Also mal ganz vornan gestellt:
Ich bin grundsätzlich gegen JEDE Form von Tierquälerei und möchte wegen meines Beitrags nicht den ganzen Zorn aller mitglieder auf mich ziehen. Doch ich habe mir zu dem Thema schon vor einigen Jahren meine eigenen Gedanken gemacht.
Alle, die sich so vehement gegen Tierkampf aussprechen - mal Hand aufs Herz! Esst Ihr auch kein Rindfleisch bzw. seid Ihr so konsequent und esst überhaupt kein Fleisch? Denn die Tierquälerei findet nicht in den spanischen Arenen statt, sondern in den Ställen mit Massentierhaltungen, deren "Produzenten" Fleisch an Supermärkte liefern, das der Verbraucher gern mal "en passant" mitnimmt, auch wenn er sonst beim Metzger seines Vertrauens oder beim Bio-Bauern kauft.
Ich bin noch nie bei einem Stierkampf gewesen, obwohl mich die Athmosphäre schon begeistern könnte - diese Spannung, die man im Publikum förmlich spüren muss!
Ihr, die Ihr alle so gerne die Spanier und den traditionellen Stierkampf verurteilt, wisst Ihr eigentlich, wie so ein Kampfstier sein Leben verbringt? Er lebt auf einsamen Weiden, den Dehesas, zusammen in einer Herde mit seinen Artgenossen. Atmet die frische Luft und liegt faul unter Bäumen rum und frisst den ganzen Tag. Ward Ihr schon mal in Andalusien? Seid Ihr schon mal in die versteckten Täler gekommen, in denen diese Tiere, meist weit entfernt von der Zivilisation leben?
Doch der Tag kommt, dann werden Sie verladen und in die Stierkampf-Arenen gebracht. Dort ereilt sie in der Regel innerhalb von 20 Minuten der Tod. Für einen geübten Torero kein Problem. Klar, manchmal müssen diese Tier auch leiden.
Manchmal? Ich sage ja - nur manchmal. Sie kommen in eine für sie völlig neue Welt, in die tosende Arena. Sie sind verwirrt und rasen mit ihren Hörnern auf die Peiniger zu. Doch sie empfinden dabei keinen Schmerz, da das Schmerzempfinden erst nach 20 Minuten einsetzt, doch dann sind sie bereits tot.
Für manch einen mag dies neu sein, andere wiederum kennen das Phänomen:
Man erleidet schwere Schmerzen, doch durch den Schock empfindet man diese Schmerzen nicht. Das ist eine natürliche Schutzreaktion des Körpers.
Und warum ich so schlau daher reden kann?
Ich hatte mal einen Autounfall mit einem Trümmerbruch im Unterschenkel. An einer Stelle des Waden- und Schienbeins befanden sich nur noch einzelne Knöchelchen. Ich hatte ein halbes Jahr lang starke Schmerzen. Doch ich habe bis zum Krankenhaus, als sie anfingen, den Stiefel von meinem Bein zu ziehen, keine Schmerzen. Was danach kam, war die Hölle. Ich habe nachher gelesen, warum das so war.
Was also sind die 20 Minuten in der Stierkampfarena, und vielleicht ein Tag des Transportes, verglichen gegen ein ganzes Leben in Freiheit?
Wer war schon mal dort, wo Tiere in Massen gehalten werden, Tiere prophylaktisch täglich Ihre Ration an Medikamten verpasst bekommen, nie das Tageslicht sehen und in Ställen leben müssen, die einem die Atemluft rauben? Gott sei Dank ist das "Leben" dieser Tiere nur sehr kurz und wenn sie könnten, ich glaube sie würden sofort mit jedem spanischen Kampfstier tauschen!
Und jetzt dürft Ihr mich in der Luft zerreißen!
Cangreja