Film „Goyas Geister“

Dieses Thema im Forum "Spanische Kunst & Geschichte" wurde erstellt von Moganera, 26. November 2006.

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  1. Moganera
    Moganera Member
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    Film „Goyas Geister“
    Ich habe vor ein paar Tagen mit einem Freund, der Goyas Leben und Werk sehr gut kennt, zusammen den Film „Goyas Geister“ gesehen und wir waren beide sehr beeindruckt. Der Film zeigt nicht (nur) einen Teil des Lebens von Goya, sondern vor allem die schreckliche Zeit der Inquisition und die schlimme Rolle, die die Kirche dabei gespielt hat. Dass sich die katholische Kirche über diesen Film noch nicht empört geäußert hat (so wie bei „Sakrileg“), erstaunt mich, denn was in diesem Film gezeigt und gesagt wird, läßt an Deutlichkeit wirklich nichts fehlen. Ich finde, der Film ist sehr wehenswert, nicht zuletzt durch die beiden Hauptdarsteller Stellan Skarsgård als Goya und Javier Bardem als Mönch Lorenzo.
    Wenn ihr könnt, seht ihn euch an!
    Saludos de Hamburgo
    Moganera
     
    #1 26. November 2006
  2. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Da ich den Film noch nicht gesehen habe, will ich mich mal mit Urteilen über die dargestellte spanische Inquisition zurückhalten. Ich weiß nur, dass in dem Film das Frankreich-Exil Goyas ca. 20 Jahre nach vorne verschoben wird. Der Regisseur, Milos Forman, greift wohl öfter historische Stoffe auf, die er dann im Film ungenau umsetzt.

    Die unterschiedliche Einstellung der Kirche zu beiden Filmen kann verschiedene Gründe haben. Sakrileg ist nichts weiter als ein überaus fiktiver Roman, dessen Autor behauptet, das alles sei nicht erfunden. (Verkauft sich besser.) Und es ist wirklich erstaunlich, wie viele Menschen ihm diese Geschichte abnehmen. :shock:
    Dass die Kirche sich nicht auch noch Sünden auf den Buckel binden lassen will, die sie nie begangen hat, das kann ich gut verstehen.

    Bei der Spanischen Inquisition ist das anders. Erstens ist sie grundsätzlich ein Faktum. Gegen die Darstellung historischer Ereignisse kann sich die Kirche kaum wehren wollen. Zumal sie spätestens unter Johannes Paul II. um Verzeihung für ihre Amtsträger gebeten hat, welche sich im Namen der Kirche an Verbrechen beteiligt haben (manchen Kirchenkritikern ist das nicht genug...).
    Zweitens aber betrifft die Spanische Inquisition Rom mehr in der britischen und deutschen Geschichtsauffassung (was wiederum im historischen Verhältnis zwischen GB bzw. dem preußisch regierten Deutschland mit dem Vatikanstaat liegt), als in dem Geschichtsbild katholischer Länder: die Spanische Inquisition wurde zwar von Priestern ausgeführt, diese waren aber nicht dem Vatikan, sondern dem spanischen Königshaus Rechenschaft schuldig. Ihre Argumentation war mehr eine juristische, als eine theologische und die Inquisition war mehr ein Instrument der Nationsbildung (Stichwort: Limpieza de Sangre). Während die Römische Inquistion eigentlich darauf bedacht war, möglichst viele Menschen unter dem Dach der Kirche zu halten, sortierte die Spanische Inquisition Protestanten, Juden und Muslime bzw. solche, die als heimlich praktizierende Juden oder Muslime schulduig gesprochen wurden, aus.

    Es kann aber auch durchaus sein, dass die Amtskirche nur noch nicht auf diesen Film aufmerksam wurde.
     
    #2 27. November 2006
  3. Morayma
    Morayma New Member
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    Was ihn nicht hinderte, Isabela la Católica heilig sprechen zu wollen. :shock: Auf das Betreiben von Isabela I. und Fernando II. wurde 1478 die spanische Inquisition offiziell eingerichtet. Die spanische Inquisition lag, wie Du richtig schreibst Ibn Khaldun, beinahe vollständig in der Hand der Monarchen. Die römische Kurie hatte auf ihren Verlauf nur einen sehr begrenzten Einfluss. Unter der napoleonischen Herrschaft von 1808 - 1812 wurde die Inquisiton in Spanien abgeschafft. Fernando VII. setzte sie 1812, als er wieder an die Macht kam, flugs wieder ein. 1834 wurde die Inquisition in Spanien endgültig abgeschafft.

    Ich finde es etwas irreführend zu behaupten, die spanische Inquisition sei ein Instrument der Nationbildung gewesen. Der Begriff Nation Als Selbstbezeichnung für ein Volk mit politisch-staatlicher Einheit gewinnt in Europa erst im 16. Jahrhundert an Bedeutung, die sich im 18. Jahrhundert dann mit der französischen Revolution in Europa verbreitet.

    Wohl aber existierte in Spanien der Nationenbegriff als religiöser Zusammenschluss (Religionsstaat, Staatsreligion). Die gemeinsame katholische Religion war das konstituierende Element für die katholische, spanische Nation.

    Irgendwelche Frei- oder Andersdenker wie Muslime, Juden oder Protestanten, hatten da nichts zu suchen.

    Was aber das wichtigste ist: Spanien hat als erstes Land mit der Inquisition Rassismus und ethnische Säuberung in grossem Stil betrieben. Die systematische Vertreibung und Ausrottung von vermeintlich nicht dazugehörigen, fremden Menschen ist nichts anderes.
    Der Beginn der "rassistischen Zeitrechnung" wird von Rassismusforschern mit der Geschichte Spaniens und dem Jahr 1492 verknüpft.


    Saludos
    Morayma
     
    #3 27. November 2006
  4. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Ich will das jetzt nicht in Abrede stellen, habe aber bei einer kurzen Recherche nur gefunden, dass sie 1953 vorgeschlagen wurde und das Verfahren 1973 eingestellt wurde. Andererseits hat JPII ja so ziemlich alle und jeden heilig gesprochen, ...

    Kleine Korrektur: 1814. Im Übrigen war sie nicht nur nach dem Code Napoleon abgeschafft, sondern auch nach der Verfassung von Cádiz, die seinerzeit das modernste war, was Europa aufklärerisch-politisch zu bieten hatte - wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass es hier französische Einflüsse gab.

    Nun, von 1478, ausgehendes 15. Jahrhundert, bis zum 16. Jahrhundert ist es nicht weit, nicht wahr? Philosophische und politische Konzepte hängen zwar häufig mit den dazugehörigen Worten zusammen, denn ein Konzept existiert nur dann, wenn man es auch formulieren kann, aber ich glaube wir können hier getrost von Nationsbildung sprechen, denn es ging ja darum, eine Einheit zwischen den politisch getrennten und vorwiegend durch die Heirat der RRCC schwach vereinten Königreiche Spaniens zu erzwingen (man bedenke nur, nach Isabels Tod wäre diese Einheit um ein Haar wieder zerbrochen, ein Grund, der für die These von der Ermordung Philipps des Schönen spricht). Letztlich kommst auch Du nicht um den Begriff Nation herum.

    Mit dieser Formulierung bin ich nicht einverstanden. Muslime, Juden und Protestanten waren nicht einfach Freidenker. Sie waren aus der damaligen Wahrnehmung eine Gefahr für den Staat. Wer wusste denn, ob es nicht eine neue Invasion der "Mauren" gäbe? Muslime und Juden galten da als "fünfte Kolonne", die Muslime, weil sie die Befreiung von seiten ihrer Glaubensbrüder erhofften - ob real oder nur in der Vorstellung der katholischen Spanier sei dahingestellt - und die Juden, weil sie den Muslimen schon 711 geholfen hatten (dies war bekannt). Und die Protestanten konnten besonders in England ihre Schutzmacht sehen und England und die Nordafrikaner waren zudem in freibeuterische Aktionen und Piraterie verwickelt. Und gerade der Protestantismus hat einige recht radikale Strömungen gekannt. Echte Freigeister dürften die wenigsten und privilegiertesten gewesen sein.
     
    #4 29. November 2006
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