Farruquitos Urteilsverkündung

Dieses Thema im Forum "Spanische Musik" wurde erstellt von claudita, 1. August 2005.

  1. claudita
    claudita New Member
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    Farruquitos Urteilsverkündung
    Die Gerichtsverhandlung ist erstmals abgeschlossen und er ist zweimal für 8 Monate verurteilt worde. Da dies die Mindeststrafe ist, muss er sie auch nicht absitzen.
    Zusätzlich soll er der Witwe 102.480,-€ bezahlen und jedem Elternteil 8.275€.
    Ausserdem hat er 140.000€ der Witwe und den Eltern überlassen. Eins der Gründe, warum das Mindestmaß an Strafe beanschlagt wurde, ein weiterer ist wohl der, dass er nach dem Unfall abgebremst haben soll um sich zu vergewissern, dass 3 oder 4 Leute dem Opfer beigestanden haben.

    Ob ein Einspruch erhoben wird, wird diese Woche entschieden....

    Alles in allem, nachdem was war (das steht hier: http://www.tina-sommer.de/board/viewtopic.php?t=1851 - im Beitrag von Morayma), finde ich das sehr wenig. Es sieht so aus, als könne man mit Geld und Berühmtheit sich einiges leisten.

    Ich bewundere die Kunst der Familie sehr, aber alles sollte man sich deshalb auch nicht erlauben dürfen.
     
    #1 1. August 2005
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  3. Morayma
    Morayma New Member
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    Deine Meinung teile ich auch, Claudita. Kein anderer wäre so glimpflich davongekommen. Farruquito durfte ja nach dem Unfall !!! auch den Führerschein machen und darf jetzt Auto fahren. Nicht einmal der Führerschein wurde ihm abgenommen. :shock:

    Die Witwe hat bereits angekündigt, daß sie Einspruch einlegen wird. Mal abwarten was passiert.

    Saludos
    Morayma
     
    #2 1. August 2005
  4. claudita
    claudita New Member
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    Morayma,
    hat er ihn nicht für 4 Jahre weggenommen bekommen?
    Irgendwo habe ich das gehört, aber nicht gelesen..#


    Grüße,
    Claudia
     
    #3 2. August 2005
  5. Morayma
    Morayma New Member
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    Stimmt Claudita,

    Jetzt nach dem Urteil haben sie ihm den Führerschein für 4 Jahre weggenommen...

    Die Staatsanwältin María José Segarra hat angekündigt, daß sie gegen das Urteil Berufung einlegen werde, da es eine "Menge Punkte gebe, mit denen sie nicht einverstanden sei".

    Die Staatsanwaltschaft hatte ja 4 Jahre und 1 Tag wegen fahrlässiger Tötung, unterlassener Hilfeleistung und falscher Aussage gefordert.

    Saludos
    Morayma
     
    #4 2. August 2005
  6. mecmar
    mecmar New Member
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    Mir tut die Witwe leid. Nicht nur, dass sie ihren Mann verloren hat - das Urteil ist viel zu lasch ausgefallen, und jetzt muss die arme Frau um Gerechtigkeit kämpfen.

    Allgemein ist man jetzt in ganz Spanien besorgt über die Reaktionen anderer Autofahrer auf das schlappe Urteil - "existe alarma social" . Viele glauben nun, dass sie praktisch unbehelligt mit 130 km/h durch geschlossene Ortschaften rasen dürfen.

    Und fast alle haben Angst vor den Konsequenzen ...

    Gruß
    mecmar
     
    #5 2. August 2005
  7. maryuana
    maryuana New Member
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    ... Wer auf Spaniens Straßen mit seinem Wagen jemanden tötet, kann mit einer Geldbuße von 360 Euro und ohne Führerscheinentzug davonkommen.... ( siehe artikel berliner zeitung)

    scheint der ruhm farruquito´s nicht der hauptsächliche grund für die milde strafe zu sein.
    für mich bleibt die frage, wie farruquito damit leben wird. eine strafe ist doch der versuch einer moralischen ausgleichung. schuld und sühne.
    ich denke auch an den sohn, den sein großvater vor seinen augen auf der straße sterben sah- bei einem motorradunfall.

    mein gott, farruquito rast mit einem schwerlastigen erbe über die bühne...
    es soll bereits ein buch erschienen sein:

    <der schatten eines tänzers. alle schlüssel, um den fall rarruquito zu verstehen>


    mary

    __________________________
    Montag, 01. August 2005
    Berliner Zeitung:

    Wildwest auf Spaniens Straßen
    Milde Strafe für den Flamencotänzer

    Martin Dahms

    MADRID, 31. Juli. Ein Gericht in Sevilla hat am Donnerstag voriger Woche den Flamencotänzer Juan Manuel Fernandez Montoya, bekannt unter seinem Künstlernamen Farruquito, wegen einer Kette schwerer Straßenverkehrsdelikte zu 16 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Damit verhängte die Richterin die mildeste Strafe, die möglich war. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und einen Monat gefordert, die Nebenklage acht Jahre. Der Prozess hatte in Spanien für großes Aufsehen gesorgt.

    Der 23-jährige Farruquito ist für Kenner das größte Talent seines Faches unserer Tage und kann in seinen jungen Jahren auf eine beeindruckende internationale Karriere zurückblicken. Doch das Bild des strahlenden, gut aussehenden Jünglings wird für immer von einem dramatischen Zwischenfall überschattet sein, der vor zwei Jahren einen Menschen das Leben kostete.

    Am späten Abend des 30. September 2003 fuhr Farruqutio in seinem BMW mit stark überhöhter Geschwindigkeit durch die Innenstadt von Sevilla, er überfuhr dabei zwei rote Ampeln. Der Tänzer hatte keine Fahrpraxis und besaß weder Führerschein noch Versicherung für seinen Wagen. An einem Zebrastreifen erfasste er einen 35-jährigen Fußgänger, der durch den Aufprall in die Luft geschleudert wurde und dreizehn Meter weiter auf den Asphalt prallte. Farruquito brauste mit unverminderter Geschwindigkeit davon, das Unfallopfer starb wenige Stunden später im Krankenhaus.

    Erst ein halbes Jahr nach der Fahrerflucht kam die Polizei dem Flamencostar auf die Spur. In der Zwischenzeit hatte er sich mit der Hilfe von Bekannten, darunter einem Polizisten, bemüht, seinen BMW verschwinden zu lassen. Das Auto wurde in Malaga versteckt und erst im März 2004 als das Unfallauto identifiziert. Im letzten Moment versuchte er auch noch, seinen minderjährigen Bruder für den Unfall verantwortlich zu machen. Er behauptete, der 15-Jährige habe den BMW gefahren und sei in panischer Angst geflüchtet. Schließlich gestand Farruquito seine Tat doch.

    Nach seiner Festnahme vor gut einem Jahr kam er dann gegen eine Kaution von 140 000 Euro wieder auf freien Fuß. Seitdem ist der Tänzer im In- und Ausland aufgetreten wie eh und je, bejubelt vom Publikum, und er fand noch Zeit, seinen Führerschein nachzumachen. "Ich bereue zutiefst die Konsequenzen meines Tuns", sagte er in einem Interview, und vor Gericht betonte er, dass 19 Mitglieder seiner Familie von ihm abhängen. Nach der Bekanntgabe des Urteils gab er sich "bewegt und erleichtert".

    Farruquitos Todesfahrt ist kein Einzelfall in Spanien. An den 98 000 Verkehrsunfällen des Jahres 2002 waren 3 500 Fahrer ohne Führerschein beteiligt, rund 1 000 Menschen begingen Fahrerflucht. Auch für das vergangene Wochenende meldet die Polizei aus drei Städten wieder drei Tote, die durch Autos umkamen, deren Fahrer flüchteten. Das eigentliche Drama der spanischen Straßen ist jedoch die fast vollkommene Straflosigkeit für Verkehrsdelikte. Das milde Urteil für Farruquito ist keine Ausnahme und nicht seinem Ruhm geschuldet. Wer auf Spaniens Straßen mit seinem Wagen jemanden tötet, kann mit einer Geldbuße von 360 Euro und ohne Führerscheinentzug davonkommen.

    Die spanische Politik begreift sehr langsam, dass jährlich mehr als 3 500 Tote im Straßenverkehr zu viel sind. Das Parlament hat vor einem Monat beschlossen, den Führerschein auf Punkte einzuführen. Und zum ersten Mal werden seit Anfang Juli von 37 fest installierten Radaranlagen die Raser auf spanischen Straßen geblitzt. In den ersten vier Wochen bereits erwischten sie 80 000 Fahrer, die mit Tempo 160 oder mehr unterwegs waren - die Höchstgeschwindigkeit auf spanischen Autobahnen beträgt 120 Stundenkilometer. Nach dem Probemonat müssen die geblitzten Fahrer vom 1. August an nun auch mit einer saftigen Geldbuße rechnen.
     
    #6 9. August 2005
  8. claudita
    claudita New Member
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    Wenn man sieht, wie solche Delikte sonst in Spanien behandelt werden, ist das Urteil ja auch nicht milder als bei anderen - also hat das wohl nichts mit dem Ruhm zu tun.
    Im Vorfeld hat man ja viel gehört, dass der Prozess aufgrund der Tatsache, dass Montoya Gitano ist, nicht fair verlaufen würde, da diese Minderheit immer mehr abbekommt als die Payos (laut den Gitanos- ich kann das nicht beurteilen). Demnach wäre es wohl sehr heikel gewesen Montoya nun härter zu 'bestrafen' als andere. Was wiederum die Payos gefordert haben, um quasi ein Exempel zu statuieren.

    Ich habe ein Interview mit Leuten auf der Straße gesehen, da sagte einer, man müsse es so machen, wie die Gitanos, wäre die Sache anderseherum geschehen... Er nahm Bezug hierauf: Vor ein paar Jahren wurde ein Gitano Kind von einem kurz zuvor noch parkendem LKW totgefahren, das Kind spielte direkt hinter dem LKW und der Fahrer konnte es nicht sehen. Das Kind starb und der Fahrer starb dann auch, noch an der Unfallstelle. Er wurde totgeschlagen. Grund: er hätte sowieso nie die gerechte Strafe erhalten, weil 'nur' ein Gitano gestorben ist.

    Alles in allem ein viel heiklere Geschichte, als sie auf den ersten Blick erscheint.
     
    #7 9. August 2005
  9. Sidona
    Sidona New Member
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    ich habe auch schon von Delikten gehört, wo gitanos beteiligt waren, da griff die Polizei so gut wie nicht ein, man sagte, die gitanos regeln es unter sich - und das ist schlimmer als die örtliche Polizei...
     
    #8 9. August 2005
  10. Morayma
    Morayma New Member
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    Mir tut Farruquito nicht im geringsten leid.

    Wer mit 22 Jahren ohne Führerschein, ohne Fahrpraxis, mit einem schnellen Auto ohne Versicherung durch die Innenstadt rast, weiß - ob Gitano oder Payo - was er tut!!

    Sollte er es nicht wissen, dann ist er nicht für den Führerschein reif. Passiert etwas, so muß er m.E. voll für das einstehen, was er angerichtet hat. Von Fahrlässigkeit kann hier keine Rede mehr sein. Farruquito hat vorsätzlich in Kauf genommen, was dann ja auch passiert ist.

    Das große Problem auf Spaniens Straßen sind nicht einmal die Gesetze. Die spanische StVO ist sogar recht gut. Nur wird so oft dagegen verstoßen, weil jeder weiß, daß er entweder nicht erwischt wird, oder die Polizei, wenn sie einen Verkehrsverstoß sieht, so gut wie nie einschreitet. So besteht z.B. schon seit 10 Jahren Helmpflicht. Aber kein Polizist kümmert sich darum wenn jemand ohne Helm am Polizeiauto vorbeifährt. Ich habe schon lebensgefährliche Überholmanöver auf der Nationalstraße beobachtet, ohne daß die zufällig vorbeikommenden Motorradpolizisten (Guardia Civil de Tráfico) auch nur ihren Kopf gedreht hätten.

    Die spanische Rechtssprechung ist sowieso etwas seltsam. Ein ETA Mitglied, wegen mehr als 20 Morden zu 3.600 Jahren Gefängnis verurteilt, sollte nun nach 18 Jahren frei kommen. Der Staatsanwalt hat Einspruch eingelegt. Aber die Sache ist noch nicht endgültig entschieden.
    Wer "nur" einen Menschen umbringt, sitzt auch 18 Jahre.....d.h. also im Dutzend billiger?????

    Saludos
    Morayma
     
    #9 15. August 2005
  11. Gast1805
    Gast1805 Guest
    Und es gibt Neues zum Fall Farruquito zu berichten.

    Heute in der SUR Málaga: Farruquito podría ir a la cárcel tras elevarse su condena a tres años

    Jetzt muß er wohl doch noch ins Gefängnis. Da nun sein Strafmass wohl 16 Monate bis drei Jahre erreicht, übetrifft dieses die zwei Jahre auf Bewährung. Damit kann er einen Gefännisaufenthalt nicht mehr umgehen. Jedoch rechnen die Anwälte damit, dass er seine Strafe erst in zwei bis fünf Monaten antreten muß.
     
    #10 6. September 2006
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