Der Weg Boabdils ins Exil

Dieses Thema im Forum "Spanische Kunst & Geschichte" wurde erstellt von ibn panadero, 19. Oktober 2005.

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  1. ibn panadero
    ibn panadero Gesperrt
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    Der Weg Boabdils ins Exil
    Dieser Thread bezieht sich auf Wieder Granada, wieder ein Traum! Ans Meer nach Salobreña, den Katherina eröffnet hat. Auf Wunsch habe ich die Diskussion über den Weg Boabdils ins Exil abgetrennt. Leider konnte ich hier keinen Beitrag vorsetzen, weshalb ich nun im Beitrag von Ibn Panadero diese Erklärung vorneweg setzen muss. Ibn Khaldun, in moderierender Funktion :wink:

    *räusper* zumindestens steht dort das Schild. Die Geschichte selber ist ja schon etwas unglaubwürdig, aber diesen Weg wird Boabdil wohl kaum genommen haben. Eher könnte er die Strecke über Cumbres Verdes genommen haben - und wer dort anhält und den letzten Blick auf Granada wirft, braucht kein Reich zu verlieren, um einen Seufzer auszustoßen. Man hat einen Überblick über die komplette Vega, ich empfehle das dringend sowohl tagsüber als nachts durchzuführen. Der panadero vom ibn setzte sich einfach nur hin vor lauter umgeworfen sein. ;-)

    grüsse
     
    #1 19. Oktober 2005
  2. Morayma
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    Re: suspiro

    Ob das die Stelle ist, die u.a. im Artemis Kunst-&Reiseführer Andalusien 1988 als "La Cuesta de las Lágrimas" beschrieben wird?

    Boabdil soll am Río Genil entlang in Richtung Alpujarras gezogen sein und von einer Höhe unterwegs bei einem letzten Blickes auf die Alhambra geweint haben.
    Daraufhin soll seine Mutter Aischa ihn angeherrscht haben " Du tust wohl, dass du wie ein Weib beweinst, was du als Mann nicht verteidigen konntest".

    Saludos
    Morayma
     
    #2 20. Oktober 2005
  3. ibn panadero
    ibn panadero Gesperrt
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    Boabdil

    @Katharina:

    Gewissermaßen ;-)

    Außer den Namen ist diese Geschichte eine reine Legende. In dieser Fassung kommt hinzu, daß zum Zeitpunkt seines "Auszuges" die entsprechende Strecke zugeschneit war, lediglich die Strecke Cumbres Verdes - Lanjaron war benutzbar. Nachdem man das erkannt hat, verlegte man das Ereignis auf eben diesen Punkt an der heutigen A44, die allerdings zu Boabdils Zeiten stark bewaldet = viel zu gefährlich war. Zum Rest der story sei angemerkt, daß Boabdil nicht erwarten konnte in Arabien mit offenen Armen empfangen zu werden und somit die Aufgabe der Alhambra gleichzeitig sein Todesurteil war, statt aber um sein Leben zu kämpfen (die Alhambra wäre leicht verteidigbar gewesen) hat er lieber seine Leute und Kultur gerettet. Auch wenn Aisha wohl eine nicht sehr nette Frau war, ist es unglaubwürdig ihrem Sohn diesen Spruch 'reingedrückt zu haben.

    grüsse
    [/quote]
     
    #3 20. Oktober 2005
  4. Morayma
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    Re: Boabdil

    Sicher ist das eine Legende. Aber ich wollte nur wissen, ob das was Du beschrieben hast die "Cuesta de las Lagrimas ist". Den Puerto del Suspiro del Moro findet man auf der Landkarte. Die "Cuesta de las Lagrimas" habe ich nicht gefunden...

    Saludos
    Morayma
     
    #4 21. Oktober 2005
  5. ibn panadero
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    Da ich den entsprechenden Reiseführer hier nicht vorliegen hab' kann ich dir schlecht weiterhelfen. Die angegebene Beschreibung führt aber schon nach kurzer Strecke in's Nichts, bzw. unwegsames Gebiet. Da kommt noch der Sacromonte und dann wird es schwierig. Aber ich kann ja mal 'rumhorchen.

    grüsse
     
    #5 24. Oktober 2005
  6. Ibn Khaldun
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    Der Meinung bin ich auch. Aber sie taucht überall auf, von Washington Irving über Heinrich Heine bis zu Salman Rushdie und in jedem Reiseführer.
    Woher weißt Du das? Dass es Anfang Januar in und um Granada Schnee gibt, ist ja nichts überraschendes, aber woher weißt Du, dass dies im Januar 1492 so war? Und, müssten die Cumbres Verdes nicht viel eher verschneit gewesen sein, als die Vega, wenn es denn tatsächlich Schnee gegeben hat?

    Nachdem man was erkannt hat?
    Wer hätte Boabdil schon außer den Truppen der RRCC gefährlich werden können? Auch er hatte Gefolge und war garantiert nicht ohne Soldaten unterwegs.
    Ich halte auch den Weg von Granada nach Mondújar (wenn man diesen Ort als Etappe ins Kurzzeit-Exil Boabdils in Andaraš annimmt, weil er dort die Überreste seiner Vorfahren habe hinbringen lassen) über die Cumbres Verdes für zu beschwerlich (wozu über das Gebirge, wenn man durch die Täler dorthin kommt?). Einen Grund über die Cumbres Verdes zu ziehen, sehe ich aber durchaus ein: eben um noch einmal einen Blick auf die Stadt von erhöher Postion werfen zu können.

    Naja... es ging ihm in Fas soweit ganz gut, wie seine Paläste dort eindrucksvoll zeigen. Und seinen Tod soll er als ein Gefolgsmann der Meriniden in einer Schlacht gefunden haben.
    Dass die Alhambra leicht zu verteidigen gewesen wäre, dem möchte ich auch nicht unbedingt zustimmen. Zum einen war Granada gegen Ende des zehnjährigen Guerra de Granada am Rande des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. In der Vega saßen die RRCC und kontrollierten diese und auch das restliche Umland war in deren Händen. Eine Versorgung der Stadt war nicht mehr gewährleistet. Zusätzlich war die Festung für eine mittelalterliche Kriegsführung ausgebaut, nicht für eine Kriegsführung mit Artillerie, welche die RRCC schon mit sich führten. Diese hatte sich zwar noch nicht endgültig durchgesetzt, wurde aber durchaus benützt. Ich denke, gerade vom Cerro del Sol aus, wäre auch die Alhambra angreifbar gewesen. Ganz abgesehen davon, dass auch innerhalb der Stadt Bürgerkrieg in der Luft lag.

    Edit: mein Tonfall klingt ein wenig scharf, das ist aber nicht so gemeint, also bitte nicht missverstehen. :D
     
    #6 25. Oktober 2005
  7. Morayma
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    Als ich Mitte Dezember 2004 in Granada und den Alpujarras war, herrschte dort eitel Sonnenschein und strahlend blauer Himmel. Am Tag stieg das Thermometer um die Mittagszeit auf satte 25 Grad. Nachst war es allerdings recht kühl. Nur in der Sierra Nevada lag Schnee...

    Unter http://www.alqueriamorayma.com/morayma.htm fand ich folgende Geschichte:

    Boabdil zog mit Mutter Aischa, Ehefrau Morayma und den beiden Söhnen Ahmed und Yusef in die Señorio de la Alpujarra bei Andarax, die ihm von den Katholischen Königen zugestanden worden war. Dort lebte er einige Zeit.
    Im Sommer 1493 hätten die Reyes Católicos entgegen der Vereinbarung Boabdil und seine Familie ausgewiesen. Morayma starb kurz vor der Abreise und wurde in der Mezquita von Mondújar begraben. Boabdil zog nach Marokko, wo er 1527 in einem Krieg fiel.

    Wie weit das historisch belegbar ist, habe ich nicht nachgeprüft.

    Trotzdem ist meine Frage noch nicht beantwortet: In dem von mir genannten Andalusienführer werden sowohl der "Puerto del Suspiro del Moro" als auch "La Cuesta de la Lagrimas" angegeben. Allerdings als zwei verschiedene Stellen. Und letztere habe ich bisher nicht ausfindig machen können.


    ¡Si yo pudiera, Boabdil,
    devolverte la mirada,
    con todas sus flores vivas,
    sin cruces y sin espadas,
    sin Isabel ni Fernando,
    sin el agua encarcelada!

    ¡Si yo pudiera, Boabdil,
    devolverte la mirada...!
    Yo lloraría contigo
    si la historia me dejara,
    lloraría siete siglos
    hasta que el llanto estallara...

    ¡Si yo pudiera, Boabdil,
    devolverte la mirada,
    como el agua libre y limpia
    por la vega de Granada!

    José Gilabert


    Saludos
    Morayma
     
    #7 25. Oktober 2005
  8. Ibn Khaldun
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    Ich glaube nicht, dass die Cuesta de la Lágrimas eine "Adresse" ist. Wenn du das Stichwort mal bei google eingibst, bekommst Du hauptsächlich Hinweise auf Washington Irving, oder sehr unkonkrete Informationen zu den Ereignissen im Januar 1492. Ich denke daher, dass der Begriff "Cuesta de la Lágrimas" auch von WI stammt.

    http://gutenberg.spiegel.de/irving/alhambra/alham13.htm

    Die Ermita de San Sebastián liegt heute "mitten" in Granada, und zwar am Paseo de Violón, wenn man von der Stelle, an der der Camino de Ronda den Genil überquert, auf der jenseitigen Seite der Alhambra Richtung Alhambra geht.
    Nach WI gehören die Cuesta de las Lágrimas und der Último Suspiro zusammen.
     
    #8 25. Oktober 2005
  9. Morayma
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    Washington Irvings Buch kam 1832 das erstemal heraus. :shock:

    Mein Artemis Reiseführer von Gustav Faber aber erst 1988 :wink:

    Da steht auf Seite 193(Zitat): "...Der enttrohnte Mauernkönig nahm seinen Weg mit Mutter und Gemahlin zum Alpujarra-Gebrige in den Süden. Von einer Höhe unterwegs warf er einen letzten Blick auf die Alhambra; der Ort heißt La Cuesta de las Lagrimas ........Ein anderer Punkt auf der Route zum Gebirge, in dem Boabdil noch eine Zeitlang zubrachte, trägt den Namen "El último Suspiro del Moro."

    Das unterstützt doch eher Deine Theorie, das die Cuesta de las Lagrimas auf oder bei den Cumbres Verdes sein könnte, oder? Auf der Cuesta de la Lagrimas soll er den letzten Blick auf Granada geworfen und geweint haben. Hier soll ihn auch Aischa angeherrscht haben. So steht´s bei Faber....

    Am Puerto del último suspiro del Moro habe er vor Kummer nur geseufzt :wink:

    Saludos
    Morayma
     
    #9 25. Oktober 2005
  10. Ibn Khaldun
    Ibn Khaldun Member
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    Das war nicht meine Theorie, sondern die von meinem Namensvetter mit dem privaten Leibbäcker, Ibn Panadero.

    Um ehrlich zu sein: ich find WI insgesamt recht langweilig. Bei ihm haust in jeder verlassenen Zigeunerhöhle, in jedem Erdloch und unter jeder Turmruine der Alhambra (wir müssen bedenken, dass die Alhambra als er dort war etwa 300 Jahre Zerfall und die Besatzung der Franzosen hinter sich hatte, die einen Turm gesprengt haben) ein Maure oder maurischer Geist, der nur darauf wartet, in einer Vollmond-, Neumond- oder auch Halbmondnacht :wink: durchs Land zu reiten und das alte al-Andalus wieder auferstehen zu lassen. Wahlweise sind es auch Eingänge zu Höhlensystemen, in denen man die Schätze der Mauren wiederfindet, und wo des Nachts rauschende Feste gefeiert werden. Das zieht sich durch das ganze Buch. Weshalb es ein Bestseller ist? Keine Ahnung.
     
    #10 25. Oktober 2005
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