War Kolumbus ein Dieb?

Dieses Thema im Forum "Spanische Kunst & Geschichte" wurde erstellt von Gast1692, 19. April 2007.

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  1. Gast1692
    Gast1692 Guest
    War Kolumbus ein Dieb?
    Es würde mich mal Interresieren was !"Ihr" drüber denkt?
    War das so wie der Hr.Gernhardt erzählt?
    Habe ich ein Falsches Bild vom Kolumbus den Entdecker?
    Ich kann das so wie der Hr.Gernhadt darstellt,nicht stehen Lassen :shock:

    Hier der Link um was es Überhaupt geht.
    http://db0fhn-i.ampr.org:8080/cmd?cmd=READ+LITERATU+20
     
    #1 19. April 2007
  2. claudita
    claudita New Member
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    Ich kann das gar nicht öffnen...
     
    #2 19. April 2007
  3. Gast1975
    Gast1975 Guest
    Hm, also ob Kolumbus ein Dieb war, das weiss ich nicht ob ich das unterstütze. Und was er nun an Informationen schon hatte oder nicht, wird wohl nie herausgefunden werden können.
    Aber einige Dinge sind meiner Meinung nach nicht von der Hand zu weisen:

    Die Seefahrerei und Geographie steckten in einer in der Geschichte vielleicht einmaligen Umbruchphase, die wir uns heute sicher nicht mehr vorstellen können. Das gesamte Menschheits- und Weltbild wurde ja durch die Tatsache, dass die Welt eine Kugel ist und im Westen auch noch weitergehen sollte, auf den Kopf gestellt.

    Das gerade begonnene "Wettrennen" um die Vorherrschaft nicht nur auf der Iberischen Halbinsel zwischen den verschiedenen Königreichen und nun plötzlich auch noch um weitere Ländereien hatte ja gerade erst begonnen. Da ist es finde ich schon logisch, dass Dokumente verschlüsselt wurden, versteckt, verdreht, was auch immer. Und die Portugiesen waren zu diesem Zeitpunkt nunmal die führende Seemacht neben Aragon. Kastilien war ein Binnenstaat und gerade erst gross geworden! Und bei dem, was die gute Isabella sonst alles so "gedreht" hat, würde es mich nicht wundern, wenn sie nicht vielleicht dem Kolumbus das ein oder andere Dokument zugespielt hätte.

    Wen man sich mit der Geschichte Südamerikas, vor allem der Feuerlands und der Magellanstrasse beschäftigt, fällt auf, dass auch in Magellans Logbuch die Rede ist von Karten, die Magellan von der portugiesischen Krone zur Verfügung gestellt bekam. In denen wurde darauf hingewiesen, dass es eine Wasserstrasse im Süden geben musste, man wusste nur nicht so genau wo.

    Ein ganz interessantes Buch zu diesem Thema ist von Stefan Zweig "Amerigo, Geschichte eines historischen Irrtums". Darin geht es um die Frage, warum der Kontinent Amerika und nicht Columbia heisst.

    Nicht zuletzt finde ich, darf man nicht unbeachtet lassen, dass für ein solches Unternehmen Kolumbus nicht nur ein guter Seefahrer und Kapitän gewesen sein muss, sondern auch von einem Schlag Mensch, dem Gefahren, Ungewissheit und sonstige Wirrungen nicht schrecken. Nicht fürumsonst waren die nachfolgendes Konquistadoren ziemliche Haudegen, meist mittellose uneheliche oder dritt-Söhne Adeliger aus der armen Extremadura.

    Ui, jetzt ists ein Roman geworden... aber spannendes Thema!
     
    #3 19. April 2007
  4. Sidona
    Sidona New Member
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    Wenn man bedenkt, wieviel Unwissenheit und Falschinformationen über heutige Dinge im Umlauf sind - und da will man Dinge von vor 500 Jahren genau wissen... :shock:
     
    #4 19. April 2007
  5. Uli
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    das ist schon erstaunlich. Und trotzdem, wer schon 'mal im Archivo de Indias in Sevilla war, weiss, dass dies möglich ist.
    Uli
     
    #5 19. April 2007
  6. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Das ist eben ein weit verbreiteter Irrtum, dass man die Erde für eine Scheibe gehalten habe. Mittelalterliche Karten sind nur scheibenförmig weil man sie nicht anders darstellen konnte. Mittelalterliche Herrscher hatten aber den Reichsapfel, der die Weltkugel symbolisieren sollte. Das antike Wissen war nicht völlig untergangen, wie man heute gerne glaubt (und "der Kirche" die Schuld dafür in die Schuhe schiebt). Die Entdeckung Amerikas gelang Kolumbus nicht, weil er als erstes auf die Idee kam, dass hinter dem Horizont Land liegen müsse, sondern weil er sich verrechnet hatte. Er hatte die Reisen des Marco Polo ausgewertet (er wollte nach Cipango, dem Japan des Marco Polo) und sich anhand der Aufzeichnungen, die ein Mithäftling Polos im Gefängnis in Neapel gemacht hatte ausgerechnet (die Aufzeichnungen waren weit verbreitet und auch in die meisten Sprachen übersetzt) wie weit nach Westen der asiatische Kontinent reichen müsste. Deshalb fand er die karibsichen Inseln etwa dort, wo er Japan vermutete. Hätte Amerika nicht existiert, Kolumbus und seine Leute wären auf halbem Weg vermutlich verhungert oder verdurstet. Ergo: Kolumbus war ein schlechter Mathematiker

    Das stimmt soweit (naja, mehr oder weniger, Westandalusien war ja auch schon seit gut 250 Jahren kastilisch und die Kanaren seit etwa 150 Jahren besetzt). Aragón (bzw. Katalonien) war allerdings sehr mittelmeerorientiert, die Portugiesen, für die der Zugang zum maurischen Königreich Granada verschlossen, ergo die Reconquista abgeschlossen, war, versuchten Afrika zu umsegeln. sie hatten bereits 1488 das Kap der Guten Hoffnung entdeckt, was - da man aufgrund der Strömungen auf den Atlantik hinaussegeln musste um an Afrika vorbeizukommen - dazu geführt haben könnte, dass sie schon vor Kolumbus Entdeckung der Antillen Brasilien erreicht haben. Mit der Behauptung, dass das geschehen sei, wurde vor einigen Jahren Furore gemacht, Dokumente, die das zweifelsfrei belegen hat man aber nicht. Wenn die Portugiesen Amerika tatsächlich schon entdeckt hatten, dann haben sie seinen Wert nicht erkannt.

    Ich schrieb ja schon, Kolumbus war ein schlechter Mathematiker. Als solcher war er sicher auch kein guter Seemann.

    Den verlinkten Text würde ich nicht allzu ernst nehmen. Zum Bordbuch möchte ich mich zurückhalten, ich hab es zwar schon mal gelesen (es ist online verfügbar), aber nicht allzu intensiv. Kolumbus' Bordbuch

    Edit: Da fällt mir ein: natürlich war Kolumbus ein Dieb, er hat dem aus Sevilla stammenden Matrosen Rodrigo de Triana versucht den Ruhm zu stehlen, als erster Land entdeckt zu haben.
     
    #6 19. April 2007
  7. Gast1975
    Gast1975 Guest
    Dass Kolumbus ein schlechter Mathematiker war, dem stimme ich zu. Er war ja wohl auch tatsächlich bis zu seinem Lebensende der Meinung, er sei in Asien gewesen (da fällt mir ein, es gibt noch ein tolles Theaterstück von W.Hasenclever und K. Tucholski, heisst einfach Columbus und im letzten Akt treffen er und Vespucci aufeinander, genial!). Er hatte einfach falsche Grundlagen über das Gradnetz der Erde.
    Natürlich weiss ich auch, dass in der Wissenschaft schon viel früher klar war, dass die Erde eine Kugel ist. Aber trotz Reichsapfel wage ich doch zu bezweifeln, dass die Herrscher auch tatsächlich alle diese Überzeugung vertreten haben.

    Ja, Kastilien hatte zwar Westandalusien und die Portugal erobert, aber trotzdem waren die Kastilier "Land-Menschen". Warum sonst sind es fast ausschliesslich nicht-Kastilier gewesen, die bei der "Eroberung" Amerikas eine Rolle gespielt haben?
     
    #7 19. April 2007
  8. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Ich will jetzt nicht für jeden Herrscher des Mittelalters sprechen, es ist auch anzunehmen, dass der eine oder andere Schwierigkeiten damit hatte, sich die Kugelgestalt der Erde vorzustellen. Allerdings hieß der Reichsapfel auf Latein nicht zufällig "Globus". Bei den gebildeten Schichten des Mittelalters war die Kugelgestalt aber kein Thema. Aristoteles und Plinius aber galten mit ihren Vorstellungen im Mittelalter als die Kronzeugen für die Kugelgestalt der Erde, besonders Plinius war weit verbreitet, Aristoteles war zum Teil verloren, wichtige Schriften kamen aber über den arabischen Raum und ganz speziell über Andalusien wieder nach Europa, wo sie rezipiert wurden. Thomas von Aquin wird mit dem Satz zitiert, dass der Astrologe die Kugelgestalt der Erde anhand der Sonnen- und der Mond-Finsternis beweise.

    Hier von kompetenterer Seite, als von mir:
    http://www.fortunecity.de/lindenpark/sc ... us.html#II.
     
    #8 20. April 2007
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