(„Königlicher Marsch“) ist die Nationalhymne von Spanien. Sie ist eine der wenigen Nationalhymnen ohne Text.
Die spanische Nationalhymne ist eine der ältesten in Europa, der Ursprung ist unbekannt. Erstmals erwähnt wird sie in einem Dokument von 1761, „Libro de Ordenanza de los toques militares de la Infantería Española“ von Manuel de Espinosa, mit dem Titel Marcha Granadera (Grenadiermarsch), aber ohne Autor.
1770 wurde die Marcha Granadera von König Karl III. zum offiziellen „Ehrenmarsch“ erklärt. In kurzer Zeit und ohne explizite Anweisung des Königs avancierte sie für das spanische Volk als „La Marcha Real“ betitelt zur Nationalhymne, da sie stets gespielt wurde, wenn der König, die Königin oder der Kronprinz öffentlich auftraten.
Die Marcha Real hat keinen offiziellen Text. Inoffiziell wurden ihr allerdings häufig Texte unterlegt, die oft große Popularität erlangten.
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11. Januar 2008
Spanien besitzt nicht nur eine Nationalhymne, sondern erstmals auch einen offiziellen Text dazu. Rund sechs Monate haben eine Findungskommission des Spanischen Olympischen Komitees und eine aus sechs Mitgliedern bestehende Jury damit zugebracht, aus insgesamt siebentausend Vorschlägen die besten tausendvierhundert herauszufiltern und danach in sorgfältiger Abwägung aller inhaltlichen Anforderungen einen Siegertext zu küren. Die Tageszeitung „ABC“ war in Feierlaune und räumte am Freitag ihre Titelseite frei, um die sechzehn schlichten Zeilen aufs Rot der spanischen Flagge zu setzen.
Was der neue Text außer lebhaften Diskussionen bewirken wird, ist noch nicht abzusehen, fest steht nur die weitere Prozedur: Am Montag übergibt die Jury den Text offiziell dem Spanischen Olympischen Komitee, und am 21. Januar soll der Tenor Plácido Domingo die Hymne und den Text in einem Saal des Madrider Kongresszentrums, der den passenden Namen „Juan Carlos I.“ trägt, erstmals öffentlich singen. Keine schöne Idee, die Sache mit dem unfeierlichen Kongresszentrum, aber sowohl die Oper wie auch der beste Saal für Sinfoniekonzerte waren schon lange ausgebucht. Da offenbar auch Plácido Domingo nur mit Mühe seinen Terminkalender freigeräumt hat (es heißt, der Tenor komme „mit dem Privatjet“ direkt aus einem Brüsseler Aufnahmestudio, wobei man sich schon fast einen Helikopterflug zwischen dem Studio und der Brüsseler Landebahn vorstellt), lässt sich das Hauruckverfahren wohl nur mit der besonderen nationalen Wichtigkeit der Sache selbst erklären.
Im Gestrüpp der Ironien
Doch damit steckt man schon mitten im Gestrüpp der Ironien, die das heutige spanische Selbstbild umgeben. Denn wie immer kommt es darauf an, wen man fragt. Als seinerzeit Alejandro Blanco, der Präsident des Spanischen Olympischen Komitees, heimlich des Gelände sondierte, stieß er mit seiner Idee, endlich einen Text zur „Marcha Granadera“, dem sogenannten Königsmarsch, zu finden, vielerorts auf offene Ohren. Erst wenige Monate zuvor war die Nationalflagge ins Gerede gekommen, weil die oppositionelle Volkspartei (PP) sie auf Demonstrationen gegen die Politik von Ministerpräsident Zapatero verwendet und damit unmissverständlich klargemacht hatte, auf welcher Seite die Vaterlandsliebe zu Hause ist. Jetzt fanden viele, man solle doch zur spanischen Hymne auch etwas singen können. Zumal die Spanier doch ein singfreudiges Volk seien!
Eher konservative Madrider Medien machten sich das Thema zueigen, auch Leichtathleten und Fußballer äußerten sich zustimmend, jene also, die den Text bei Länderwettkämpfen über die Lippen bringen sollen - und dann geisterten auch schon die ersten ernstgemeinten und parodistischen Entwürfe durchs Internet. Ganz abgesehen davon, dass sich bei YouTube auch die franquistische Version - mit gerecktem Arm, mit „Glauben“, „Arbeit und Frieden“ und so weiter - noch immer großer Beliebtheit erfreut.
Klare Vorgaben
Viele Texter hätten sich die Mühe allerdings sparen können, denn die Vorgaben waren aus Gründen der politisch-kulturellen Sensibilität klar. Die Hymne sollte nicht ein großes, stolzes, katholisches Vaterland feiern, sondern ein Land verschiedener Sprachen, Denkweisen und Mentalitäten. „Groß“ durfte es natürlich sein, aber es musste seinen Stolz aus der Diversität beziehen, den Errungenschaften von Demokratie, Stabilität und Frieden. Schön wäre ein Hinweis auf die landschaftlichen Reize, doch auch sie sähe man besser in ihrer Verschiedenheit als im Folklore-Klischee des glutäugigen Andalusiers. Was also sollte man dichten?
Das, was immer geht. Frieden und Freiheit. Demokratische Werte. Und das Wort „Vaterland“ in Zeile neun wird durch Brüderlichkeit in Zeile acht und den blauen Himmel in Zeile elf wirksam gepolstert. Besonders geschickt, also mehrheitsfähig, ist die Verwendung von Singular und Plural, in der man neben dem rhetorischen Grundton die eigentliche politisch Kuschelstrategie erkennen kann: Die „verschiedene Stimme“ (wo es eigentlich Stimmen sein müssten) verbindet sich mit dem „einzigen Herzen“, während die dritte Strophe mit Bedacht von „Völkern“ spricht, nicht vom einzigen Volk, und den autonomen Regionen eine ideelle Souveränität zugesteht, die sie im Staatsgefüge nicht haben. In solcher Nationalhymnenlyrik zeigt sich, dass der Autor - es handelt sich um einen zweiundfünfzig Jahre alten, arbeitslosen Mann namens Paulino Cubero - eine Meisterleistung erbracht hat.
Text: F.A.Z., 12.01.2008, Nr. 10 / Seite 36
Saludos
Cangreja