Ein trauriges Thema, das jetzt auch den deutschen Lesern durch
Spiegel ONLINE bewusst gemacht wird.
Was nützt eine Arbeitsrechtsreform, wenn es gar keine Arbeit(splätze) gibt?
In den vergangenen 30 Jahren haben
alle spanischen Regierungen es versäumt, in Spanien eine solide, vernünftige Industrie aufzubauen.
So setzte man einseitig auf die Bauwirtschaft und den Tourismus und verabsäumte es, andere Industriebereiche zu fördern. Wichtig war nur der
pelotazo (d.h. schnell und halblegal reich werden, möglichst ohne zu arbeiten). Die Politiker und Wirtschaftsbosse machten es vor. Die Bürger wollten nachziehen...
Welche Arbeitsmöglichkeiten bieten sich den jungen und nicht mehr so jungen Spaniern und Spanienrinnen denn z.B. an der Costa Blanca? Kellner in einem Restaurant oder Kassierer in einem Supermarkt. Das war's so ziemlich...Es gibt mehr als genug Anwälte, Ärzte, Handwerker, Verkäufer, etc. und andere Industrie gibt es nicht.
Da jeder (glaubt) Kellner, Koch, Maurer,etc. ohne jede Ausbildung sein zu können, fehlt es in jeder Hinsicht auch an Professionalität und Qualität.
In anderen Küstenregionen sieht es kaum besser aus, vom Inland, das verödet ganz zu schweigen.
Es nützt nichts, dass sich die spanische Wirtschaft den Anstrich zu geben versucht, durch "Billiglöhne" ein "interessanter" Industriestandort zu sein, wenn die Effektivität und die Qualität der spanischen Arbeitskräfte anerkannt schlecht sind? Auch hier hat der Staat es versäumt, von Anfang an solide Reformen im Schul- und Ausbildungswesen zu praktizieren. Das sagte kürzlich jemand am “Runden Tisch der Arbeitgeber des Kreises Marina Alta” (
Mesa redonda de los empresarios de la Marina Alta). Dieser Einrichtung gehört interessanterweise kein einziger deutscher Arbeitgeber des Kreises an, nur Spanier.
Die Landwirtschaft wurde von allen spanischen Regierungen sträflich vernachlässigt. Also bietet auch sie keine Alternative mehr. Als Bauer kann man - auch systembedingt - wegen der vielen
intermediarios (Zwischenhändler) nicht mehr leben.
Die Fischerei, einst ein wichtiger Arbeitgeber in Spanien, liegt am Boden. Traditionelle Fischereibetriebe (Konserven,etc.) z.B.in Andalusien oder Galicien angesiedelt, in strukturschwachen Zonen die einzige Industrie, werden oder sind bereits geschlossen.
Spanien bezeichnet sich als achtgrösste Wirtschaftmacht der Welt und brüstet sich der protzigen Infrastrukturmaßnahmen wie AVE, Autobahnen, Kulturbauten, Autorennstrecken, etc. Doch schaut man genau hin, so sieht man daß das nur Tünche ist. Wie vor 50 Jahren warden z.B. elektrische Leitungen nach wie vor oberirdisch verlegt, auch in Neubaugebieten, die Qualität der Häuser ist miserable, so als ob die Welt noch nie etwas von Isolierung, Lärm- und Schallschutz, etc, gehört hätte. Das geben sogar spanische Bauunternehmer achselzuckend zu.
Man kommt demnächst zwar mit dem AVE in 2 Stunden von Alicante nach Madrid. Doch es gibt keine direkte Zugverbindung von Alicante nach Valencia, also auch nicht nach Barcelona Es ist vorläufig auch keine geplant.
Das Wasserleitungssystem ist so marod und veraltet, dass 30% oder mehr des kostbaren Nass’ in der Erde versickern.
Es gibt keiner vernünftige (Berufs)Feuerwehr in vielen Regionen Spaniens.
Die Liste der Mängel in der Infrastruktur ist endlos ….
Also nochmal: Wozu eine Arbeitsrechtsrefom, wenn es gar keine Arbeit gibt und auch nach der Reform keine geben wird?
Gruß
Morayma