Die Traje de Luces

Dieses Thema im Forum "Stierkampf" wurde erstellt von Sidona, 25. März 2003.

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  1. Sidona
    Sidona New Member
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    Die Traje de Luces
    Der torero zieht zuerst eine dünne, weisse Baumwollstrumpfhose an, damit die engen Strümpfe und Hosen beim Anziehen besser rutschen.

    medias = rosa Strümpfe.

    taleguilla = enge Kniehose, unten am Bein seitlich etwas geschlitzt, was das Anziehen erleichtert. Der torero legt sich hin und ein Helfer stülpt ihm die Hose über, zum normalen "einsteigen" ist sie zu eng. Der Schlitz am Bein wird mit einem Bändchen geschlossen und festgenäht. Das Bändchen ist mit machos (Bommeln) verziehrt.

    camisa = ein weisses Hemd, dass mit Biesen oder Rüschen verziehrt ist.

    corbatín = schmale Krawatte, farblich auf die traje abgestimmt.

    fajín = schmaler Stoffgürtel in der gleichen Farbe wie die corbatín. Besonders kleine toreros lassen den Gürtel oft weg.

    chaleco = bestickte Weste, in der Regel in der gleichen Farbe wie die traje.

    chaquetilla = Bolero. Die chaquetilla ist auf der Vorderseite steif und fest, so dass ein Horn nicht durchdringt. Dies bietet aber nur bedingt Schutz, da das Horn unter der kurzen Jacke durchkommt. Um bessere Bewegungsfreiheit zu haben, sind die Ärmel nicht angenäht, sie werden nur auf den Schulter durch die hombreras (Schulterstücke) gehalten. Die hombreras sind vorne und hinten wiederum mit machos (Bommeln) geschmückt. Diese Bommeln werden heutzutage - da sie nicht gerade billig sind - an den Schulterstücken nur eingehakt und im Falle einer salida a hombros (Ehrenrunde auf den Schultern) sofort weggenommen, da sie zuoft im Getümmel als Souvenir von Leuten geklaut wurden.

    zapatillas = schwarze Schuhe ohne Absatz. Gehalten werden sie durch einen Gummi und ein Band am oberen Rand, die Schleife des Bandes wird festgenäht.

    montera = Schwarze Kappe

    coleta oder castañeta = Zöpfchen, dass als "Zunftabzeichen" unter der montera befestigt wird.

    capote de paseo = Umhang, der beim paseíllo, dem Einzug, über einen Arm gewickelt getragen wird. Oft ist er bestickt mit einem Heiligenbild. Nach dem Einzug wird er meistens in die erste Reihe zu Freunden oder Berühmtheiten gegeben, die ihn über die Brüstung hängen.

    Sidona
     
    #1 25. März 2003
  2. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Ich habe gerade gestern wieder einmal Almodóvars Hable con ella gesehen, daher hier eine kurze Empfehlung: wer wenigstens ansatzweise sehen möchte, wie die Traje de Luces angelegt wird, der sollte sich diesen Film anschauen. Und als Literaturempfehlung hätte ich noch Feuersteins Reisen von Herbert Feuerstein. Dieser beschreibt darin nämlich auch, wie man ihn in Mexiko in ein Stierkämpferkostüm gezwängt hat. Sein Problem: die Ausmaße seines Hinterteils wurden der Traje de Luces nicht gerecht :lol:
     
    #2 26. Februar 2005
  3. Sidona
    Sidona New Member
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    Weil du es gerade ansprichst - in meiner Stierkampfwochenzeitschrift (Aplausos) wird genau diese Traje, die Rosario Flores im Film trug, zum Verkauf angeboten. Preis ungenannt.
     
    #3 27. Februar 2005
  4. claudita
    claudita New Member
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    coleta oder castañeta = Zöpfchen, dass als "Zunftabzeichen" unter der montera befestigt wird.

    Das wird befestigt? Ich dachte immer die müssten echt sein.
     
    #4 27. Februar 2005
  5. Sidona
    Sidona New Member
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    Auszug aus Übersicht - corrida:


    Das "Zunftzeichen" der toreros war früher ein Zopf. Wenn ein junger Bursche offiziell torero wurde durfte er sich das Haar wachsen lassen und sich einen Zopf flechten. Dieser wurde dann oft unter ein Haarnetz gesteckt. Heute tragen sie nur noch einen Knopf mit daran angebrachtem Zöpfchen, der vor dem Kampf angesteckt wird. Beendet ein torero seine Karriere wird ihm bei seinem letzten Kampf das Zöpfchen abgeschnitten. So spricht man beim Beenden der Karriere von "cortar la coleta" - den Zopf schneiden.

    In den letzten Jahren trug einzig der gitano Rafael de Paula eine Zeitlang die Haare etwas länger mit "echtem" Zöpfchen
     
    #5 27. Februar 2005
  6. Uli
    Uli New Member
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    Im Moment kenne ich nur einen Franzosen, den picador André Joseph Floutier Jorant "El Fritero", der eine "coleta narural" hat. Übrigens einer der besten picadores den ich je gesehen habe.
    Uli
     
    #6 27. Februar 2005
  7. Frederico
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    Zum Traje de Luces hätte ich mal eine "Hausmann" Frage:
    Wie werden die Anzüge vom Blut gereinigt? Hat da jemand schon mal was gehört? Oder sind das "Einwegprodukte"? Das kann ich mir bei dem Aufwand an Verziehrungen aber nicht vorstellen! Die Anzüge müssen ein Vermögen kosten!?

    Aus meiner "wilden" Zeit als Turniertänzer weis ich aber aus eigener (teurer.... :? ) Erfahrung wie empfindlich Pailletten, Strasssteine, Goldstickereien usw. auf Waschversuche in der Badewanne reagieren können und ich wollte bestimmt kein Blut herauswaschen.
     
    #7 9. Oktober 2006
  8. Sidona
    Sidona New Member
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    Da müsstest du einen mozo de espadas fragen :wink: - nein, Einweganzüge sind es natürlich nicht und heute mit den modernen Materialien sind sie tatsächlich angeblich recht pflegeleicht. In dem Buch Der Tod und die Sonne - ein Matador auf den Spuren seiner Väter (siehe hier] ist beschrieben, dass die mozos die trajes sofort nach der corrida in die Badewanne tauchen, vorsichtig auswaschen und dann wärend der Nachtfahrt im Cuadrillawagen zum Trocknen aufhängen.

    Ein matador hat - je nach Anzahl seiner corridas im Jahr - zwischen 5 und 10 trajes.
     
    #8 9. Oktober 2006
  9. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Uli hat mal auf seiner Seite Tauromaquia.de Gonzalito, den ehemaligen mozo de espada von der Stierkampflegende Curro Romero zu Wort kommen lassen:

    Logischerweise erfordern die trajes de luces eine besondere Pflege. Gonzalito erscheint hierbei wie eine Werbefigur für Woolite (US-amerikanische Waschmittelmarke): "Ich hänge die traje über das Waschbecken und entferne mit dem Fingernagel und einer Kleiderbürste die Blutflecken. Ich habe sie niemals in die Badewanne getan, und es gibt sogar welche, die sie in die Waschmaschine tun! Ich entferne das Blut so gut es geht mit Wasser und viel Flüssigseife, aber versuche den Anzug so wenig wie möglich nass zu machen. Ich habe die Anzüge von Curro Romero und Víctor Méndes (Stierkämpfer aus Portugal) bestimmt 120 Mal gereinigt und man sieht es ihnen nicht an, sie sehen perfekt aus. Dieser Teil meiner Arbeit gefällt mir am wenigsten, und so lasse ich die Anzüge manchmal anhäufen und wasche dann gleich mehrere auf einmal. Trotzdem behandle ich alles mit viel Respekt und Hingabe - die Kleidung, die montera (Kopfbedeckung der Toreros zu Fuß), die Degen. Auch die Hemden wasche ich mit viel Vorsicht. Die meiste Arbeit macht das Bügeln, aber ich habe immer mein Reisebügeleisen dabei, denn manchmal gibt es im Hotel keinen Bügelservice. Ich packe auch immer einen Ventilator in meine Reisetasche, um nicht zu viel Hitze zu leiden.“ Er sagt, dass die Stoffe heutzutage außerordentlich gut seien, besser als früher. Die monteras reinigt er ebenfalls mit Woolite und einer Kleiderbürste: "Ich verwahre sie mit der offenen Seite nach oben. So bleiben sie in Form und riechen gut. Mir gefällt es wenn man sagt, dass meine Toreros wie aus dem Ei gepellt daherkommen.“
     
    #9 9. Oktober 2006
  10. Frederico
    Frederico New Member
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    In dem Buch Der Tod und die Sonne - ein Matador auf den Spuren seiner Väter (siehe hier] ist beschrieben, dass die mozos die trajes sofort nach der corrida in die Badewanne tauchen, vorsichtig auswaschen und dann wärend der Nachtfahrt im Cuadrillawagen zum Trocknen aufhängen.


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    Danke für die Empfehlung.
     
    #10 10. Oktober 2006
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