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07.11.2004, 23:39
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Moscheen und ihre Überreste in Andalusien Beitrag #1
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Erfahrener Benutzer
Registriert seit: 12.01.2004
Ort: Münster/Granada (2002/3)
Beiträge: 807
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Moscheen und ihre Überreste in Andalusien
Schlendert man als kulturell interessierter Tourist offenen Auges durch die mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Viertel der mittel- und südspanischen Städte und Dörfer, entdeckt man schnell, dass viele Kirchen nicht den sonst so typischen kreuzförmigen Grundriss haben, sondern einen rechteckigen, quadratischen oder auch nur trapezförmigen Grundriss. Wenn dann noch ein ummauerter Hof mit einem oder mehreren Brunnen zur Kirche gehört, kann man sich fast sicher sein, dass diese Kirche den Platz einer Moschee eingenommen hat. Manchmal sieht man sogar noch bauliche Reste derselben. Das zum Glockenturm umfunktionierte Minarett mit seinen Arabesken, ein übrig gebliebenes Mihrab (die Gebetsnische, welche die Richtung nach Mekka anzeigt) und andere architektonische Details. Häufig wurden aber umgeweihte Moscheen bald abgerissen und durch eine (spät)gotische Kirche, oder einen Renaissance- oder Barockbau ersetzt.
Die wohl berühmteste ehemalige Moschee in Andalusien ist die Mezquita-Catedral von Córdoba, eine der größten Moscheen des Mittelalters und bis heute ein beeindruckendes Denkmal islamischer Baukunst. Den Grundstein hierfür soll der erste unabhängige Emir Andalusiens ‘Abd ar-Rahman I. gelegt haben. Es folgten vier Erweiterungen, die ersten drei durch seine legitimen Nachfolger, die Emire und Kalifen waren, die letzte Erweiterung erfolgte durch den Mann der die Spanier noch heute, 1002 Jahre nach seinem Tod das Fürchten lehrt: Almanzor. Dieser war zwar offiziell nur Hadjib, also Großwesir, hatte aber de facto den Kalifen entmachtet, bzw. hatte den Bruder des Kalifen nach dessen Tod ermordet, um den minderjährigen Sohn ungestört manipulieren zu können. Derselbe Almanzor war es, der 997 Santiago de Compostela plünderte und zerstörte – aus Respekt vor dem Heiligen ließ er das Grab und die Kirche stehen – und die Glocken der Kirche auf den Schultern gefangener Christen nach Córdoba brachte, wo sie bis 1236, als Fernando III. die Stadt eroberte, als Lampen in der Moschee dienten. Die Besonderheit der cordobesischen Moschee war der Hufeisenbogen, über dem ein weiterer Rundbogen angebracht war, über dem die Decke der Moschee schwebte. Diese Konstruktion hatte, von der Seite gesehen, die Silhouette einer Palme, bzw. eines ganzen Palmenhaines. Dass dies beabsichtigt war, dafür spricht, dass man ‘Abd ar-Rahman eine ganz besondere Liebe für diesen Baum nachsagt. ‘Abd ar-Rahman, der im syrischen Rusafa aufgewachsen war und nach Spanien fliehen musste, soll sein Heimweh mit der Nachgestaltung der syrischen Bauwerke in Córdoba und dem Import von Palmen gestillt haben. Es heißt, die Palme sei erst durch ihn auf der iberischen Halbinsel heimisch geworden. Jedenfalls, so glaubt man, war die architektonische Konstruktion eine Fortsetzung der Palmen, die auf dem Vorhof der Moschee gestanden haben sollen. Heute stehen dort hauptsächliche Orangenbäume.
Im 16. Jahrhundert wollte das cordobesische Domkapitel die 1236 zur Kathedrale geweihte Moschee umbauen und bat den deutschen Kaiser und spanischen König Karl V. (I.) um Erlaubnis zu Umbaumaßnahmen. Der Kaiser, welcher Córdoba nicht kannte, stimmte zu. Die Mittelschiffe wurden umgelegt und eine, alles in allem, sehr schöne Barockkathedrale in die alte Moschee hineingebaut. Nur zerstörte diese Konstruktion die Einheit des alten Säulenwaldes und behinderte den Lichtfluss, so dass die ehemals lichtdurchflutete Moschee ein eher schattiger Ort wurde. Als Karl dann die Mezquita-Catedral besuchte, sah er, dass es sich nicht um die Zerstörung einer Ruine, sondern eines "Weltwunders" handelte. Der Überlieferung nach soll er gesagt haben, dass er nicht gewusst habe, welchem Zerstörungswerk er die Zustimmung gegeben habe, und wenn er es gewusst hätte, dann hätte er die Zustimmung nicht gegeben. Die Kathedrale hätte man irgendwo bauen können, aber hier sei etwas, was in der Welt einzigartig war, willkürlich zerstört worden.
Dem Kathedralturm der Mezquita-Catedral von Córdoba nicht ganz unähnlich ist die Giralda, der berühmteste und höchste Kirchturm in Andalusien; sie ist das alte Minarett der Almohadenmoschee (12. und 13. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung) in Sevilla. Von der Moschee Sevillas ist sonst nur noch der Sahn in seiner Umfassung erhalten, mit dem Brunnen für die rituellen Waschungen. Im Inneren der gotischen Kathedrale, eine der größten der Welt, befindet sich das Grab Ferdinands III., das ein Zeugnis seiner Toleranz und der seines Sohnes ist, der immerhin die Übersetzerschule zu neuer Blüte geführt hat, Alfonso X el Sabio. Auf dem Grabmal befinden sich neben lateinischen auch hebräische und arabische Inschriften.
Über 200 Jahre nach der Eroberunge Sevillas durch Fernando III., 1248, eroberten die Katholischen Könige (RR.CC.) Granada (1492). Als Boabdil mit den RR.CC. um die Übergabe der Stadt Granada feilschte, nahm er ihnen das Versprechen ab, dass die muslimischen Einwohner und ihre Institutionen und Einrichtungen in Frieden gelassen würden. Nichtsdestotrotz wurden bald die Badehäuser geschlossen und auch die Moscheen in Kirchen umgeweiht.
In Granada erinnert noch die Form der Kathedrale an die neue und die Kirche San Salvador im Albaycín an die alte Hauptmoschee. Während allerdings die Kathedrale nur im Grundriss noch an die Moschee erinnert, sind in San Salvador im Albaycín noch mehr Reste der alten Hauptmoschee Granadas erhalten. Der Sahn (Vorhof der Moschee mit aspiriertem <h>), hat noch die alte Form mitsamt der Hufeisenbögen erhalten. Und noch so einige der alten Minarette Granadas sind in Kirchtürmen erhalten, zu erkennen an Fenstern mit Hufeisenbögen und besonders dekorativ zu Arabesken angeordneten Ziegeln. Im Übrigen ist im Sommer 2003 neben dem Mirador San Nicolas und der gleichnamigen Kirche im Albaycín eine moderne Moschee fertig gestellt worden. Bis dato waren die modernen Moscheen eher in angemieteten Räumen, dieser Bau ist aber nur zu diesem Zweck, aber in altem Stil errichtet worden. In Fuengirolas gibt es dagegen eine saudisch finanzierte moderne Moschee, die mit der andalusischen Bautradition wenig zu tun hat, sondern die osmanische Form aufgreift.
Eigentlich hatte ich mit den Katholischen Königen und Granada aber angefangen um von einer Besonderheit der Kirchen des Albaycín zu erzählen. Nicht alle Kirchbauten hier gehen auf eine alte Moschee zurück. Zwar war es verboten die Gräber der Muslime zu schänden, aber die Kirchen des Albaycín bekamen exklusiv von den Reyes Católicos das Recht, die Grabsteine der Gräber zu verwenden, um neue Kirchen zu bauen. Nähert man sich bestimmten Kirchen, kann man noch die geriffelten Randverzierungen oder Inschriften der muslimischen Grabsteine erkennen. Ein besonders anschauliches Beispiel ist die Kirche San Cristóbal gegenüber des gleichnamigen Mirador an der äußeren Befestigungsmauer (Avenida de Murcia). Der Friedhof von dem die Grabsteine stammten, zog sich von der Puerta Elvira bis zur Plaza de Triunfo und von dort in die Vega de Granada herein, immer entlang der Stadtmauer, heute der Calle del Gran Capitán (der Gran Capitán war ein gewisser Gonzalo Fernández de Córdova, 1453, Sevilla – 1515, Granada, der sich besonders in den Jahren der Eroberung Granadas 1482 – 1492 einen Namen als bedeutender Militärstratege machen konnte. Er passte nämlich die „Kriegskunst“ dem technologischen Fortschritt (Feuerwaffen) an. Mit Boabdil sagt man ihm eine Männerfreundschaft nach, obwohl sie politisch-militärisch Feinde waren. Nach der Eroberung Granadas war er vor allem im Dienste Aragóns im Königreich Neapel (zu Aragón gehörig) tätig, fiel aber nach Isabelas Tod (1504) in Ungnade).
Bis heute finden Bauherren diese Gräber. Die Archäologen, die recht gut über die Ausmaße des Friedhofes informiert sind, sichten diese nur kurz und erstellen so nach und nach einen Belegplan des Friedhofes.
Anhand dieser Daten lassen sich dann demographische Daten erstellen.
In Ronda, in der Kirche Santa María la Mayor kann der geneigte Besucher bis heute das Mihrab des Vorgängerbaus sehen. In der Außenfassade sind bis heute die Reste der Moschee und ihre alten, in Schiffe aufgeteilte, Dachkonstruktionen sichtbar. Auch hier ist der Kirchturm eine Ausbau des alten Minaretts.
In der Alhambra befindet sich außer der Kirche der Medina Alhambra, die neben dem "kubischen" Palast Karls V. natürlich auf dem Grundriss der ehemaligen Moschee der Medina Alhambra steht, noch ein kleiner den Sultanen vorbehaltener Gebetsraum. Dieser befindet sich seitlich des Torre de las Damas in den Gärten der Nasridenpaläste unscheinbar unter ein paar Pinien. Auch hier konnte man sich anhand einer Mihrab gen Mekka richten, allerdings war dieser Gebetsraum für höchstens ein bis zwei Personen bestimmt, also ein sehr privater Bau.
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17.12.2005, 10:20
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Moscheen und ihre Überreste in Andalusien Beitrag #2
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Erfahrener Benutzer
Registriert seit: 11.12.2004
Ort: Alicante
Beiträge: 889
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Re: Moscheen und ihre Überreste in Andalusien
Zitat:
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Zitat von Ibn Khaldun
Die Besonderheit der cordobesischen Moschee war der Hufeisenbogen, über dem ein weiterer Rundbogen angebracht war, über dem die Decke der Moschee schwebte. Diese Konstruktion hatte, von der Seite gesehen, die Silhouette einer Palme, bzw. eines ganzen Palmenhaines. Dass dies beabsichtigt war, dafür spricht, dass man ‘Abd ar-Rahman eine ganz besondere Liebe für diesen Baum nachsagt.
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So die Legende
Der reale Grund für diese spezielle Bauweise der doppelten Bogenreihen war eher folgender:
Das Material, das in den Mezquitas verwendet wurde, stammte von alten römischen und westgotischen Bauwerken. Im Fall Mezquita von Córdoba waren die angelieferten Säulen kürzer als die in Syrien gebräuchlichen. Also war auch mit diesen Säulen die gewünschte Höhe nicht zu ereichen.
So kam der geniale, unbekannte Architekt der Cordobeser Mezquita auf die grandiose Idee, zuerst eine horizontale Linie zu schaffen mit den unterschiedlich hohe Säulen, indem er deren Basen entweder erhöhte oder auch, wenn es notwendig war, versenkte. Auf dem Kapitell jeder Säule brachte er eine schwere, stabile Basisplatte an, auf dieser wiederum ruht ein dicker Pilaster, der untere Säule verlängert und gleichzeitig als Stütze für die oberen Bögen dient, die das Dach tragen.
Dies luftige Struktur, oben breiter als unten, tendiert eigentlich zum Einsturz, wenn sich nicht der Architekt etwas einfallen lassen hätte, was die tatsächliche grosse Erfindung der Cordoberser Bauweise war: Auf der oberen Basisplatte, ein Kreuz bildend mit der Basis des Pilasters, schob er die Hufeisenbögen ein, die eigentlich Strebebögen sind. Dabei erhielt er jedoch die Öffnungen, d.h. er füllte den Leerraum zwischen den Bögen nicht aus.
Daß die gesamte Bogenkonstruktion durch diesen bautechnischen Trick die Form eine Palmenhaines bekommen hatte, war dabei ein eher gern gesehener Nebeneffekt als ursprünglich beabsichtigt.
Saludos
Morayma
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21.02.2006, 12:14
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Moscheen und ihre Überreste in Andalusien Beitrag #3
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Neuer Benutzer
Registriert seit: 21.02.2006
Ort: wolkenkuckucksheim
Beiträge: 2
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denkmalschutz? private gebäude?
¡hola!
ich befasse mich seit kurzem mit dem maurischen andalusien und habe zwei fragen:
gibt es noch weltliche ganz oder zum teil erhaltene arabische bauten, oder sind moscheen die einzigen zeugnisse der arabischen architektur?
wie sieht es außerdem mit dem denkmalschutz aus? natürlich werden weltberühmtheiten wie die alhambra und die mezquita de córdoba ihn genießen, doch was ist mit kleineren, vll ebenso geschichtsträchtigen sehenswürdigkeiten?
¡gracias y hasta luego!
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21.02.2006, 13:37
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Moscheen und ihre Überreste in Andalusien Beitrag #4
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Erfahrener Benutzer
Registriert seit: 23.05.2010
Beiträge: 5.940
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naja - kauf dir ein altes Haus, reisse es ab weil du dir ein neues mit Keller oder Tiefgarage bauen willst, finde eine römische Strasse oder ein arabische Bad und du wirst an deinem Grundstück keine grosse Freude haben...
Was ich sagen will - wenn etwas gefunden wird, und das kommt in den alten Ortschaften ständig vor, gibt es einen sofortigen Baustopp und je nachdem was es ist muss es auch erhalten werden und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
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21.02.2006, 17:14
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Moscheen und ihre Überreste in Andalusien Beitrag #5
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Erfahrener Benutzer
Registriert seit: 12.01.2004
Ort: Münster/Granada (2002/3)
Beiträge: 807
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Re: denkmalschutz? private gebäude?
Zitat:
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Zitat von Atlantay
gibt es noch weltliche ganz oder zum teil erhaltene arabische bauten, oder sind moscheen die einzigen zeugnisse der arabischen architektur?
wie sieht es außerdem mit dem denkmalschutz aus? natürlich werden weltberühmtheiten wie die alhambra und die mezquita de córdoba ihn genießen, doch was ist mit kleineren, vll ebenso geschichtsträchtigen sehenswürdigkeiten?
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Natürlich gibt es jede Menge an arabischer Architektur in Andalusien/Spanien. Paläste, Burgen, Stadtmauern, Bäder, Privathäuser... Viele davon sind in Privatbesitz, manche der Öffentlichkleit zugänglich, manche nicht. Wenn Du speziell Profanbauten suchst, fallen mir in Granada noch der alte Markt rund um die Kathedrale ein und die Karawanserei, in der die Touristen-Information untergebracht ist, bekannt als Corral de Carbón, sowie der Maristan, ein maurisches Krankenhaus, dessen Fassade noch erhalten ist.
Privathäuser sind in Altstädten noch teilweise erhalten, meist aber nicht mehr unbedingt als "arabisch" zu indentifizieren.
Zitat:
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Zitat von Sidona
naja - kauf dir ein altes Haus, reisse es ab weil du dir ein neues mit Keller oder Tiefgarage bauen willst, finde eine römische Strasse oder ein arabische Bad und du wirst an deinem Grundstück keine grosse Freude haben...
Was ich sagen will - wenn etwas gefunden wird, und das kommt in den alten Ortschaften ständig vor, gibt es einen sofortigen Baustopp und je nachdem was es ist muss es auch erhalten werden und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
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Wer in einer Innenstadt Baugelände kauft, muss davon ausgehen, dass darunter Bodendenkmäler liegen. Wenn diese durch einen Neubau nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, werden sie normalerweise im Boden gelassen. Zerstört aber ein Neubau ein Bodendenkmal, muss dieses erst archäologisch gesichert werden. Hier gilt das Verursacherprinzip, d.h. der Bauherr bezahlt die Grabung. Die ist teuer, vor allem deshalb, weil sie sich je nach Funddichte sehr lange hinziehen kann.
Ich selber habe mal sechs Monate in einer Grabung gearbeitet: es war ein Bauernhaus aus dem 13. Jahrhundert, wovon wir nur einen Teil ergraben haben, weil dieser Teil durch den geplanten Neubau zerstört worden wäre. Dies mal nur zur Verdeutlichung wie lange eine Grabung dauert.
Normalerweise wissen die Archäologen aber vorher, was für Funde zu erwarten sind, das hängt sowohl von der historiographischen Überlieferung der Stadtgeschichte ab, als auch von älteren Grabungen. Eher selten hat ein Bauherr das Pech, dass er auf seinem Baugrundstück ein Bodendenkmal hat, welches so interessant ist, dass es erhalten werden muss.
Nehmen wir mal an, man würde bei Córdoba die Palaststadt Madinat az-Zahira - nicht zu verwechseln mit Madinat az-Zahra - finden, dann hätte der Bauherr wohl keine Chance, dass er oder seine Erben das Bauvorhaben jemals realisieren könnten.
In den Kosten und in der Zeitverzögerung, die so eine archäologische Grabung mit sich bringt, liegt dann manchmal auch der Reiz der Bauherren des Nachts die Planierraupe unfallmässig in der Grabung zu parken. Dies geschieht sogar im großen Stil, staatlicherseits. Als man z.B. nach dem libanesichen Bürgerkrieg begann Beirut wieder aufzubauen, stieß man auf bis zu 3000 Jahre alte Ruinen (was zu erwarten war). Die halbstaatliche Firma, welche mit dem Wiederaufbau beauftragt war, handelte genau nach dem beschriebenen Prinzip des Falschparkens von Planierraupen.
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21.02.2006, 21:41
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Moscheen und ihre Überreste in Andalusien Beitrag #6
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Erfahrener Benutzer
Registriert seit: 23.05.2010
Beiträge: 5.940
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naja - ganz so selten ist es eben nicht, in Orten wie Medina Sidonia sind die Leute schon so weit, dass sie alte Häuser nur bis zum ersten Stock abreissen und neu aufbauen, das Erdgeschoss aber stehen lassen um nicht in Gefahr zu laufen etwas zu finden. Vor kurzem wurde das alte Kino abgerissen und man fand eine grössere römische Anlage darunter. Jemand wollte in sein Haus eine Tiefgarage bauen und fand eine römische Strasse - statt einer Garage hat er nun ein öffentlich zugängliches Museum im Keller...
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22.02.2006, 01:21
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Moscheen und ihre Überreste in Andalusien Beitrag #7
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Erfahrener Benutzer
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Ort: Münster/Granada (2002/3)
Beiträge: 807
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Und die Anlagen müssen alle erhalten werden, mitten in der Innenstadt? Das ist eigentlich nicht üblich, wenn es sich nicht um besondere oder einzigartige und relativ gut erhaltene Bauten handelt.
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22.02.2006, 01:26
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Moscheen und ihre Überreste in Andalusien Beitrag #8
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Erfahrener Benutzer
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Re: denkmalschutz? private gebäude?
[quote="Ibn Khaldun"]
Nehmen wir mal an, man würde bei Córdoba die Palaststadt Madinat az-Zahira - nicht zu verwechseln mit Madinat az-Zahra - finden, dann hätte quote]
Hola Ibn Khaldun,
Du schreibst " Madinat az-Zahira" nicht zu verwechseln mit " Madinat az-Zahra".
Was ist da der Unterschied?
Saludos
Morayma
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22.02.2006, 01:43
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Moscheen und ihre Überreste in Andalusien Beitrag #9
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Erfahrener Benutzer
Registriert seit: 12.01.2004
Ort: Münster/Granada (2002/3)
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Re: denkmalschutz? private gebäude?
Zitat:
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Zitat von Morayma
Zitat:
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Zitat von Ibn Khaldun
Nehmen wir mal an, man würde bei Córdoba die Palaststadt Madinat az-Zahira - nicht zu verwechseln mit Madinat az-Zahra - finden, dann hätte
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Du schreibst " Madinat az-Zahira" nicht zu verwechseln mit " Madinat az-Zahra".
Was ist da der Unterschied?
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Madīnat az-Zahrā war die Palaststadt der Kalifen, gebaut von Abd ar-Rahman III. und al-Hakam II., ihre archäologischen Reste kann man im Westen Córdobas besichtigen, bei Villarubia.
http://maps.google.com/?ll=37.886014,-4 ... 004828&t=h
Madīnat az-Zāhira ist eine Stadt, die Almanzor für sich anlegen ließ, sie hat den Quellen zufolge bei Alcolea gelegen, und wurde in der fitna barbariyya vollkommen zerstört. Gefunden hat man bisher aber nichts. Sie ist archäologisch schlicht nicht nachgewiesen. D.h. es gibt einige Gegenstände, die quer über Spanien und Marroko verteilt sind, von denen man weiß (Dank Inschriften), dass sie urspünglich für al-Mansur und seine Söhne in Madīnat az-Zāhira hergestellt wurden. Als die Berber die Stadt zerstörten haben sie eben manches als Beutegut mitgenommen.
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22.02.2006, 07:42
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Moscheen und ihre Überreste in Andalusien Beitrag #10
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Zitat:
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Zitat von Ibn Khaldun
Und die Anlagen müssen alle erhalten werden, mitten in der Innenstadt? Das ist eigentlich nicht üblich, wenn es sich nicht um besondere oder einzigartige und relativ gut erhaltene Bauten handelt.
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blödsinnigerweise sind die meisten auch recht gut erhalten und taugen alleweil zur Touristenattraktion und Arbeit für Archäologen.
Im Falle vom "Museum in der Tiefgarage" - Medina Sidonia ist bekannt für seine römischen Abwasserkanäle (cloacas). Nun hat man just in dieser "Tiefgarage" ein Stück römische Strasse gefunden wo ein Ablauf in diese cloacas zu finden war.
In unserem Haus wurde bei Renovierungsarbeiten blos eine Kanonenkugel (ca. 15cm Durchmesser) gefunden...
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