Der spanische Bürgerkrieg

Dieses Thema im Forum "Spanische Kunst & Geschichte" wurde erstellt von v.h.b., 25. Februar 2013.

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  1. Helen
    Helen New Member
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    nicht nur die Gewalt betrachten

    Die internationalen Brigaden kamen um die gewählte Republik zu unterstützen, die unrechtmäßig von den Franco-Anhängern angegriffen und vom Ausland, z.B. Großbritannien und Frankreich im Stich gelassen wurde!
    Die Gründe sind u.a. in meinem obigen Zitat aus der "Zeit" nachzulesen.
    Man kann spekulieren ob heute Nato-Truppen eingegriffen hätten....siehe Syrien....wohl auch nur, wenn es ihren Interessen dient.

    Die Kämpfer bei den Internationalen Brigaden waren großenteils im Kriegshandwerk unerfahren, dafür sehr idealistisch. Sie wollten eine gerechte Sache unterstützen. Leider gab es diese Spaltung in Anarchisten und Kommunisten, die ich aber andererseits auch verständlich finde.
    Man kann schließlich gegen eine rechte Diktatur sein, ohne sie gegen eine linke Parteidiktatur marxistisch leninistischer Art eintauschen zu wollen.
    Trotzdem hätten sie sich gegen Franco wohl erstmal zusammenraufen sollen, diesen Fehler haben hinterher viele Anarchisten bedauert.
    Andererseits, wenn ein Kommunist die Auslieferung von für die anarchistische Brigade bestimmten Waffen davon abhängig macht, ob der CNT-Führer dafür erst die Mitgliedskarte der kommunistischen Partei annimmt, kann ich dessen Unmut darüber auch verstehen. ("Blood of Spain" Ronald Frazer zitiert in Cees Nooteboom "Der Umweg nach Santiago"). Aufgrund des schlechten Timings dieser internen Auseinandersetzung siegten die Franco-Truppen in Teruel, was ihnen sehr weiterhalf - und die Republikaner waren gespalten.
    Ein italienischer Kommunist, der mitkämpfte, fand diese letztlich selbstzerstörerische "Sturheit und koste es das Leben" der linken Gruppen übrigens typisch spanisch...:not:
    Er hätte die Mitgliedkarte erstmal genommen, damit es weitergeht, ist ja nur Papier, später sieht man schon....italienische Lebenskunst?

    Die Anarchisten hatten letztendlich wenig Chancen, so wie sich die Sache darstellt.
    Die Sowjetunion hätte - und hat entgegen anfänglichen strategischen Bedenken schließlich doch noch - nur die Kommunisten unterstützt und die sozialen Errungenschaften der Anarchisten ebenso wie die Rechten zunichte gemacht. Sie wollten letztendlich ein kommunistisches Spanien nach ihrer Prägung.
    Die kapitalistischen Westmächte wiederum hätten die Anarchisten mindestens ebensowenig unterstützt.
    Bei den Internationalen Brigaden hatten sie noch die meisten Sympathisanten.

    Ich finde eine gewisse Verbitterung und dann auch Verzweiflung bei den Anarchisten sehr nachvollziehbar.

    Immer wieder habe ich den Eindruck, das bei diesem Krieg, der ja auch eine Revolution war, mehr als bei anderen fast ausschließlichauf dem "Blutvergießen beider Seiten" herumgeritten wird. Zum Beispiel in diesem Buch "Blood of Spain".
    Es ist aber nun mal, so schrecklich es auch ist, nichts Neues, dass in Kriegen und Revolutionen Blut fließt, auch wenn viele das ursprünglich garnicht beabsichtigten, entsteht meist eine Eigendynamik.
    Ich höre nie, dass jemand der Französischen Revolution, die von beiden Seiten alles andere als unblutig war, ihre historische Legitimation abspräche. Oder den Bauernkriegen in Deutschland (von Luther mal abgesehen...).
    Das sind nur zwei Beispiele von vielen. Wir sehen heute die Revolutionäre von damals im Recht, auch wenn sie Blut vergossen haben.
    Was haben die Revolutionäre in Spanien Schlimmeres getan als andere Revolutionäre, warum wird der Spanische Bürgerkrieg anders betrachtet? Warum weigert man sich die positiven gesellschaftlichen Ansätze, Experimente, Errungenschaften die die Anarchisten schließlich auch bewirkt haben (länger hat man sie schließlich nicht gelassen) zur Kenntnis zu nehmen und lenkt durch ewiges Hervorheben der Greuel davon ab, als ob zum ersten Mal bei einem "Revolutionskrieg" Blut geflossen wäre?
    Dabei ist das und nicht das leider geschehene Blutvergießen der wirklich interessante Teil der Sache, politisch gesehen. (Unabhängig davon muss da menschlich natürlich viel Trauer verarbeitet werden auf beiden Seiten, auch da sollte man aber die ganze Wahrheit und die Hintergründe wissen wollen.)


    Okay, wir sind entsetzt, auch die "Guten" haben Blut vergossen - und nun?
    Mich würde die Alternative, und es wäre wirklich schön, wenn es eine gäbe, interessieren, da man eben (Gandhis gibt es eben nicht so oft) das Blutvergießen bei Aufständen, Revolutionen leider nicht ausschließen kann.
    Es aussitzen bis die Vertreter eines alten ungerechten und reformunwilligen Systems irgendwann ein bisschen Bereitschaft zeigen ein paar soziale und politische Missstände zu ändern?

    Die Zeiten ändern sich durch den technischen Fortschritt und die Globalisierung heute schneller als früher. Da muss ein Regierungssystem flexibel sein und Anpassungen, "updates" sozusagen, vornehmen um den Bedürfnissen des Volkes noch zu (Computer sind irgendwie sehr weise ;))entsprechen. Das sieht man gerade sehr schön an den Protesten in der Türkei.
    Eigentlich keine Zeit für Machteliten sich häuslich einzurichten.

    Jetzt habe ich aber einen Punkt, wo ich die Konservativen ausnahmsweise mal etwas verstehe: die Zeiten ändern sich heute manchmal einfach zu schnell und man hat Angst dass bei all dem Wirbel Wichtiges verlorengeht, was auch oft (vorrübergehend...?) geschieht. Andererseits ist aber viel Wichtiges auch noch nicht erreicht.


    Helen
     
    #61 4. Juni 2013
  2. v.h.b.
    v.h.b. New Member
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    Vor 75 Jahren endete der spanische Bürgerkrieg

    Am 1. April 1939, vor 75 Jahren endete der spanische Bürgerkrieg.

    Nur zur Erinnerung!
    Am 1. April 1939 endete der spanische Bürgerkrieg, welcher fast 3 Jahre dauerte und zahlreiche Menschenleben auf beiden Seiten forderte, mit dem Sieg der nationalen Truppen unter General Francisco Franco.

    v.h.b.
     
    #62 1. April 2014
  3. Meckerer
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    Besser: nienaks davon sprechen, immer daran denken.....
     
    #63 9. April 2014
  4. finorico
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    Das nennt man Kopf im Sand zu haben.
    Erhöht die Dämmung von Schallwellen oder Nachahmung der Mehrheit
    Bringt aber enorme Vorteile!! Man wird evtl. nicht belästigt mit sowas.
    In eine Schublade wird man trotzdem gesteckt, Sollte man sich dazu äußern.
    :):)
     
    #64 10. April 2014
  5. Helen
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    Wie kann man hier nur Faschisten und Republikaner gleichstellen?

    So lange Beiträge wie meinen obigen von 2013 liest vermutlich kaum einer, wie es den Anschein hat. Ganz allgemein wäre aber ein bisschen mehr Informiertheit r bei dem Thema auf einer Spanien-Seite nicht schlecht...
    Mich erschreckt wie hier die Tendenz herrscht beide Seiten, Republikaner und Faschisten gleichzustellen, nur weil beide Gewalt angewendet haben. Habe gehört, dass das bei Kriegen und Revolutionen nicht ungewöhnlich ist. Vor allem, wenn eine Seite von Inhabern und Verteidigern alter unrechtmäßiger Privilegien - in Spanien herrschten vor dem Krieg noch weitgehend feudale Verhältnisse! - an diesen mit Gewalt entgegen jeder historischen Entwicklung festhält, wobei auch die Kirche stets half.
    Diese alten Privilegien wollte die von Franco vertretene Eliteschicht sich nicht nehmen lassen.
    Auch nicht von einer vom Volk demokratisch gewählten Regierung.
     
    #65 12. April 2014
  6. Helen
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    (Fortsetzung siehe oben, hatte den Beitrag versehentlich beendet.)
    Wer sich mit Gewalt wehrt ist nicht ebenso schuld wie der Angreifer und wenn dabei alte angestaute Wut gegen jahrhundertelange Unterdrückung durch diesen Angreifer mit aufbricht, immer noch nicht!. Und beim Bürgerkrieg war das Recht auf seiten der Republikaner und die historische Schuld bei Francos Faschisten, sorry, darüber wären sich sogar Angela Merkel und Gregor Gysi einig.
    Zählen denn hier demokratische Grundwerte überhaupt nicht?
    Es ist mir klar, dass auch Spanier aus Familien von Franco-Anhängern unter Angriffen der Republikaner leiden mussten. Traurig für sie, da sie ja persönlich auch nichts dazu konnten. Das ist eben Geschichte.
    Es ändert aber nichts am primären Unrecht Francos, der schließlich eine gewählte republikanische Regierung gewaltsam angegriffen und gestürzt hatte. Hätten ihm die Republikaner vielleicht freiwillig den Platz räumen sollen??
    Auch nach dem Krieg ließ Franco noch Tausende von Menschen, die seine Diktatur ablehnten oder nur dafür verdächtig waren, umbringen, foltern oder wegsperren.
    Seit wann ist so etwas entschuldbar?
    Es ist legitim, sich gegen Faschisten, die einen angreifen zu verteidigen und das gelingt leider nur in den seltensten Fällen ohne Gewalt!
    Stelle man sich diese quere Logik mal auf Deutschland übertragen vor.
     
    #66 12. April 2014
  7. Helen
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    Zitat von : "Es ist für mich immer nur eine Frage der eingesetzten Mittel im "erkämpfen einer sozialen Veränderung" - Wer wahllos (auf Verdacht oder im heutigen Sprachgebrauch Präventiv) tötet, darf nicht auf, zumindest meine, Gutierung hoffen - ohne Rücksicht auf das jeweilige politische Lager."
    Nein, natürlich ist wahllos töten zu verurteilen. Aber wegen dieser Entgleisungen die vorkamen eine ganze ansonsten rechtmäßige Sache mit dem Faschismus gleichzustellen, der schon in seiner Idee den Menschenrechten widerspricht und sich damals gewaltsam zur Macht kämpfte, ist Irrsinn! Übrigens gingen anscheinend nicht alle dieser Entgleisungen wirklich auf das Konto der Republikaner und Anarchisten,einige wurden von Faschisten begangen und den Republikanern angehängt, eine Taktik, die man nachweislich auch heute noch oft anwendet um linke Bewegungen zu diskreditieren!

    Jahrhundertelange soziale Unterdrückung und Ausbeutung ist eine Form von permanenter Gewalt und erzeugt Gewalt, und man kann nicht verlangen, dass alle Freiheitskämpfer Engel sind, ehe sie sich wehren dürfen. Dann hätte es auch nie eine französische Revolution geben dürfen, die aber trotz aller schlimmen Gewalt zu der es dabei kam, heute als historisch notwendig betrachtet wird. - Gewalt ist auch keinesfalls ein spezifisch spanisches Phänomen. - Und wie hätte man sich gegen den deutschen Faschismus wehren sollen? Beim Bombardieren deutscher Städte wurden wahllos Millionen Menschen getötet, hätten also demnach die Siegermächte ebenso viel Schuld wie die Deutschen, weil sie das mit dem gewaltfreien Widerstand irgendwie nicht auf die Reihe kriegten ...wäre die Fortsetzung deiner Logik.
     
    #67 13. April 2014
  8. bini
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    Nur zur Erinnerung!

    14. April 1931 wurde die (zweite) Republik in Spanien proklamiert.

    Grüsse
     
    #68 14. April 2014
  9. Meckerer
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    ..und wenn es nach Julio Anguita geht, demnächst die dritte - Gott stehe und bei!
     
    #69 15. April 2014
  10. Gast15112017
    Gast15112017 Guest
    Mit der Schlussfolgerung liegst Du absolut richtig.

    Gruß
    Manfred
     
    #70 15. April 2014
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