des Deutschen Bühnenvereins in der Spielzeit 2004/2005 auf rund 33,2 Millionen Besucher.

    Sicherlich, so gewaltig die Besucherzahl auch sein mag, sie rechtfertig deswegen noch lange nicht den moralischen und kulturellen Anspruch der Corrida de toros. Jedoch kann es nicht von der Hand gewiesen werden, welchen reellen Einfluß solche statistischen Erfassungen haben. So in der Politik. Hinter diesen vielen Zuschauern versteckt sich ein gewaltiges Wählerpotential. Und bei der knappen politischen Lage kann es sich eigentlich keine Partei erlauben auf sie zu verzichten. Das erkannte auch der spanische Regierungspräsident Rodriguez Zapatero der gleich im daraufolgendem Monat ebenfalls in der ABC verkündete, dass der Staat no tiene ninguna intención de hacer nada contra los toros, also nicht die Absicht hat, gegen den Stierkampf vorzugehen. Solange die Zuschauer nicht ausbleiben, wird keine spanische Institution sich für ein mögliches Verbot einsetzen. Diese Erkenntnis kann die Gegner nicht erbauen, spiegelt sie doch die Sinnlosigkeit ihres Unterfangens wieder wie kein anderes Beispiel. Ein Faktum über welches man eigentlich nicht mehr diskutieren gar streiten muss.

    Das Leiden des Stieres

    Man kann solche verbalen Auseinandersetzungen drehen wie man möchte, sie enden stets an demselben Punkt: An dem Leiden des Stieres. Das er leidet steht wohl außer Frage. Das weiß auch die Afición. Und es scheint nur verständlich, dass die Anhänger von Stierkämpfen mit ihrem Wissen nicht hausieren gehen, um den Tierschützern nicht noch mehr Angriffsfläche zu bieten.

    Das Leiden findet sich in der Bedrohung, der aufkommenden Angst und einem gewissen Maas an Schmerzen. Der Stier wird aus seiner gewohnten Umgebung geholt mit der eindeutigen Zielvorgabe in der Plaza de toros zu sterben. Erstmal im Rund angekommen spürt er die Bedrohung, und seinem Instinkt zufolge greift er an. Und was viele nicht wissen, es liegt in seinem Wesen einer körperlichen Konfrontation nicht aus dem Wege zu gehen. So ist es keine Seltenheit ihn auf der Weide mit anderen Stieren kämpfen zu sehen – im wahrsten Sinne des Wortes, ein Stierkampf.

    Kommen wir zu den Schmerzen. Es klingt lapidar, aber wir können nun mal den Stier dazu nicht befragen. Jedoch es gibt wissenschaftliche Studien, die nachweisen wollen, dass das Empfinden von Schmerzen durch die zugefügten Wunden weitaus geringer sei, als man es bisher vermutet hat. Da nun aber solch akademische Feststellungen eher einen nüchternen Charakter haben, sind sie schwer einzuschätzen. Überhaupt wird es einem nicht gerade leicht gemacht, sich ein passendes Bild über das wahre Geschehen zu machen. Während zum Beispiel der französische Stierkampfkritiker Jean Pierre Darracq das Empfinden der Schmerzen gleich einer Knieverletzung eines beim Fußball spielen fallenden Kindes gleichsetzt, dass seine Verwundung erst am Ende bemerkt, so scheint bei Tierschützern die Menge des fließenden Blutes allein schon eine Rechtfertigung zur Durchsetzung ihrer Forderungen zu sein. Was der Stier nun wirklich an Schmerzen empfindet, werden wir wohl nie erfahren. Das ist die traurige Einsicht und es bleibt vorerst der bittere Beigeschmack der Unkenntnis, und es ist einem jeden Aficionado selbst überlassen sich bezüglich der Empfindungen des Stieres zu positionieren. Zwar sind die eingefleischten Befürworter ziemlich überzeugt, dass eben jene Schmerzempfindung relativ niedrig anzusetzen ist, aber wie auch immer, sie nehmen es mit einer gewissen Kompromisslosigkeit in Kauf. Dabei kommt der Vorwurf von Lust am Quälen nicht zum tragen. Denn es ist definitiv nicht der Sadismus der die Afición in die Plaza de toros treibt. Das erkannte schon der spanische Schriftsteller und ambitionierte Stierkampfgegner Rafael Sánchez Ferlosio: „Bei aller Grausamkeit erfreue man sich in keinster Weise an dem Leiden des Stieres.

    Tierschützer und Stierkampfgegner

    Der Vorwurf popularistischer Vermarktung ist wohl naheliegend. Denn mit blutüberströmten Bildern lässt sich eine breite Masse in totaler Unwissenheit gut für die eigene Marketingpolitik einspannen. Dass der Stierkampf in der Prioritätenliste bei den Tierschutzorganisationen wohl einer der letzten Stellen einnimmt, spielt dabei keine Rolle. Zeigt aber sehr wohl, wie kontrovers dieses Thema dort gesehen wird. So bei der letzten schriftlichen Erklärung der EU wo immerhin 49 Prozent der europäischen Tierschützer einem europaweitem Verbot von Stierkämpfen nicht zustimmten. Der Buchautor Lorenz Rollhäuser sieht es so: „Die leidenschaftliche Erregung ist in Überdruss umgeschlagen.

    Die Afición

    Auffallend ist zu beobachten, dass spanische Aficionados fast kein Interesse zeigen, über das Für und Wider von Stierkämpfen zu diskutieren. Schon gar nicht wollen sie ihre Leidenschaft rechtfertigen oder verbieten lassen. Auf dem deutschen Internetportal La Tauromaquia war zu lesen: „Ich habe den Verdacht, dass in Spanien die Meinung herrscht, dass die Pyrenäen hoch genug seien, damit kein Brüsseler Gesetz 'drüberweg kommt.. Andere Meinungen interessieren sie einfach nicht. „Entweder man geht hin, oder man lässt es bleiben.“.

    Und zu welcher Erkenntnis sind wir jetzt gekommen?

    Solange Organisationen wie PETA das „Recht zu leben“ allein den Venganern zuschreiben, wird es eine Annäherung nie geben. Mit Vegetariern zu diskutieren scheint logischerweise schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt. Zumal sie eigentlich diesbezüglich den Dialog gar nicht suchen. Ihre puristische Grundhaltung verpflichtet sie ausnahmslos sich für ein Ende der Stierkämpfe einzusetzen. Da gehört Meinungsaustausch einfach nicht zum Programm.

    Tierschutz ist ohne Frage wichtig und gerade auf der Iberischen Halbinsel auch notwendig. Noch bis vor kurzem waren die Tiere in Spanien eine Art Freiwild, mit der jeder machen konnte was er wollte. Diese Zeiten befinden sich Gott sei Dank im Umbruch. Auf der anderen Seite wird von Tierschützern Respekt gegenüber den Tieren verlangt und sie nennen es ethischen Umgang. Doch was ist mit den Menschen? Wenn Tierschutz über Menschenrecht gestellt wird, haben sicherlich so einige ihre Bedenken.

    Was den Rest der diskutierenden Runde angeht, so wird es stets einem Unentschieden gleichkommen, denn die einzige offene Frage nach dem wahren Leiden des Stieres wird in seiner endgültigen Wahrheitsfindung wohl auf Ewigkeit unbeantwortet bleiben. Es sei denn, die Tiere fangen zu sprechen an. Doch von einem „Planeten der Tiere“ sind wir wohl weit entfernt.

    ---------------------------------------------------------------------------

    Quellennachweise: „Gebrauchsanweisung für Spanien“ von Paul Ingendaay (2006), Vocento - Diario SUR (2007), Heim:Spiel Medien GmbH & Co. KG, Deutscher Bühnenverein, „Afición“ von Jean Pierre Darracq (1980), PRISA - El Pais (1985), EU Informationsbüro für Deutschland, www.tauromaquia.deToros, Toreros“ von Lorenz Rollhäuser (1990)
     
    #1 25. Juli 2007
  2. drkrumbein
    drkrumbein New Member
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    Geht es um den Weg oder das Ziel?

    Lieber Philip,

    Du hast einen ausgezeichneten Artikel veröffentlicht; ich habe ihn gerne gelesen und wünsche mir mehr solcher Beiträge.

    Ich möchte drei Dinge, die in Deinem Text zur Sprache kommen, zur Diskussion stellen.

    1.) Du schreibst:
    "Dabei irritiert nicht der Tod selbst, sondern der Weg dorthin."
    Ist das wirklich so? Ist die Mehrheit derjenigen, die vom Stierkampf irritiert oder schockiert sind, es deshalb, weil sie sehen und wissen, dass ein Tier, bevor es mit einem Degen erstochen wird, mit Lanzen und Spießen malträtiert und durch Rennen und Täuschung physisch und psychisch geschwächt wird? Ist das Bewusstsein, dass der Stier einen, manchmal lange andauernden, Todeskampf erleiden muss, ein wesentliches Element, das bei Betrachtern Ablehnung auslöst? Ist es ein Mitfühlen mit dem Tier, sind es die vom Stier erlittenen Schmerzen, die sich der Betrachter im Form und Schwere vorstellt und auf sich selbst projiziert, die zur Ablehnung führen?
    Oder ist es andererseits die Tatsache, dass sich ein Betrachter plötzlich mit dem Tod an sich konfrontiert sieht? Ist es die Tatsache, dass das Herbeiführen des Todes von einem so großen Tier wie einem Stier mit dem Vergießen von Blut, teilweise Urin und Kot oder anderen Körperflüssigkeiten, verbunden ist, einem Sachverhalt, mit dem jede Tierschlachtung einhergeht? Liegt es daran, dass der Tod in der Öffentlichkeit dargeboten wird, statt, wie man es sonst gewohnt ist, in einem Schlachthaus erfolgt, so dass man sich dem Zuschauen entziehen kann? Fühlt sich der Betrachter vielleicht gezwungen zuzuschauen, obwohl er es eigentlich nicht will; oder es vielleicht nicht wollen würde? Fühlt sich der Betrachter an seinen eigenen Tod oder den eines anderen Menschen erinnert? Werden durch das Miterleben des Sterben eines Stieres Ängste ausgelöst?

    2.) Dein Text geht unausgesprochen davon aus, dass jeder Leser weiß, wie ein Stier beim Spanischen Stierkampf getötet wird und wie der vorgeschriebene Ablauf, dem Stier bestimmte Verletzungen zuzufügen, aussieht und wie regelgemäß die Tiere vor dem Kampf behandelt werden müssen. Ich befürchte, dass sich unter den Stierkampfgegnern und Tierschützern etliche befinden, die das nicht wissen. Ich bin sogar davon überzeugt, dass die Mehrheit der Stierkampfgegner und Tierschützer die Angaben über Quälereien der Stiere vor dem Kampfe (z.B. Zerquetschen der Hoden, Schläge mit schweren Säcken in die Nieren u.ä.) glaubt und darauf ihre Ansichten gründet.
    Welche Erfahrungen hast Du in Diskussionen mit Stierkampfgegnern und Tierschützern in Bezug auf ihr Fachwissen bzgl. des Stierkampfes und in Bezug auf ihre Vorurteile gemacht?

    3.) Du schreibst:
    "Und es scheint nur verständlich, dass die Anhänger von Stierkämpfen mit ihrem Wissen nicht hausieren gehen, um den Tierschützern nicht noch mehr Angriffsfläche zu bieten."
    Auch wenn dem wahrscheinlich so ist, ist diese Einstellung ganz falsch. Man darf dafür auch kein Verständnis haben. Ein Liebhaber des Stierkampfes muss auch zu den Mankos und Falschheiten, die beim Stierkampf existieren, offen stehen, sie zugeben, und wenn er sie als Fehler ansieht, sich dafür einsetzen, die Fehler zu beheben und in der Zukunft zu verhindern. Der afeitado ist eine solche Falschheit. Er ist regelwidrig, doch keine Seltenheit, viel zu wenig beklagt und noch weniger verfolgt. So dient er den Stierkampfgegnern und Tierschützern als Argument gegen den Stierkampf im allgemeinen. Das darf nicht sein!

    Diese Konsequenz ist in der Auseinandersetzung zwischen aficionados und Tierschützern dringend geboten. Ich erwarte sie von den aficionados ebenso wie ich sie von Stierkampfgegnern einfordere und von allen, die den Tod von Tieren, in welcher Form auch immer, gutheißen oder dulden, sei es um Fleisch zu verzehren, Leder zu tragen oder sich mit gut und sicher getesteten Medikamenten zu kurieren. Zu dieser Konsequenz gehört für mich auch, dass man sich dem Tod, den die Tiere für einen sterben, stellt und ihn sich ansieht.

    Ich sende Dir einen herzlichen Gruß nach Málaga

    Andreas
     
    #2 26. Juli 2007
  3. Sidona
    Sidona New Member
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    Erst mal herzlichen Dank an Philip und Andreas für ihre Beiträge!

    Ein paar Gedanken zur Antwort von Andreas. Zu 1) möchte ich gar nichts anmerken, denn diese deine Ansichten sind eine hochinteressante Diskussionsgrundlage, sprengt aber fast den Rahmen hier. Die Meinungen diesbezüglich dürften sehr vielfältig sein.

    Zu 2) Das ist ja das Grundproblem, dass gerade diejenigen Gegner am lautesten Schreien, die am wenigsten Ahnung von der Sache haben. Wobei natürlich wirklich auch in Presse etc. viel Unsinn verbreitet wird, die der Leser/Seher natürlich glauben muss. Wer sich aber Informieren möchte über das Thema hat wirklich genug Gelegenheit, z.B. auf Ulis, deiner und meiner Seite. Ich denke, die informierten sind nicht das Problem - und die anderen werden immer das von uns Geschriebene ablehnen und als Unwahr darstellen. Ich habe sehr wohl schon Gegner getroffen, die einiges an Fachwissen hatten. Dies sind meist keine "militanten" Gegner und mit ihnen kann man oft hoch
    interessante Diskussionen führen. Bei den anderen ist kein oder total falsches Wissen vorhanden. Ihnen geht es aber meist gar nicht um "Wissen um die corrida" sondern um einen - oft falsch verstandenen - Tierschutz. Als Beispiel - ein Gegner, der die corrida anprangert, aber selbst einen grossen Jagdhund in einem kleinen Appartement mitten in einer Grossstadt hält. Und die der Meinung sind, dass die lieben Züchter doch die lieben Tierchen bei Verbot der corrida de toros einfach aus Spass weiterzüchten...

    3) Im Grunde hast du natürlich recht und Dinge wie das Rasieren wird auch von uns immer angeprangert. Und bei einem so umfassenden Gebiet, wo ja auch viel Geld mit im Spiel ist gibt es auch einige unschöne Sachen, das darf man nicht negieren. Glaub mir - in 40 Jahren Tauromaquia habe ich so einiges gesehen und erlebt - da kann man als aficionado darüber sprechen - in einem Forum wie diesem hier, wo gerade durch das mangelnde Wissen und Verständnis einiger Leute manches falsch ausgelegt wird, muss ich mir das schlicht nicht antun. Lies mal einige der Beiträge hier im Verlauf der Zeit - und du wirst mich verstehen. Du schreibst [Zitat] Diese Konsequenz ist in der Auseinandersetzung zwischen aficionados und Tierschützern dringend geboten. [Zitat Ende]. Ich bin einer Diskussion nie abgeneigt und manche machen auch richtig Spass, wenn man sich aber als Resultat beschimpfen lassen muss (in einem Forum wollte man uns ins Gas schicken, in diesem Forum wurden wir beschuldigt regelmässig unsere Kinder zu schlagen/Frauen zu misshandeln und eben jüngst es zu unterstützen Hunde aufzuhängen) - sorry, aber das muss ich mir nicht antun. Ich bin weder Missionar noch sonst irgendwas in dieser Richtung.

    Als wir (Tina, Uli und meine Wenigkeit) das Stierkampfthema aufmachten waren wir uns im Klaren, dass wir ein heisses Eisen anfassen und wir haben lange gezögert. Wir waren aber auch der Meinung, dass die corrida de toros auch zu Spanien gehört. Wir haben auch schon viele Fragen beantwortet und Dinge geklärt und ich glaube das war und ist es Wert. Dass natürlich immer die militante Gegnerschaft auftaucht, damit müssen wir leben.

    Etwas wurde mir mit der Zeit klar - wie oft hörte ich schon den Satz "man will uns die Augen öffnen". Diese Leute vergessen, dass wir - keiner von uns - an die corrida sind mit dem freudigen Schrei, hier fliesst Blut, hier gefällt es mir!" Auch wir alle haben die Sache hinterfragt und uns Gedanken gemacht (mache ich mir heute noch manchmal!). Und über etwas sind sich viele Antis auch nicht im Klaren - Toreros, Züchter, Manager, alle sind in der Stierkampfwelt namentlich bekannt. Viel Missverständnisse gehen von Anonymität aus. Ich schrieb es schon an anderer Stelle - wären die Stiere manipuliert mit Terpentin, Sandsäcken und was weiss ich nicht noch alles - wem würde es nützen? Dem matador? - wenn er keinen Erfolg hat nimmt ihn keiner mehr unter Vertrag, resp. manipulierte Stiere sind gefährlicher, eine Verletzung wäre im fast sicher. Dem Züchter? Sind seine Stiere schlecht kann er keine mehr verkaufen - nutzt ihm also auch nichts. Dem empresario der plaza? Sind die corridas in seinen Plätzen regelmässig schlecht bleibt die plaza leer - bringt also auch ihm nichts. Diesen Argumenten gegenüber steht ein weiteres beliebtes der Antis - an corridas gehen nur Touristen! Ich habe vor ein paar Tagen extra einen Bericht über eine corrida in einem sevillaner Städtchen geschrieben, von einer mehr wie 3/4 vollen plaza mit so gut wie keinen Ausländern. Und es soll mir keiner erzählen, dass im Mai/Juni in Madrid soviele Touristen sind die an corridas gehen, dass die plaza 30 Tage jeden Tag mit 20'000 Ausländern gefüllt wird. Alleine die Dinge sollte man sich mal vor Augen führen.

    Immer wieder verblüfft bin ich, wenn ich die Statistik dieses Forums lese, was für eine gewaltige Leserschaft offensichtlich die Stierkampfseiten haben!
     
    #3 26. Juli 2007
  4. Santioga
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    corrida de toros

    In der ZDF-Sendung Aspekte habe ich gerade einen bewerkenswerten Beitrag über die corrida in Spanien gesehen.

    Einige Zitate (sicher aus dem Zusammenhang): kein Kampf, kein Sport, künstlerisch,....
    Katalonien und Baskenland versucht eine Antihaltung aus politischen Gründen aufzubauen.
    Zuschauerrekorde 2007!
    Antis überwiegend von niedrigerem Bildungsgrad?? :?: no sé!

    Wer sich den ganzen Artikel (Vorschau auf die Sendung nicht antun mag)
    ich zitiere ich den letzten Absatz:
    "Inzwischen denken auch manche Politiker über ein Verbot der Corrida nach. Doch die Corrida geht weiter. Die Befürworter sind stärker - bisher noch. Und das ist gut so. Die Corrida ist und bleibt ein unverzichtbares Kulturgut von einzigartiger Tiefe und Intensität, das nicht in globalisierten, marktorientierten internationalen Einheitsbrei untergehen darf."
    Autorin: Hilka Sinning

    www.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,1872,5577967,00.html

    Das war ein sehr ausgewogener TV-Bericht im ZDF-Magazin "ASPEKTE".

    Santioga
     
    #4 27. Juli 2007
  5. Sidona
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    Bumms - da habe wir es wieder! Mit Interesse habe ich deinen Beitrag gelesen, leider hatte ich ja nicht die Möglichkeit, die Sendung zu sehen - dann klickte ich den Link an und was sehe ich? Ein Foto eines Stieres bedeckt mit Pfeilen, an Scheusslichkeit kaum zu Überbieten, das mit der corrida de toros nichts, aber auch rein gar nichts zu tun hat. Als mitteleuropäischer Leser, der keine Ahnung von der Sache hat muss ich doch annehmen, dass dieses Bild von einem Stierkampf stammt - und ich wende mich mit Grausen.

    Und ich dachte schon, da hätte mal jemand was Positives gebracht :shock:
     
    #5 28. Juli 2007
  6. Santioga
    Santioga New Member
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    Ja Sidona, da hast Du mit deinem letzten Satz sicher recht.

    Dieses abstoßende Bild vom toro, bespickt mit Pfeilen (angeblich in einer "Arena")
    konterkariert den nächsten Absatz der Autorin.

    Das war aber im TV-Beitrag nicht zu sehen. Möglich ist, dass es da in der
    Redaktion verschiedene Intentionen gibt.

    Ich hab mich noch nicht schlau gemacht, aber diese Magazine werden meist´ auch wiederholt in den "Spartensendern".

    Santioga
     
    #6 28. Juli 2007
  7. Gast1975
    Gast1975 Guest
    @Philip, tolles Buch, gell?
    An die Stierkampfbeschreibung kann ich mich gar nicht mehr so genau erinnern, muss es mal wieder rauskramen.
     
    #7 28. Juli 2007
  8. drkrumbein
    drkrumbein New Member
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    Nachfrage bei der Frau Sinning und der Aspekte-Redaktion

    Hallo Santioga, hallo Sidona,

    ich habe soeben folgende Mail an Frau Sinning und die Aspekte-Redaktion verschickt:

    Sehr geehrte Frau Sinning, sehr geehrte Aspekte-Redaktion,

    in Ihrem Artikel "Aus für den Torero? - Ein spanischer Kulturkampf um die Corrida ist entbrannt" auf der ZDF Webseite http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,187 ... 67,00.html
    zeigen Sie ein Bild von AP mit dem Untertitel "Ein Stier in der Arena, bedeckt mit Pfeilen". Sie, Frau Sinning, stellen dieses Bild in den Zusammhang mit dem Spanischen Stierkampf. Ich hoffe und gehe davon aus, dass Sie, bevor Sie den Artikel geschrieben haben, sich mit den Hintergründen des Spanischen Stierkampfes befasst haben, zumindest so weit, dass Sie erkennen können, welche Bilder Aspekte des Stierkampfes wiedergeben und welche dies nicht tun.
    Auf dem Bild sieht man einen mit kleinen Pfeilen bedeckten Stier, eine Banderilla hängt dem Tier in Brusthöhe aus dem Leib und an seiner linken Flanke hängen Tücher herab. So etwas gehört nicht zum Spanischen Stierkampf. Jeder, der etwas vom Stierkampf versteht, weiss das. Der Untergrund, auf dem der Stier steht, ist klar erkennbar kein Boden, den man
    in einer Arena findet, nicht einmal bei einem Provinzstierkampf. Man sieht sogar am oberen Bildrand zwei Füße, die in Turnschuhen stecken; so etwas kommt bei keinem Stierkampf vor.

    Ich bitte Sie, Frau Sinning und die Aspekte-Redaktion, mir zu erklären, warum Sie dieses Bild verwenden und welchem Zweck es im Rahmen Ihres Artikels dient.

    Ist Ihnen, Frau Sinning, hier ein Fehler unterlaufen? Ist das Bild mit Ihrem Einverständnis in Ihren Artikel eingefügt worden? Haben Sie das selbst getan oder Redaktionskollegen oder -kolleginnen?

    Die deutschen Medien sind dafür bekannt, dass sie dem Spanischen Stierkampf sehr kritisch gegenüberstehen. Der Inhalt Ihres Artikels macht einen völlig anderen, dem Stierkampf zugewandten Eindruck. Ich habe hier den Verdacht, dass die Leser manipuliert werden sollen, durch bewusste Verwendung falschen Bildmaterials, wer auch immer für dessen Verwendung verantwortlich ist.

    Ich bitte Sie, Frau Sinning und die Aspekte-Redaktion, hierzu Stellung zu nehmen. Meine Anfrage und auch Ihre Antworten veröffentliche ich in folgendem Diskussionsforum
    http://www.tina-sommer.de/board/viewforum.php?f=10
    im Beitrag "Diskussion Stierkampf "
    http://www.tina-sommer.de/board/viewtop ... 366d93cb52

    Für Ihre Antworten danke ich Ihnen im voraus und verbleibe
    mit freundlichen Grüßen

    Andreas Krumbein


    Ich gehe fest davon aus, dass ich eine Antwort erhalten werde. Ich werde sie dann auch hier veröffentlichen.

    Viele Grüße
    Andreas
     
    #8 29. Juli 2007
  9. Santioga
    Santioga New Member
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    Hallo Andreas,

    ich hatte mir auch vorgenommen eine mail an Frau Sinning zu schicken,
    mit fast gleichem Inhalt wie deine Anfrage.

    Das hat sich nun erledigt.

    Besten Dank für deine Aktivität. :!:

    Vamos a ver, was da kommt.

    Santioga
     
    #9 29. Juli 2007
  10. Sidona
    Sidona New Member
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    Auch von mir herzlichen Dank Andreas, bin leider auch noch nicht zum Schreiben gekommen!

    Oft ist es bei solchen Beiträgen so, dass Bilder bei einem Bilderdienst eingekauft werden, irgendjemand, der keine Ahnung hat fügt dann das Bild ein. Damit möchte ich Aspekte etc. nicht in Schutz nehmen. Aber seit Baedeker - immerhin ein renomierter Reisebuchverlag - sein Andalusienbuch auf der Titelseite mit einer mexikanischen Tänzerin schmückte wundert mich nichts mehr. Sie hatten das Bild bei einer Bilderagentur als Flamencotänzerin gekauft...
     
    #10 29. Juli 2007
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    Diskussion resultierend aus der Umfrage: [quote=Musaion]@mso: Wenn man deine Antwort zuende liest, denkt man eigentlich, du müsstest gegen den Stierkampf sein! :roll: Saludos :wink:[/quote] Das Thema beginnt zwar schon wieder vorbei an der eigentlichen Umfrage auszuufern und gibt...