Napoleon, Cádiz und der spanische Unabhängigkeitskrieg

Dieses Thema im Forum "Spanische Kunst & Geschichte" wurde erstellt von Ibn Khaldun, 4. August 2005.

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  1. Ibn Khaldun
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    Napoleon, Cádiz und der spanische Unabhängigkeitskrieg
    Der spanische Unabhängigkeitskrieg von 1808 - 1814 und die Belagerung von Cádiz

    Vorgeschichte
    1796 ging das absolutistische regierte Spanien mit dem liberalen bürgerlichen Frankreich ein militärisches Zweckbündnis ein. Zuvor hatte man 1793 dem revolutionärem Frankreich den Krieg erklärt, wurde aber geschlagen. Spanien erhielt aber trotzdem einen vorteilhaften Frieden (Basel 1795), der das Königreich allerdings in französische Abhängigkeit brachte, woraufhin es an der Seite Frankreichs in Kriege mit England getrieben wurde.
    1805, bei der berühmten Schlacht am Cabo de Trafalgar (ein Ereignis in andalusischen Gewässern), konnte die englische Flotte nach einer Reihe von Auseinandersetzungen ihren Status als Seemacht zementieren. Die französische und die verbündete spanische Flotte gingen dabei fast vollständig verloren. Deren Schiffe waren entweder gesunken, unbrauchbar oder von den Engländern erobert worden. Obwohl der englische Amiral Horatio Nelson in der Schlacht sein Leben verlor (er wurde von einer Kugel getroffen) war die Seeschlacht ein großer Sieg für Großbritannien. Mit der Niederlage auf See war auch Napoleons Traum, nur für wenige Stunden die Kontrolle über den Channel zu erlangen, um mit einer Invasionsflotte in England zu landen und den Erzfeind zu besiegen, unmöglich geworden.
    Die verlorene Schlacht von Trafalgar schnitt Spanien von seinen Kolonien ab und stärkte damit deren Unabhängigkeitsprozess.

    Napoleons neue Taktik war die Ausweitung der seit 1793 bestehenden, gegenseitigen britisch-französischen Handelsblockade, dieKontinentalsperre, die er am 21. November 1806 in Berlin ausrief. Ziel der Kontinentalsperre war eine Wirtschaftsblockade Englands – zum einen, um England in die Knie zu zwingen und doch noch zu besiegen, zum anderen, um die französische Wirtschaft und Industrialisierung anzukurbeln. England sollte Europa als Absatzmarkt für seine Produkte verlieren und von der russischen Hanfproduktion, welche wichtig für die englische Seefahrt war (Taue und Segel), abgetrennt werden. Frankreich sollte an Englands Stelle als Wirtschaftsmacht treten. Dazu musste Napoleon aber die Kontrolle über alle europäischen Häfen erlangen – auch über die seiner eigenen Verbündeten, die trotz der Auseinandersetzungen noch weiter Handel mit England trieben.

    Die Kontinentalsperre verteuerte das Leben in Europa, Frankreich zwang die Verbündeten seine eigenen Produkte zu überhöhten Preisen abzunehmen und behinderte den Auf- und Ausbau der nationalen Wirtschaften. Von Gibraltar bis zur preußisch-russischen Grenze und vom dänischen Sund bis nach Sizilien blühte der Schmuggel. England seinerseits kaperte und beschlagnahmte gegnerische Handelsschiffe und zwang neutrale Staaten (z.B. die noch sehr jungen Vereinigten Staaten), ihren Handel nur über England laufen zu lassen, dafür aber zu recht günstigen Konditionen. Aufgebrachte Schiffe, die sich mit den englischen Behörden einigten, wurden gezwungen, britische Waren zu verkaufen oder einen Teil ihrer Ware den Engländern zu überlassen. Meist ging das Hand in Hand, da die französischen Behörden Schiffe, deren Laderaum nicht gefüllt war, der Kooperation mit den Briten beschuldigten. Also wurden Waren von den Engländern beschlagnahmt und der frei gewordene Raum mit englischen Waren wieder aufgefüllt.

    Der Unabhängigkeitskrieg
    1808 marschierten französische Truppen in Madrid ein, Spanien fungierte schon seit 1807 als Aufmarschgebiet gegen das mit England verbündete Portugal, eine empfindliche Störung der Kontinentalsperre. Der seit 1788 regierende spanische König Karl IV., der sich nur wenig um die Regierung kümmerte und seinem Premier Godoy vertraute, und sein Sohn, Ferdinand VII., der mit seinem Vater im Konflikt um die Krone lag, wurden von Napoleon nach Bayonne zu einem Versöhnungsgespräch eingeladen, stattdessen aber zu Gunsten dessen Bruders Josephs Bonaparte zur Abdankung gezwungen.
    Am 2. Mai 1808 kam es zu einem Volksaufstand in Madrid. Der Maler Francisco Goya y Lucientes, der die Besetzung Madrids durch die französischen Truppen miterlebte, malte Exekutionen und andere Gräuel des Krieges. Dabei sieht man immer nur die Gesichter der Opfer, niemals die der Täter.
    Durch den Aufstand, der auf das ganze Land ausgriff, kam es zur Bildung mehrerer, teilweise konkurrierender Juntas, die versuchten, die lokale Ordnung aufrecht zu erhalten und in Abwesenheit des Königs zu regieren. Sie erkannten den durch Napoleon eingesetzten Joseph, ein Bruder des Kaisers, nicht als König an. Joseph Bonaparte, der Bruder des französischen Kaisers war seinerseits kein besonderer Tyrann. Aber, die Spanier wollten keine Marionettenstaat von Frankreichs Gnaden haben.
    Unter diesen Juntas, die auch die militärische Führung des Aufstandes übernahmen, war auch die Junta Central de Sevilla, die in den lateinamerikanischen Provinzen anfänglich den Anschein erwecken konnte, tatsächlich die zentrale und souveräne Behörde zu sein. Mit der fortschreitenden Besetzung Spaniens durch die Truppen des französischen Kaisers erledigte sich das Problem der konkurrierenden Juntas dann auch, und die Junta Central de Sevilla wurde tatsächlich zur wichtigsten Junta.
    Nachdem die Spanier die Schlacht von Ocaña am 19. November 1809 verloren, war für die Franzosen aber auch der Weg nach Andalusien frei, weshalb sich die Junta Central auf die Isla de León (San Fernándo, Cádiz) zurückzog. Sie konnte noch die Cortes (die Ständeversammlung) einberufen, wurde aber bald durch einen Aufstand aufgelöst. Von der Junta blieb nur eine Regentschaft aus fünf Personen übrig, welche die Ständeversammlung (Cortes) nach Cádiz einberief. Die Hauptstadt jeder Provinz (auch aus Amerika) sollte einen Deputierten nach Cádiz entsenden.
    Zu diesem Zeitpunkt schien es fast, als könne Joseph Bonaparte die Situation unter Kontrolle bringen. In Sevilla wurde er am 29. Januar vom Volk als König empfangen, was von den französischen Truppen ausgiebig zelebriert wurde. Dies nutzte der bei Mérida stehende General Albuquerque, um mit seinen 10.000 Mann die dreimal so starke Truppe des französischen Generals Victor zu umgehen und sich nach Cádiz in Sicherheit zu bringen. Gleichzeitig verstärkte er so die schwache Freiwilligengarnison in der Hafenstadt, um seine regulären Truppen. General Victor, der erst am fünften Februar mit seinen Truppen vor Cádiz erschien, fand die Verteidigung Stadt voll bemannt vor.

    Dass von Portugal zu Hilfe gerufene England, vormaliger Feind Spaniens, mutierte zum wichtigsten Verbündeten des Königreiches im Kampf gegen die Franzosen. Es war auch vor allem der gemeinsame Gegner, der die absolutistisch gesinnten Briten und die liberalen Spanier einte.
    Spanien und Portugal wurden das Schlachtfeld des Krieges zwischen England und Frankreich, der teilweise auch Charakteristika eines modernen Stellvertreterkrieges annahm.
    Man kann den Krieg in Spanien grob in drei Phasen einteilen. In der ersten Phase der Besetzung gibt es wechselnde Erfolge, mal siegen die Franzosen – vor allem in den Städten, mal die Spanier. Der für die Spanier wichtigste Sieg in dieser ersten Phase ist die Schlacht von Bailén, bei dem etwa 20.000 Franzosen in Gefangenschaft gerieten. Die Schlacht von Bailén war gleichzeitig auch die erste militärische Niederlage Napoleons und beendete dessen Nimbus der Unbesiegbarkeit.
    In einer zweiten Phase, dem längsten Teil dieses Krieges, sind die französischen Truppen den englisch-portugiesischen Truppen und den englisch-spanischen überlegen, doch können sich die Engländer unter Wellington auf der iberischen Halbinsel halten. In der dritten Phase des Krieges überwiegen wiederum die französischen Niederlagen.
    Als ihr Rückzug unausweichlich geworden war, zerstörten die in der Alhambra stationierten französischen Truppen zwei der Befestigungstürme, um sie als Festung unbrauchbar zu machen. Zuvor hatten die hier einquartierten Franzosen aber das im 17. und 18. Jahrhundert halbverfallene und verwohnte Gebäude wieder halbwegs in Schuss gesetzt. Vor allem die Wasserleitungen der Gärten und Palastinnenhöfe mit ihren Brunnen hatten sie gereinigt und so wieder in Betrieb genommen.
    Cádiz – warum Cádiz?
    Cádiz war wegen seiner geographischen Lage das ideale Zentrum des spanischen Widerstandes. Die Stadt lag außerhalb der Reichweite der französischen Kanonen auf einer dem Festland vorgelagerten Insel (dass Cádiz eine Halbinsel sei, ist ein weitverbreiteter Irrtum; wenn man sich die Karten der Bahía de Cádiz mal genau anschaut, sieht man das recht schnell).
    Sie war daher auch gut für die britischen Versorgungsschiffe zu erreichen; eine französische Flotte, die den gaditanos und den Flüchtlingen hätte gefährlich werden können, existierte seit Trafalgar de facto nicht mehr. Als das spanische Zentrum des Amerikahandels hatten fast alle wichtigen Familien Spaniens Besitz in Cádiz (Handelskontore). Damit war für die Unterkunft des in den Überseehandel involvierten, politisch interessierten, meist liberalen Bürgertum gesorgt.
    Zudem war die vom Meer umgebene reiche Handelsstadt vor allem gegen Piratenangriffe gut befestigt, was sich bi der Belagerung als unschätzbarer Vorteil erwies. Die Stadt war das einzig unbesetzte Territorium Spaniens, wenn man von den Kanaren und den überseeischen Provinzen (Philippinen, Lateinamerika) absieht.
    Die Ständeversammlung zu der auch Abgeordnete aus den lateinamerikanischen Provinzen nach Cádiz gekommen waren, erarbeitete 1812 in vielen, mitunter schwierigen Sitzungen im Konvent Felipe Neri die erste liberale Verfassung Spaniens, basierend auf der kostitutionellen Verfassung Englands, dem Code Napoleon udn der amerikanischen Verfassung.
    Manche Diskussionen wurden aber nicht in den offiziellen Sitzungen geführt, sondern es wurden Einigungen in den tertulias, informellen Gesprächs- und Diskussionsrunden interessierter Bürger, getroffen, die in die Verhandlungen zur Konstitution mit einflossen.

    Den französischen Truppen gelang es während der ganzen Zeit der Belagerung (1810 – 25. August 1812) nicht, Cádiz zu erobern. Stattdessen konnten die Briten mit ihren regulären Truppen und die spanische guerilla (dieser Begriff tauchte damals das erste Mal auf) die Franzosen immer weiter zurückdrängen. Nach den Wahlen von 1813 kamen die Cortes nicht mehr in Cádiz zusammen, die Hauptstadt Madrid war wieder in den Händen der Spanier und in Cádiz war das Gelbfieber ausgebrochen.

    Nach Napoleons erfolglosen Russlandfeldzug, bei dem er 5/6 seiner mitgeführten Truppen v.a. durch Hunger und Kälte verlor, musste er sich 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig stellen, bei der ihn die verbündeten Truppen der zuvor von ihm unterworfenen Staaten schlugen. In der Folge der Schlacht zogen die Truppen der Landmächte (Preußen, Österreich und Russland) in Paris ein und zwangen Frankreich zum Ersten Pariser Frieden. (Kurzer Exkurs: Die Flagge der Märzrevolution, der Weimarer Republik und der Bundesrepublik mit den Farben Schwarz-Rot-Gold wurde den Farben des an der Schlacht teilnehmenden Lützower Freiwilligen- und Studentenregiments entlehnt (schwarze Uniform, rote Aufschläge, goldene Knöpfe).)

    Der daraufhin angesetzte Wiener Kongress unter Vorsitz des österreichischen Kanzlers von Metternich, ordnete Europa neu, obwohl sich die restaurativen Kräfte (Russland, Österreich, England, Preußen, Spanien u.a.) in vielen Punkten uneins waren. Spaniens König Ferdinand VII. kehrte im März 1814 nach Spanien in eine konstitutionelle Monarchie zurück – die liberale Verfassung – damals die liberalste auf der ganzen Welt – war noch nicht so fortschrittlich, dass die Monarchie abgeschafft worden wäre. Schon am 5. Mai 1814 setzte er die Verfassung außer Kraft, um den Absolutismus wieder einzuführen. Er regierte als absoluter Monarch bis 1820.
    Der Sieg über Napoleon war aber noch nicht eindeutig errungen. Dieser kehrte aus seinem Exil auf der Italien vorgelagerten Insel Elba zurück und übernahm in Frankreich, dank der Unterstützung der Massen, wieder seine alten Ämter. Somit war es Napoleon selbst, der den aufkommenden Differenzen seiner Gegner auf dem Wiener Kongress ein Ende bereitete, dass diese sich zu einer neuen antinapoleonischen Allianz verbündeten. Erst nach der Schlacht von Waterloo in Belgien (Wellington: „Ich wünschte es wäre Nacht oder die Preußen kämen.“) konnten die verbündeten Feldherren Wellington (England) und Blücher (Preußen) Napoleon endgültig schlagen. Diesmal wurde der Ort für sein Exil gründlicher ausgewählt: er wurde auf die südatlantische Insel St. Helena verbannt, wo er im Mai 1821 starb.

    Bedeutung der Cortes von Cádiz heute
    Die Verfassung von Cádiz war die erste liberale Verfassung Spaniens und die liberalste Verfassung ihrer Zeit, sie war auch in den lateinamerikanischen Kolonien Spaniens gültig (von der Verfassung offiziell zu Provinzen hochgestuft) und wurde von den lateinamerikanischen Ländern nach der Unabhängigkeit in vielen Punkten übernommen. Durch die erste liberale Verfassung waren die Lateinamerikaner für eine kurze Zeit mit den Europaspaniern gleichberechtigt, eine Tatsache, die, als sie rückgängig gemacht wurde, deren Unabhängigkeitsstreben verstärken musste.
    Nachdem Ferdinand 1820 gezwungen worden war die Konstitution doch anzuerkennen, hatte er bis 1823 die Macht soweit wieder an sich gerissen, dass nur noch die Stadt Cádiz, in der die Verfassung elf Jahre zuvor erarbeitet worden war, seine Herrschaft nicht anerkennen wollte. Diesmal aber war die Belagerung der Stadt erfolgreich, Ferdinand VII. konnte sie, unterstützt von französischen Truppen, erobern.

    In Cádiz gibt es bis heute eine Menge Spuren aus jener Zeit bzw. zu dieser. Einmal wäre da das Denkmal für die Cortes, am Hafen, Nähe Busbahnhof, welches regelmäßig als Storchennest dient. Im Convento de San Felipe Neri, dem Versammlungsort der Cortes, ist ein Museum eingerichtet und die Denkmäler in Cádiz für die wichtigsten lateinamerikanischen Libertadoren wie San Martín und Simón Bolivar verraten die enge Verbindung der Stadt zum lateinamerikanischen Kontinent und erinnern an die Rolle der Ständeversammlung im lateinamerikanischen Unabhängigkeitsprozess. Nicht wenige der Schöpfer der Verfassungen der unabhängigen lateinamerikanischen Staaten waren auch bei der verfassungsgebenden Versammlung in Cádiz 1812 schon anwesend gewesen.
    Natürlich sind einige der (meist älteren) Befestigungsanlagen die wir in Cádiz heute bewundern können, während der Belagerung verstärkt und ausgebaut worden. Sie gehören teilweise immer noch zum Stadtbild, wie die Puertas de la Tierra, an denen man kaum vorbeikommt, wenn man in die Altstadt will, oder einige der Uferpromenaden in der Altstadt.
     
    #1 4. August 2005
  2. Sidona
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    zum 200. Jahrestag der Verfassung wird es in Cádiz 2012 grosse Festivitäten geben, die Planungen haben schon begonnen.
     
    #2 4. August 2005
  3. Gast1692
    Gast1692 Guest
    @ Ibn Khaldun

    Erstmal Danke,es ist wie immer ein Genuss deine Ausfuehrungen ueber die Geschichte Andalusien zu lesen :D

    saludos paquito
     
    #3 5. August 2005
  4. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Ich hab gerade in der (noch) aktuellen [​IMG] einen Artikel von Sten Nadolny über die Seeschlacht von Trafalgar gelesen. Hier der Artikel in der Online-Version:
    Lord Nelsons größte Stunde

    Angeregt durch den Artikel habe ich mal geschaut, was es in Cádiz denn für Veranstaltungen zum zweihunderjährigen Jubiläum der Schlacht gibt, und bin auf der folgenden Seite gelandet:
    http://www.dipucadiz.es/Portada/cultura/trafalgar/

    Ibn Khaldun

    P.S.: Ach, Euch interessiert vielmehr, wie ich das gemacht habe, dass sich der Link unter dem Bild versteckt? So:
    {url=http://www.Adresse DesGewünschtenLinks.de}{img}http://www.AdresseDesBildes.de/Bild.gif{/img}{/url}
    Ersetze {} durch [].
     
    #4 10. Oktober 2005
  5. Sidona
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    In den letzten zwei Tagen wurde in Cádiz der zweihundertste Jahrestag der Schlacht von Trafalgar begangen.

    Franzosen und Spanier brachten ihre 33 Schiffe der Küste entlang, günstig zum Wind, in Stellung, Nelson mit 27 Schiffen bildete zwei gerade Linien und fuhr mit diesen im rechten Winkel auf die spanische Linie und teilte sie so in drei Teile. Noch heute fragt man sich, ob Nelsons Plan genial war oder eigentlich selbstmörderisch - sein Plan hätte auch schief gehen können!

    Die Schlacht begann morgens gegen 6 Uhr und dauerte rund elf Stunden. Fazit: 4'408 Tote und 2'545 Verletzte auf der spanischen/französischen Seite und 449 Tote und 1'243 Verletzte bei den Engländern. Tagelang wurden an der Küste Tote und Trümmerteile angespült, kaum ein Haus im Raum Cádiz, wo es nicht Tote zu beklagen gab. Alle Verletzten wurden aber in Cádiz versorgt und bekamen auch Geschenke und Gaben der Bevölkerung - egal ob Spanier, Franzose oder gegnerischer Engländer!
     
    #5 23. Oktober 2005
  6. Gast1692
    Gast1692 Guest
    #6 23. Oktober 2005
  7. Ibn Khaldun
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    Demjenigen, der sich das ganze noch nicht so richtig vorstellen kann, sei diese Animation (vom BBC) anempfohlen. Einfach "Play the game" klicken, dann fährt die Animation schon fast ab. Ein paar grundsätzliche Englischkenntnisse sollte man allerdings haben.
     
    #7 23. Oktober 2005
  8. Gast1692
    Gast1692 Guest
    Ich frage mich was waere gewesen wenn die Allianz zwischen Spanier und Franzsosen die Britten geschlagen haette.
    Waere Brittanien jetzt Franzsoesich?
    was haetten die Spanier davon gehabt?
    Freie fahrt nach Westindien?
    Gibraltar Español?
    Die macht über die 7 Meere?
    Was wäre mit dem Amis was hätten die dazu gesagt?
    Der Napoleon hätte uns Wahrscheinlich alle zu franzsosen gemacht!

    In den Webseiten der Marina Española wird viel von den Glorreichen Taten der spanischen Armada erwaehnt wie sie Westindien und den Pazifik unterwarfen und das Gold klauten,aber kein Wort von den Niederlagen am Ärmelkanal und schon garnix von der Niederlage vor Trafalgar.
    Wenn wir doch mal ne grosse Weltmacht waren wo ist denn das Ganze Gold etc. hin und wieso mussten soviele Spanier Hunger Leiden und mussten Auswandern,viele viele fragen die ich mir Teilweise selber Beantworten kann.Zum Glück sind die Zeiten der Ausbeuter vorbei

    un saludos a toos que le interesa,paquito
     
    #8 26. Oktober 2005
  9. Sidona
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    vor 200 Jahren haben die noch gar nicht viel gesagt... :roll:
     
    #9 26. Oktober 2005
  10. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Vorneweg: über alles, was in der Geschichte nicht passiert ist, kann man nur wage Mutmaßungen anstellen. Meistens vergisst man das eine oder andere Detail, was zu berücksichtigen wäre.
    GB hätte einer französischen Invasionsarmee sicher nichts entgegenzusetzen gehabt. Wenn es also zu einer Invasion gekommen wäre - eine Gefahr, die für GB nach Trafalgar nicht mehr bestand, aber zuvor real war - dann wäre es sehr wahrscheinlich zu einem Sieg Napoleons über die Briten gekommen. Ich gehe davon aus, dass Nappi den Briten einen neuen König - möglicherweise einen Verwandten - vorgesetzt hätte. Wie weit Pläne für einen Zeitpunkt nach einer erfolgreichen Invasion aber bestanden haben, weiss ich nicht. Ich glaube aber nicht, dass England eine Provinz Frankreichs geworden wäre, möglicherweise die englische Kanalküste. Aber wie gesagt, das ist nichts weiter als Spekulation.
    Von einer Invasion in GB vermutlich die Ausschaltung der britsichen Händler in ihren Kolonien, vermutlich wäre auch der Unabhängigkeitsprozess Lateinamerikas erst später in Gang gesetzt worden.
    Möglicherweise. Vielleicht auch Französisch
    Nun, dafür gab es auch andere Kandidaten. Hier aber ernsthaft drauf zu antworten wäre mir zu spekulativ.
    Wie Sidona schon sagte, die Amerikaner waren damals noch ziemlich mit sich selbst beschäftigt. Sie standen zudem den Franzosen ideologisch näher, als den Briten. Immerhin hatten sie sich gerade erst von diesen befreit.
    Zudem kaperten die Briten wegen der Franzosenfreundlichkeit der Amerikaner immer wieder amerikanische Schiffe, was 1812 - also zu dem Zeitpunkt, als die Verfassung in Cádiz gerade ausgerufen wurde - zu einem Britisch-Amerikanischen Krieg führte, der im Übrigen von beiden Seiten bis heute als Sieg postuliert wird.
    Das glaube ich nicht. Er hat, das ist wahr, die Grenze über die Pyrenäen bis an den Ebro verschoben, und den Spaniern in Bayonne eine Verfassung "gegeben", aber immerhin eine eigene Verfassung.

    Ein Antwort darauf kann Dir vielleicht das Gedicht Don Dinero von Quevedo geben.

    Poderoso caballero
    es don Dinero.

    [...]

    Nace en las Indias honrado
    donde el mundo le acompaña;
    viene a morir en España
    y es en Génova enterrado;
    y pues quien le trae al lado
    es hermoso aunque sea fiero,
    poderoso caballero
    es don Dinero.

    [....]

    Dazu kommt noch die Vertreibung von Mauren und Juden aus Spanien, und, dass v.a. im 16. Jhd in Spanien kaum noch gearbeitet wurde - außer von den Morisken und den Indios in den Kolonien.
     
    #10 27. Oktober 2005
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