Mythos 'Reconquista'

Dieses Thema im Forum "Spanische Kunst & Geschichte" wurde erstellt von Ibn Khaldun, 10. Oktober 2004.

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  1. Morayma
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    [quote="Sidona] Pedro Ximénez-Sherry aus einer Traube gemacht wird, die seinerzeit ein deutscher Soldat namens Peter Siemens vom Rhein einführte.[/quote]

    Da gibt es wohl so viele Versionen wie Pedro-Ximénez-Flaschen :wink:

    1° Pedro Ximénez sei ein spanischer Soldat gewesen, der die Rebe im 17. Jahrundert aus den Niederlanden nach Spanien gebracht habe

    2° Pedro Ximénez, Soldat unter Carlos V. im Dreißigjährigen Krieg, habe die Rebe aus Deutschland mitgebracht und ihr seinen Namen gegeben.

    3° ein Pedro Ximénez soll die Rebe von den Kanarischen Inslen mitgebracht haben...

    4.° achja: besagt Pedro Ximénez Nr. 2 habe sich eigentlich Jiménez geschrieben. Da er im Streit eine aufs Maul bekam und ihm daraufhin etliche Zähne ausfielen, nuschelte er wohl etwas.....deswegen schrieb der Heeresschreiber seinen Namen mit X statt mit J..... :wink:


    Die Ximénez - der Name ist übrigens häufig in Medina-Sodonia zu finden - scheinen ganz schön in der Welt herumgekommen zu sein :D


    Saludos
    Morayma
     
    #11 27. Juni 2005
  2. Morayma
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    Die Kelten, die sich ja auch lange in Spanien herumtrieben :wink: sollen sehr groß, blauäugig und dunkelhaarig gewesen sein, erzählte mir einmal ein Spanier.

    Ist Ibarra nicht ein galicischer Nachnahme?


    Saludos
    Morayma
     
    #12 27. Juni 2005
  3. Morayma
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    Da schließe ich mich Deiner Meinung vollkommen an, Ibn Khaldun. Nach rund 800 Jahren von "Rückeroberung" zu sprechen, halte ich für nichts anderes als einen Reklametrick der Kirche und, wie Du sagst, eine Rechtfertigung des Krieges.

    Selbst heute wird ja in den Schulen die wichtige Rolle, die die andalusischen Mauren für die europäische Kultur spielten (Medizin, Eßkultur, Philosophie, etc., etc.) immer noch totgeschwiegen :cry:

    Nach wie vor wird der Eindruck erweckt, die bösen, heidnischen!! Mauren hätten die guten Christen überfallen, geknechtet und unterdrückt, woraufhin die Christen umgehend, angeführt von König Pelayo (der ja anscheinend gar kein König war) mit der Rückeroberung begannen.

    Nach meiner Meinung wird leider bei diesem Thema immer noch sehr viel Geschichtsfälschung betrieben.

    Daß die Zeit der Mauren in Andalusien für Europa eigentlich eher ein Segen war, ist vielen ein Dorn im Auge....

    Saludos
    Morayma
     
    #13 27. Juni 2005
  4. Sidona
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    Naja - rund um den Sherry gibt es natürlich viele Varianten. Die Peter Siemens-Version wurde mir in der Bodega Domecq erzählt.

    ich kenne jedenfalls keinen - und im Telefonbuch steht auch niemand mit diesem Namen :shock: - typische asidonenser Namen sind Marchante, Collantes, Acevedo - und natürlich Pérez.
     
    #14 27. Juni 2005
  5. Morayma
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    Re: Antwort an "Ibn Khaldun" zum Eintrag vom 22.10

    Es wäre interessant zu untersuchen, wie christlich die "Spanier" zum Zeitpunkt des Beginns der Maurenherrschaft wirklich waren. Als die Westgoten 583 den spanischen Nordwesten eroberten, was fanden sie dort vor? Christen????
    Erst 587 trat der westgotische König, bis dato Arianer, zum Katholizismus über. Sehr christlich verhielten sich die westgotischen Herrscher in Spanien ohnehin nicht. Kaum einer ihrer Könige starb eines natürlichen Todes. Zeitweise riefen sie sogar Muslime zu Hilfe in ihren Fehden untereinander. Die einheimische Bevölkerung und die Juden wurden grausam unterdrückt.
    Wenn die Einwohner Spaniens unter den Westgoten die Mauren als feindliche Invasoren angesehen hätten, hätten sie wohl kaum als Nicht-Muslime deren Sprache, das Arabische, so schnell gelernt.

    ZU der Toleranz der maurischen Herrscher wäre zu sagen, daß diese nicht als tolerante Liberalität verstanden werden darf. Der Status der Nichtmuslime ist unter islamischer Herrschaft per Gesetz fest definiert. Das Gesetz sagt, wer nicht konvertiert, bliebt als dhimmi Bürger und Schutzbefohlener des maurischen Staates. Er bekommt Gemeinderecht und kann seine Religion frei ausüben, sofern dadurch muslimische Belange nicht gestört werden. Das traf im al-Andalus vor allem auf Juden und Christen zu.

    Allen Chroniken gegenüber, die erst Jahrhunderte nach den Ereignissen abgeschlossen wurden, bin ich grundsätzlich mißtrauisch. Die Möglichkeit de Falschinterpretation ist einfach zu groß (siehe z.B. die Bibel)

    Mir erscheint die Theorie, daß die "christliche Reconquista" von Anfang an zielstrebig geplant war, unhaltbar. Dem widerspricht schon die Tatsache, daß das frühe Christentum weder so monolithisch noch so repressiv war wie zu seiner "Blütezeit" im hohen Mittelalter (ab etwa 1100) und in der frühen Neuzeit.
    Der zitierte Satz aus der Chronik atmet m.E. auf keinen Fall den Geist des frühen Mittelalters, sondern viel eher den des Hochmittelalters. Chronisten unterliegen allzu oft der Versuchung, eigene Interpretationen einzubringen.


    Saludos
    Morayma
     
    #15 27. Juni 2005
  6. Morayma
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    Schau mal unter http://alfaro.genealogica.net/ximenezalfaro.html

    Das ist recht interessant zu lesen. Die Ximénez tauchten nach der Reconquista Ende des 13. Jahrhunderts und vermehrt Ende des 16. Jahrhunderts in Medina-Sidonia auf...und vermehrten sich reichlich :wink:

    Und unter Jiménez , der heute verbreiteten Schreibform, fand ich in Medina-Sidonia im Internet auf Anhieb mehr als 15 Namen im Telefonbuch...

    Saludos
    Morayma
     
    #16 27. Juni 2005
  7. Sidona
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    Jiménez ist ja ein recht häufiger Name in Spanien und 15 bei einer Einwohnerzahl von 10'000 würde ich jetzt nicht unbedingt als "typischer Name vom Ort bezeichnen" :roll:
     
    #17 27. Juni 2005
  8. Morayma
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    Bei einer Einwohnerzahl von 10.778 (Stand 15. Mai 2005) wären 15 Jiménez nicht soooo viele.

    Aber ich habe ja im Telefonbuch geschaut:
    In Medina-Sodonia gibt es 2.393 Telefonanschlüsse.

    Davon sind insgesamt:
    42 auf Jíménez angemeldet, 31 auf Marchante, 22 auf Collantes, keiner auf Acevedo und 101 auf Pérez....

    Pérez ist sozusagen der andalusische "Maier" :wink: In Cádiz gibt es 777 Pérez im Telefonbuch, in Madrid 16.801, in Malaga 2.946, in Almería 879, in Jérez de la Frontera 990, in Sevilla 3.480....


    Saludos
    Morayma


    P.S. ohne Gewähr sagt die Telefónica :wink:
     
    #18 27. Juni 2005
  9. Sidona
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    naja, ich muss ehrlich sagen - ich habe in meine Leben eigentlich interessanteres zu tun wie die Jiméneze im Telefonbuch zu zählen... :roll:
     
    #19 28. Juni 2005
  10. Ibn Khaldun
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    Sehr geehrter Herr Dr. Bronisch,
    leider hatte ich aus Zeitgründen nicht die Möglichkeit, Ihr Buch über die ersten Kapitel hinaus zu studieren, bevor ich es abgeben musste. Es steht aber nach wie vor auf meiner Leseliste. Dass ich aus Ihrem Buch zitiert habe, war spontan, und weil es m.E. gerade zum Thema passte.
    Ich danke Ihnen für die wertvollen Literaturtipps, die ich mir bei Gelegenheit zu Gemüte führen werde.
    Aber widerspricht das denn dem, was ich geschrieben habe (s.u.)? Ich denke nicht. Allerdings weiß ich natürlich nicht, aus welcher Quelle Ibn `Idârî zitiert, oder ob er Fernando die Worte selber in den Mund gelegt hat (argumentiere also im Folgenden ein bisschen in der Luft hängend). Gesetzt dem Fall, Ibn `Idârî hat Fernando die Worte selber in den Mund gelegt und keine zeitlich nähere Quelle dafür, dann spiegelt diese Passage in seinem Werk eben den Zeitgeist des 14. und nicht des 11. Jahrhunderst wider.
    Wie die Lehre in Spaniens Schulen aussieht, kann ich nicht beurteilen. Meine Erfahrung und mein Eindruck vom öffentlichen Leben ist aber die, dass man heute auf das maurische Erbe Andalusiens und Spaniens stolz ist. Widersinnigerweise sind die moros in breiten Bevölkerungskreisen dennoch (latent) verhasst.
    Bei einigen – eher esoterisch veranlagten Menschen – führt der Stolz auf das maurische Erbe sogar soweit, dass man heute meint, die bösen katholischen Nordspanier hätten die maurischen Vorfahren – von denen man selbst natürlich abstammt – unterdrückt.
    Aber zumindest von der Seite der Behörden und der wissenschaftlichen Institutionen findet m.E. keine Geschichts(ver)fälschung statt. Daher kann ich mir solches auch nicht von den Schulen vorstellen.
     
    #20 28. Juni 2005
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