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Alt 01.10.2009, 18:52   Polemik um das Küstengesetz Beitrag #1
imported_morayma
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Standard Polemik um das Küstengesetz

Hausbesitzer in Spanien, die ihr Haus auf einem circa 100 m breiten Streifen entlang der spanischen Küste gebaut haben, sind derzeit in heller Aufregung. Ihrem Haus kann der Abriss drohen.

Grund ist die „neue“ Grenzziehung der Linien, die die Küstenbehörde gemäss dem Küstengesetz aus dem Jahr 1988 (Ley de Costas) zur Zeit vornimmt.

Wer auf einem schmalen Streifen direkt am Wasser gebaut hat (dominio público), kann Pech haben. Laut Gesetz geht diese Immobilie in Staatsbesitz über. Die bisherigen Hauseigentümer bekommen das Haus sozusagen in Pacht für maximal 60 Jahren. Sie können es weder verkaufen noch vererben. Dann soll das Haus abgerissen werden. Manche Häuser werden auch sofort abgerissen.
Die Frist von 30 bzw. 60 Jahren begann bereits mit Inkrafttreten des Küstengesetztes im Jahr 1988.

Leider treibt die Anwendung des Gesetz da seltsame Blüten. Denn es kann passieren und ist leider bereits passiert, dass alte traditionelle Strand- und/oder Fischerhäuschen, die seit 100 oder gar 200 Jahren existieren, der Abrissbirne zum Opfer fallen und scheussliche Hochhäuser, die in den vergangenen Jahren gebaut wurden, stehenbleiben dürfen.

Schaut euch in dieser Videoshow einmal an, was stehenbelieben darf und was abgerissen werden soll...

Ungerechtes Gesetz

Es ist zum Heulen. Diese typìschen, schönen uralten Strandhäuschen in Guardamar de Segura werden bzw. wurden abgerissen...
[attachment=2:3eftyfe3]Häuschen Guardamar.jpg[/attachment:3eftyfe3]

Und diese Scheusslichkeiten dürfen stehenbleiben...

[attachment=1:3eftyfe3]sunwayplaya.jpg[/attachment:3eftyfe3]
Hotel Sunway in Sitges


....oder die sogenannte Villa PSOE in Arousa(Galicia),
[attachment=0:3eftyfe3]villapsoe.jpg[/attachment:3eftyfe3]

..so genannt, weil sich viele hohe PSOE Politker dort eine Wohnung kauften... und der offenbar nicht abgerissen werden soll, obwohl der Bau illegal ist und viel zu nah am Meer steht [youtube:3eftyfe3]http://www.youtube.com/watch?v=HB5a-fISCI8[/youtube:3eftyfe3]

Ausserdem fiel dem Bau der Villa PSOE ein ganzer alter Pinienewald zum Opfer..

Wesentlich aufregender ist die Sache aber für die Hauseigentümer, die in dem 20 bis 100 m breiten Streifen gebaut haben, der zona de protección de servidumbre ZPS genannt wird.
Wenn es nach den Buchstaben des Gesetzes geht, verlieren auch sie das Eigentumsrecht an ihren Häusern, auch wenn sie vor 30 oder 40 Jahren ganz legal gebaut haben.

In Calpe sind davon z.B. grosse Teile der Urbanisation El Tosal und Maryvilla etc. betroffen, In Benissa u.a. Les Bassetes, La Fustera, etc. in Moraira El Portet etc., etc.

Wenn die Küstenbehörde stur bleibt, sind in ganz Spanien rund 400.000 Häuser betroffen.

Zur Zeit läuft die Zeit (ab) in der man Einspruch einlegen kann.

Die spanische Organisation PLATAFORMA NACIONAL DE AFECTADOS POR LA LEY DE COSTAS hat bereits Klage bei der EU eingereicht wegen missbräuchlicher Anwendung des Gesetztes und Verstoß gegen das verfassungsrechtlich geschützte Eigentumsrecht.

Eine andere Sache ist die, das viele Rathäuser aus Gewinnsucht auch nach 1988 den Bau von Häusern in dieser Zone zuliessen, obwohl sie genau wussten, dass sie damit gegen das Gesetz verstiessen.

Un saludo

Morayma
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Alt 02.10.2009, 07:02   Polemik um das Küstengesetz Beitrag #2
Tibi
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Beiträge: 3.946
Standard Re: Polemik um das Küstengesetz

Zitat:
Zitat von morayma
8 (Ley de Costas) zur Zeit vornimmt.
Es ist zum Heulen. Diese typìschen, schönen uralten Strandhäuschen in Guardamar de Segura werden bzw. wurden abgerissen...
[attachment=2:23sj2rpk]Häuschen Guardamar.jpg[/attachment:23sj2rpk]

Un saludo
Morayma
In 2 Dingen stimme ich dir zu, die Strandhäuschen sind uralt und typisch. Aber was ist daran schön, wenn jedes vor X-Jahrzehnten gerade das Material verwendet hat, was vielleicht vorrätig und billig war ? So wohl die Front- als auch recht die Rückseiten sind meistens in einem erbärmlichen Zustand.

Auch dürfte sich der Abriss vieler dieser Häuschen durch Menschenhand nach den nächsten Stürmen erledigen, da viele der Fundamente schon vom Meer unterspült werden.

Dieses Bild habe ich am 01.09.09 gemacht und wieder einmal fehlte mind. 30 bis 40% der Strandfläche vom letzten Jahr in La Marina El Pinet


Und das Hochhäuser mit sehr gut zahlenden Eigentümern bzw. Hotels stehen bleiben dürfen, wundert dich doch nicht wirklich oder Genauso wenig, wie ein Gesetz aus 1988, das man jetzt !! 21 Jahre später umsetzen will
Tibi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.10.2009, 09:43   Polemik um das Küstengesetz Beitrag #3
imported_morayma
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Standard Re: Polemik um das Küstengesetz

Zitat:
Zitat von Tibi

In 2 Dingen stimme ich dir zu, die Strandhäuschen sind uralt und typisch. Aber was ist daran schön, wenn jedes vor X-Jahrzehnten gerade das Material verwendet hat, was vielleicht vorrätig und billig war ? So wohl die Front- als auch recht die Rückseiten sind meistens in einem erbärmlichen Zustand.

Es geht nicht nur um die Häuschen von Guardamar. Da hatte ich nur ein Foto, das ich 1995 gemacht hatte. damals waren alle Häuschen noch gepflegt. Es gibt auch Häuser in Denia-Las Marinas, Moraira, in Nules, in Galicien, etc. die vor 30 oder 40 Jahren legal direkt am Strand oder in der 100 m-Zone gebaut wurden. Gerade die betrifft es nun auch.

Es werden ja auch historische Gebäude wie alte Mühlen aus dem 15. Jahrhundert, Fischerdörfer aus dem 19. Jhdt. abgerissen, nur weil sie seit 200 oder 500 Jahren zu nahe am Strand stehen So kann man sein kulturhistorisches Erbe nicht mit Füssen treten.



Zitat:
Zitat von Tibi
Und das Hochhäuser mit sehr gut zahlenden Eigentümern bzw. Hotels stehen bleiben dürfen, wundert dich doch nicht wirklich oder Genauso wenig, wie ein Gesetz aus 1988, das man jetzt !! 21 Jahre später umsetzen will
Viele dieser Hochhäuser wurden in den vergangenen 5-10 Jahren gegen jedes Gesetz und gegen jede Vorschrift illegal gebaut. Zum Teil mit Genehmigung der Behörden (gegen ordentliches Bakschisch) und vor den Augen der Küstenbehörde. Was ist das für ein Staat, der solche Illegalitäten unterstützt aber gewachsene, historische Bausubstanz abreisst?

Was ist das für ein Rathaus, was für eine Landesregierung, die die Leute seit 1988 in diesen Zonen "offiziell" bauen lässt und nicht informiert, dabei mehr als ordentlich kassiert, wohl wissend, dass das gegen das Küstengesetz ist und nun die Leute im Regen stehen lässt und ein grosses Geschrei gegen die "bösen Umweltminster" anfängt, obwohl sie selbst die Schuldigen sind?

Die Küstenlinie war bereits 1988 deutlich sichtbar mit blauen Poldern markiert. Die verschwanden klammheimlich und wurden von Bauunternehmern oder Rathäusern entfernt, damit man dort bauen konnte, ohne dass unbequeme Fragen auftauchten.
Auch die Notare haben die Käufer nicht darauf hingewiesen, dass ihr Wunschobjekt möglicherweise illegal ist, obwohl sie dazu verpflichtet gewesen wären.
Auch die Grundbuchämtern hatten seit 1988 die Auflage, in solchen (Zweifels)Fällen auf einer Bescheinigung des Küstenamtes zu bestehen, ehe sie das Eigentum eintrugen.
Ich war nur bei zwei Fällen im Jahr 1990 dabei, wo sowohl Notar als auch Grundbuchamt eine Bescheinigung der Küstenbehörde verlangten. Später habe ich nie wieder gehört, dass so ein Dokument vorgelegt werden musste. Es ist aber seit 1988 Vorschrift.

[attachment=0:19eoz76j]DSC07185.JPG[/attachment:19eoz76j]
Das ist so ein Polder, der die Linie markiert....einer der wenigen, die noch existieren....

Die Häuser, die viele innerhalb der 20 bzw. 100 m Zone ZPS vor 30 oder 40 Jahren gebaut hatten, die waren zum damaligen Zeitpunkt absolut legal und entsprachen den damaligen Gesetzen. Die kann man doch nicht im Nachhinein als illegal einstufen. Schon gar nicht, wenn man hunderte von hässliche Gebäuden in erster Strandlinie existieren, die nachweislich und z.T. gerichtlich festgestellt als illegal eingestuft wurden.

Was ist das für ein Staat, der 21 Jahre lang zuschaut, wie fröhlich und illegal in der ZPS gebaut wird und und plötzlich auf Biegen und Brechen ein Gesetz realisieren will und dabei unschuldige, geprellte Hausbesitzer mit korrupten Politikern und Bauunternehmern in einen Topf wirft?

Das wäre ungefähr so, als ob der Staat nun ein Gesetz herausbringt, das verbietet, Gebäude höher als 7 m zu bauen und dann anordnet, dass alle Kirchtürme abgerissen werden, weil die höher als 7 m sind

Un saludo

Morayma
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Dateityp: jpg DSC07185.JPG (1,48 MB, 21x aufgerufen)
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Alt 02.10.2009, 09:55   Polemik um das Küstengesetz Beitrag #4
Tibi
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Standard Re: Polemik um das Küstengesetz

Hallo Morayma,

ich stimme dir voll und ganz zu.

Aber bedenke auch, was ist in den 60er und 70er Jahren in Deutschland alles an erhaltungswürdigen und kulturträchtigen Gebäuden vernichtet worden, um dann die typischen mit Kunstmarmor verkleideten Hochhausfassaden zu erstellen ?

Und anstatt aus den Fehlern anderer Länder zu lernen, treibt es Spanien, egal ob Zentralregierung oder Provinzverwaltungen auf die Spitze

_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _
Jetzt warte ich auf Beiträge der Fürsprecher für das Ach-so-gute-Spanien, die auch diese Politik für gut befinden
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Alt 04.10.2009, 10:27   Polemik um das Küstengesetz Beitrag #5
Tibi
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Standard Re: Polemik um das Küstengesetz

Hier
http://www.costanachrichten.com/content/view/8352/96/
finden sich weitere deprimierende Beiträge zum Thema Hausbesitz / Enteignungen in Spanien.

Der gesamte Artikel über mehrere Seiten befindet sich in der Druckausgabe.

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