Mehr als ein Fußballverein: Real Madrid

Dieses Thema im Forum "Sport in Spanien" wurde erstellt von Kiebitz, 6. März 2008.

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  1. Kiebitz
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    Mehr als ein Fußballverein: Real Madrid
    Für Fußball Fans ein Bericht aus der

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    Mehr als ein Fußballverein: Real Madrid


    Die Geschichte von Real Madrid ist lang. Seit 105 Jahren gibt es diesen Club, der von der FIFA offiziell zum besten Club des 20. Jahrhunderts gekürt wurde.

    Eine Gruppe Fußballbegeisterter berief für den 6. März 1902 die Gründungsveranstaltung des Foot Ball Club Madrid, so der ursprüngliche Vereinsname, ein. Erster Vereinspräsident wurde Juan Padrós. Auch die Trikotfarben wurden festgelegt: Man wollte den damals berühmten Corinthians FC aus London gleichen und entschied sich für weißes Hemd, weiße Hosen und dunkelblaue Strümpfe. Zwei Wochen nach dieser offiziellen Vereinsgründung wurde mit dem Engländer Arthur Johnson der erste Trainer der Vereinsgeschichte verpflichtet.

    Am 13. Mai 1902 fand das erste der später so genannten "Jahrhundertspiele" gegen den FC Barcelona statt; die Katalanen siegten mit 3:1. Kurz darauf konnten die Madrilenen Espanyol Barcelona besiegen und gewann die Copa de la Gran Peña, den ältesten Pokal, den Real Madrid in seinen Vitrinen vorweisen kann.

    1905 gelang dann er erste wirklich bedeutende Titelgewinn: Nach einem 1:0-Sieg über Atletic de Bilbao wurde Madrid zum ersten Mal spanischer Pokalsieger. Bis 1993 sollte dieser Titelgewinn noch 16 Mal wiederholt werden.

    In diesem Jahr fand auch die erste internationale Begegnung des FC Madrid statt: Anlässlich eines Besuchs des französischen Präsidenten veranstaltete man ein Spiel gegen den Pariser Club Gallia Sport, bei dem man sich freundschaftlich mit 1:1 trennte.

    Ein weiteres historisches Datum in der Geschichte des Clubs ist der 29. Juni 1920. An diesem Tag verlieh König Alfons XIII. dem Verein das Recht, den Ehrentitel Real (königlich) zu führen, womit der neue Vereinsname geboren war: Real Madrid.

    Bis 1927 bestritt Real Madrid seine Heimspiele auf einer Wiese zwischen der Pferderennbahn und der Stierkampfarena. Im Juli dieses Jahres pachtete der Verein einen umzäunten Fußballplatz, den ersten seiner Art in Spanien, an der Calle O´Donnell; der Pachtpreis betrug damals 1000 Pesetas im Monat. Im selben Jahr debütierte auch ein hoffnungsvoller jünger Stürmer mit Namen Santiago Bernabéu, der Mann, der später 35 Jahre lang als Präsident die Geschicke des Clubs leiten sollte.

    Profifußball gibt es in Spanien seit 1926; 1929 wurde eine einheitliche nationale Liga, die Primera División, eingeführt. Erster Meister wurde der FC Barcelona mit 2 Punkten Vorsprung vor Real Madrid.

    1930 kam der erste "Superstar" zu Real Madrid. Für die damals unvorstellbar hohe Summe von 150.000 Pesetas (nach dem letzten Wechselkurs ca. 900 Euro) konnte die Torwartlegende Ricardo Zamora, El Divino, vom FC Barcelona freigekauft werden.

    1931 gewann Real Madrid erstmalig die zwei Jahre zuvor geschaffene Liga, der erste nationale Meistertitel, dem bis 2002/3 noch 28 weitere folgen sollten.

    Der Bürgerkrieg 1936-1939 unterbrach den Spielbetrieb. Das Stadion von Real Madrid wurde zum Kriegsgefangenenlager umfunktioniert, der größte Teil der Spieler und Funktionäre wurde in alle Welt zerstreut. Am 19. April 1939 berief der ehemalige Clubpräsident Pedro Parages eine Hauptversammlung ein, welche den Wiederaufbau des Vereins in Angriff nehmen sollte.

    Das nächste geschichtsträchtige Jahr für Real Madrid war 1943. Zunächst wurde am 13. Juni in einem Pokalspiel der Erzrivale FC Barcelona geschlagen - mit 11:1! Katalanische Quellen berichten, Francos Schergen seien vor Spielbeginn in die Kabine von Barça eingedrungen und hätten den Spielern angedeutet, ein Sieg heute über Madrid könnte für sie gefährlich werden.

    Drei Monate später wurde Santiago Bernabéu zum Vereinspräsident gewählt. Sein erstes großes Projekt leitete er mit dem Ankauf des Terrains für den Bau eines neuen Stadions der Superlative ein. Die Arbeiten daran begannen im Oktober 1944, die Einweihung erfolgte am 14. Dezember 1947. Seit 1955 heißt dieses Stadion Estadio Santiago Bernabéu.

    Im April 1954 debütierte bei Real Madrid Alfredo di Stéfano, den man Barcelona vor der Nase weggeschnappt hatte. Der Argentinier hatte offenbar bereits bei den Katalanen unterschrieben, als dann Franco zu Gunsten seines Lieblingsclubs Real intervenierte. Überhaupt war das Flaggschiff des spanische Fußballs, Real Madrid, in seinen glorreichen Zeiten in den fünfziger und sechziger Jahren ein Prestigeprojekt der damaligen Diktatur Francos geworden, die, ähnlich wie die ebenfalls verschwundene UdSSR, sportliche Höchstleistungen zur Imagepflege im Ausland und zur Übertünchung nationaler Miseren missbrauchte.

    Bereits in seiner ersten Saison bescherte de Stéfano dem Club 27 Tore und die erste nationale Meisterschaft seit 21 Jahren. Mit ihm begann auch der Siegeszug von Real Madrid in Europa. Von 1956 bis 1960 wurde der Europapokal der Landesmeister, heute Champions League Cup, in ununterbrochener Reihenfolge fünf Mal gewonnen. Beim letzten Sieg 1960 wurde die Eintracht aus Frankfurt mit 7:3 bezwungen, und man spricht heute noch vom besten Pokalfinale aller Zeiten.

    Bereits 1958 war mit Ferenc Puskas ein zweiter Weltklassestürmer neben di Stéfano verpflichtet worden. Nach dem letzten Europapokalsieg gegen Frankfurt sicherte Madrid sich auch seinen ersten Interkontinentalcup gegen Peñarol Montevidéo. In Uruguay spielte man torlos unentschieden, das Rückspiel in Madrid endete 5:1. Torschützen für die Weißen waren Puskas (2), di Stéfano, Gento und Herrera, inzwischen alles Mythen der Fußballgeschichte.

    1966 errang Real Madrid den sechsten Europapokal gegen Partizan Belgrad. Es war dies für die nächsten zwei Jahrzehnte der letzte große Erfolg auf internationaler Ebene.

    Am 6. Juni 1970 kam es im Nou Camp zum Aufeinandertreffen im Pokalhalbfinal-Rückspiel, nachdem Real das Hinspiel mit 2:0 gewonnen hatte. Barça führte 1:0, als der Schiedsrichter Guruceta den "Königlichen" einen Elfmeter schenkte (laut Zeitungsberichten war das vermeintliche Foulspiel mindestens drei Meter vor dem Strafraum!) und einem applaudierenden Barça-Spieler die Rote Karte zeigte. Nach einer weiteren Fehlentscheidung riss der Geduldsfaden der Fans und etliche stürmten den Platz. Und als ob sie darauf gewartet hätten, sprangen Hunderte Polizisten herbei und gingen mit äußerster Brutalität gegen die Fans vor: "Polizei, Mörder"-Rufe hallten durchs Stadion. Barças Vereinsspitze stellte sich nach diesen Ereignissen hinter die Fans, während noch wochenlang nationale Sportverbände und die Schiedsrichterorganisation ein schier unglaubliches Hickhack veranstalteten. Guruceta wurde schließlich gesperrt, Barças Präsident angeklagt und Real Madrid stand im Finale.

    Die Schikanen des Regimes hatten zur Folge, dass der Hass der Katalanen auf die "Königlichen" noch verstärkt wurde. Viele Barça-Fans identifizieren den Erzrivalen bis heute mit dem Franco-Regime und dem Madrider Zentralismus.

    1980 kam es zu einer einmaligen Konstellation im Finale der Copa del Rey: Im Santiago Bernabéu standen sich Real Madrid und seine B-Mannschaft aus der zweiten Division, Castilla, gegenüber. Die A-Mannschaft siegte mit 6:1.

    1985 und 1986 gewann Real Madrid seine bisher einzigen UEFA-Pokale. Maßgeblich beteiligt an den Erfolgen dieser Zeit und bis in die frühen 90er Jahre war die so genannte Quinta del Buitre, eine Gruppe von fünf Spielern aus dem eigenen Nachwuchs um Emilio Butragueño, El Buitre (der Geier) herum, die 1983 in den Profikader übernommen worden war.

    1998 gelang dann die endgültige Rückkehr an die europäische Spitze: Im Champions-League-Finale wurde Favorit Juventus Turin 1:0 besiegt. Im Jahre 2000 konnte dieser Triumph mit einem Finalsieg über Valencia wiederholt werden, und 2002 feierte man den Finalerfolg gegen Bayer Leverkusen. Damit hat Real Madrid insgesamt neun Mal den Europapokal der Landesmeister bzw. die Champions-League gewonnen, ein einsamer Rekord! Ihm an nächsten kommen der AC Mailand mit sechs Erfolgen, der FC Liverpool mit fünf und Ajax Amsterdam und Bayern München mit je vier Cupsiegen.

    2003 gewann das Team die spanische Meisterschaft, doch Trainer del Bosque wurde unehrenhaft entlassen, genau wie der langjährige Kapitän Fernando Hierro. Die Fans trugen dies dem Verein lange nach. 2007 konnte nach langen Jahren der Titelabstinenz die 30. Meisterschaft gewonnen werden. Auch danach wurde der Meistertrainer, diesmal Fabio Capello, gefeuert. Neuer Trainer wurde Bernd Schuster.

    Auch deutsche Fußballprofis waren bei Real Madrid erfolgreich: Günter Netzer war der erste; er spielte hier von 1973 bis 1976 und erreichte zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Die letzten beiden Jahre spielte er im Mittelfeld an der Seite von Paul Breitner, der von Bayern München hierher gekommen war und bis 1977 blieb. Der immer noch populärste deutsche Profi in den Reihen von Real ist Uli Stielike, dessen Verpflichtung von Borussia Mönchengladbach 1977 Santiago Bernabéu persönlich gegen den Willen des DFB durchsetze und der acht Jahre hier spielte. Gelobt wird auch immer noch Bernd Schuster, der von 1988 bis 1990 hier gespielt hat.

    Der bisher letzte deutsche Spieler bei Real Madrid war Bodo Illgner, der Torhüter, den Fabio Capello 1996 vom FC Köln in sein "Dreamteam" holen ließ, wo er bis 2001 blieb. Neu seit 2007 ist Christoph Metzelder, der von Borussia Dortmund nach Madrid geholt wurde.
     
    #1 6. März 2008